Der Thwaites-Gletscher in der Arktis trägt den Beinamen »Doomsday Glacier«, also »Weltuntergangsgletscher«. Würde er komplett schmelzen, würde der globale Meeresspiegel um 65 Zentimeter steigen (via GEO).
Um das zu verhindern, hat das »Seabed Anchored Curtain Project«, ein internationaler Zusammenschluss aus Experten von verschiedenen Universitäten und Unternehmen, angekündigt, eine 80 Kilometer lange Mauer unter Wasser zu bauen.
Ein Schutzvorhang im arktischen Meer
Die Gefahr des Gletschers: Der Thwaites-Gletscher ist laut Projektangaben für etwa 4 Prozent des weltweiten Meeresspiegelanstiegs verantwortlich. Und das Problem verschärft sich rasant: Warme Meeresströmungen unterspülen die Gletscherbasis und beschleunigen das Schmelzen jedes Jahr mehr.
Der YouTube-Channel SciTech Daily zeigt euch, wie das ungefähr aussieht:
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Die Lösung klingt nach Science-Fiction, ist aber real: Das Seabed Anchored Curtain Project plant laut offiziellen Projektinformationen den Bau einer 80 Kilometer langen und 150 Meter hohen Barriere. Die Konstruktion würde in 650 Metern Tiefe am Meeresboden verankert.
Das Projekt wird von der University of the Arctic (UArctic) koordiniert und laut Projektwebsite sind viele Organisationen dabei:
- Cambridge University
- University of Chicago
- Alfred-Wegener-Institut
- New York University
- Dartmouth College
- NIVA (Norwegisches Institut für Wasserforschung)
- Aker Solutions
So soll es funktionieren
Das soll der Vorhang bewirken: Er soll verhindern, dass warmes, dichtes Tiefenwasser zu den empfindlichsten Bereichen des Gletschers vordringt und ihn so noch schneller zum Schmelzen bringt.
Die Konstruktion wird aus folgenden Materialien entstehen:
- Verstärktem Spezialgewebe, das extremen Drücken standhält
- Auftriebselementen zur Stabilisierung
- Fundamentabschnitten für die Verankerung am Meeresboden
Drei Jahre Forschung, dann der erste Test
Im Januar 2026 wurden laut Projektinformationen bereits Messstationen in der Pine Island Bay vor dem Thwaites-Gletscher platziert.
Die ersten Daten sollen noch dieses Jahr (2026) geborgen werden und bilden die wissenschaftliche Grundlage für das Bauvorhaben.
Parallel dazu läuft eine Vergleichsstudie in Spitzbergen, die untersuchen soll, wie sich natürliche Barrieren auf die Meeresbiodiversität auswirken. Die entsprechenden Ergebnisse kommen im März 2026.
Für das Jahr 2027 ist angeblich ein Feldtest geplant: Ein 150 Meter langer und 40 Meter hoher Prototyp soll im Ramfjord nahe Tromsø in Norwegen getestet werden.
Die Herausforderungen sind gewaltig
So vielversprechend das Projekt klingt, die Hürden sind immens. Der Bau in einer der extremsten Umgebungen der Erde erfordert Technologien, die teilweise erst entwickelt werden müssen.
Wissenschaftler warnen vor unvorhersehbaren Konsequenzen:
- Veränderungen lokaler Meeresströmungen
- Unbekannte Auswirkungen auf die Natur und Tierwelt vor Ort
- Technisches Versagen unter Extrembedingungen
Die Finanzierung kommt laut Projektangaben von philanthropischen Organisationen wie der Tom Wilhelmsen Foundation und Outlier Projects.
Ein Vorhang ist keine Lösung – nur Zeitgewinn
Das Team um das Seabed Curtain Project betont ausdrücklich: Der Vorhang sei kein Ersatz für Klimaschutz. Selbst wenn das Projekt funktionieren würde, könnte es den Kollaps des Gletschers nur verzögern, nicht verhindern.
Der eigentliche Kampf müsse woanders geschlagen werden: bei der drastischen Reduktion von Treibhausgasemissionen. Denn selbst innovative Projekte wie dieses sollen die Erderwärmung nicht rückgängig machen können.
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