Seit 2020 ist die Zahl der US-Erwachsenen, die Wearables zur Gesundheitsüberwachung einsetzen, von 30,2 Prozent auf 41,1 Prozent gestiegen. Das zeigt eine am 10. Juni 2026 im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlichte Studie des Cardiovascular Data Science Lab der Yale School of Medicine. Insgesamt flossen Antworten von 17.395 Teilnehmern ein.
Das Ergebnis ist ein Paradoxon: Während die Verbreitung wächst, stagniert oder sinkt der tatsächliche Nutzen.
- Die tägliche Nutzungsrate unter Wearable-Besitzern sank von 50,5 Prozent (2020) auf 41,0 Prozent (2022) und erreichte 2024 nur 45,6 Prozent.
- Gleichzeitig sank die Bereitschaft, Gesundheitsdaten mit dem eigenen Arzt zu teilen, von 81,3 Prozent auf 73,4 Prozent.
Was jedoch am stärksten ins Auge fällt: Der Anteil derer, die ihre Wearable-Daten tatsächlich an einen Arzt weitergegeben haben, lag 2024 bei nur 19,2 Prozent – die Steigerung gegenüber 14,2 Prozent aus dem Jahr 2020 fällt bestenfalls geringfügig aus.
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Digitale Helfer im Klinikalltag: Chancen und Risiken von KI im Gesundheitswesen
Adoption und Alltagsnutzung: Zwei Kurven, die sich entkoppeln
Die Studienautoren beschreiben, dass Wearable-Besitz und medizinisch relevante Nutzung zwei grundverschiedene Dinge sind.
- Wer ein Gerät trägt, nutzt es nicht zwangsläufig täglich – und wer es täglich trägt, gibt die gesammelten Daten nicht automatisch an Mediziner weiter.
- Statistisch gesehen sank die bereinigte Bereitschaft zur Datenweitergabe pro Zweijahresintervall um 24 Prozent.
Besonders relevant ist die Situation bei Menschen mit Herzerkrankungen oder kardiovaskulären Risikofaktoren.
Diese Gruppe – immerhin 62,3 Prozent der untersuchten Wearable-Nutzer – stieg in der Nutzungsrate von 27,3 Prozent (2020) auf 38,4 Prozent (2024), zeigte aber dieselbe Lücke bei täglicher Nutzung und Datenweitergabe wie die Gesamtbevölkerung. Dabei wäre gerade hier ein kontinuierliches Monitoring medizinisch am wertvollsten.
Digitale Kompetenz hilft – aber nur bis zu einem bestimmten Punkt
Ein ebenfalls interessanter Befund der Studie betrifft die digitale Kompetenz: Wer souveräner im Umgang mit digitalen Werkzeugen ist, trägt sein Wearable häufiger täglich und ist eher bereit, Daten zu teilen.
Allerdings übersetzte sich diese höhere Bereitschaft laut den Ergebnissen nicht in eine tatsächlich höhere Datenweitergabe.
Die Autoren schlussfolgern, dass die Barrieren vor allem auf Systemebene liegen: Fehlende Interoperabilität, unklare Workflows im Gesundheitswesen und das Fehlen standardisierter Schnittstellen zwischen Wearable-Daten und Krankenakten seien die Hauptursachen.
Auch Internetzugang war mit Wearable-Nutzung assoziiert, aber nicht mit der tatsächlicher Datenweitergabe – was die Interpretation stützt, dass strukturelle Systemhürden und nicht mangelnde technische Infrastruktur das zentrale Hindernis darstellen.
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