Auf Streamingdiensten ist Werbung mittlerweile trotz Abo-Gebühren gang und gäbe. Denn selbst wenn ihr ein Abo habt, seid ihr zum Beispiel bei Amazon Prime auf niedrigen Abo-Stufen nicht vor der obligatorischen Werbepause sicher.
In Vollpreis-Videospielen sind wir von solchen Praktiken bisher weitestgehend verschont geblieben – von diversen mehr oder weniger verunglückten Versuchen mit Ingame-Advertising einmal abgesehen. Womöglich könnten in Zukunft aber auch in Spielen bald die Werbebanner aufploppen, wenn ihr nicht das richtige Abo abgeschlossen habt. Dieses Gedankenexperiment hat nun zumindest der Xbox-Strategiechef Matthew Ball angestoßen.
1:38:14
Milliardengrab Xbox? Wie Microsoft sein Potenzial verspielt
Im Interview mit The Game Business sagte der Manager, die steigenden Entwicklungs- und Hardwarepreise stellten Entwickler vor ein ernstes Kostenproblem. Um Videospiele weiterhin für alle Kunden bezahlbar zu halten, könnte eine Lösung in Ingame-Werbung liegen.
Die Entwicklungskosten sind viel zu stark gestiegen, und gleichzeitig sind alle unzufrieden mit den steigenden Preisen für Hardware, Software oder Mikrotransaktionen. Das ist eine Herausforderung. Es ist nicht gut, wenn das die einzige Option ist. Ich denke, der beste Beweis dafür kommt aus dem Bereich des [TV-]Streamings. Seit Jahren wählt in den Vereinigten Staaten ein Großteil der Neukunden das werbefinanzierte Angebot.
Das hat niemanden von werbefreien Erlebnissen ausgeschlossen. Diese Produkte gibt es immer noch. Sie sind nach wie vor beliebt. Die Frage lautet nicht: Können wir Werbung in alles hineinquetschen? Die Frage lautet: Gibt es Möglichkeiten, die es Menschen, die es sich nicht leisten können oder es nicht ausprobieren würden, ermöglichen, Zugang zu unseren Angeboten und Franchises zu erhalten?
Aber es geht dabei um die Frage: Wie erreichen wir mehr Menschen? Wie sorgen wir dafür, dass unsere Produkte bezahlbar bleiben? Wie stellen wir sicher, dass wir die hervorragende Arbeit unserer Entwicklerteams weiterhin finanzieren können? Das ist das Ziel.
- Matthew Ball
Soll heißen: Vollpreistitel dürften in Zukunft für einige Spieler zu teuer werden. Um die entsprechenden Spiele trotzdem einem möglichst großen Publikum zur Verfügung stellen zu können, überlegt Ball, ob nicht ein werbefinanziertes Modell für weniger finanzkräftige Spieler eine Lösung sein könnte.
Werbung als Weg aus der Krise?
Mit dieser Zukunftsvision schlägt Ball in eine ähnliche Kerbe wie der ehemalige BioWare-Chef Mark Darrah. Dieser hatte vor einigen Wochen in seinem Podcast vorgeschlagen, die steigenden Produktionskosten großer Spiele über Ingame-Produktplatzierungen gegen zu finanzieren. In der Filmbranche seien solche Placements heutzutage bereits eine übliche Praxis, so Darrah.
Ob es nun letztendlich auf Produktplatzierungen oder Werbepausen hinausläuft – die Stoßrichtung beider Vorschläge ist die gleiche. Die Branche hat das Potenzial von Werbeeinnahmen längst erkannt und versucht nun Wege zu finden, das TV-Modell auf das Medium Videospiele zu übertragen.
Im Falle von Xbox könnte solch ein Abo-Modell etwa an den Game Pass geknüpft sein. Abonnenten der günstigsten Basis-Variante könnten zukünftig dann etwa mehr Ingame-Werbebanner angezeigt bekommen. Werbung für den spieleigenen Shop ist in vielen Live-Service-Titeln ja bereits heute üblich. Zahlungskräftigere Kunden könnten dagegen die werbefreie Variante genießen.
Freilich ist dieser Vorschlag noch in keiner Weise konkret. In nächster Zeit werdet ihr nicht Gefahr laufen, auf Ingame-Werbeschranken zu treffen, beteuert Ball. Der Xbox-Manager hat sich mittlerweile auf Twitter zu Wort gemeldet und betont, im Interview missverstanden worden zu sein. Er habe nie konkret über die Einführung von Ingame-Werbung gesprochen und spreche auch nicht für Xbox als Firma, sondern über seine privaten Ansichten.
Die Frage dürfte aber ohnehin sein, ob die Spiele-Community einen solchen Push hin zu einer Werbefinanzierung der Branche überhaupt unterstützt, oder mit Boykotten quittiert. Denn wer ein Spiel regulär kauft, der sollte nach landläufiger Ansicht auch nicht mit Werbung konfrontiert werden.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.