Die Hündin Laika trat vor 69 Jahren eine historische Reise an – doch Fruchtfliegen kamen ihr im All zuvor

1957 erreichte erstmals ein irdisches Lebewesen die Erdumlaufbahn. Doch die Geschichte Sputniks 2 ist mehr als historisch - sie erzählt von wahrem Horror.

Eine Briefmarke aus Rumänien erinnerte einst an die unfreiwillige Höchstleistung der Hündin Laika. (Bildquelle: gemeinfrei, WIkipedia) Eine Briefmarke aus Rumänien erinnerte einst an die unfreiwillige Höchstleistung der Hündin Laika. (Bildquelle: gemeinfrei, WIkipedia)

Am 3. November 1957 startete eine sowjetische Rakete zu einer historischen Hinrichtung. Sputnik 2 sollte der Menschheit den Weg in die Sterne eröffnen. Doch sein Pilot war kein Mensch, sondern eine Hündin. Laika hatte keine Wahl, sie war dazu verdammt, Geschichte zu schreiben – und zu sterben.

Denn der erste Flug eines irdischen Lebewesens hinauf auf eine Orbitalbahn, begann am Kosmodrom Baikonur ohne Chance auf Rückkehr. Erst 45 Jahre später allerdings kam der wahrscheinlich wahre Hergang der Ereignisse ans Tageslicht.

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Märchen oder Horrorfilm?

Auf dem Papier liest es sich märchenhaft: Familienlos und auf den Straßen aufgewachsen, kommt sie über Umwege ins sowjetische Raumfahrtprogramm. Dort steigt Laika schließlich zum berühmtesten Hund der Raumfahrtgeschichte auf. Denn sie schafft, was nie zuvor gelang: Ein lebendes Wesen umrundet nur einen Monat nach dem ersten Satelliten (Sputnik) erstmals die Erde – in rund 210 bis 1.660 Kilometern Höhe.

Doch gleich wie historisch das Ereignis für sich ist und egal, welch atemberaubende Kette von Durchbrüchen hier ihren Anfang nahm, endet eine Geschichte an jenem 3. November 1957 endgültig, nämlich Laikas.

Nachdem sie 20 Tage lang in fortwährend schrumpfenden Käfigen an die nur 0,26 Kubikmeter (weniger als das Volumen eines Kühlschrankes) messende Kabine von Sputnik 2 gewöhnt worden war, begann ihre finale Reise. Eigentlich sollte sie nach zehn Tagen mittels vergifteten Futters eingeschläfert werden – eine Rückkehr inklusive kontrollierten Wiedereintritts schloss sich zu dem Zeitpunkt technisch noch aus. Länger hätten die Batterien auch keinen Strom geliefert. Es kam jedoch schlimmer.

Tortur im Orbit

Für Jahrzehnte blieb der wahre Ablauf von Laikas angeblich triumphalem Todesflug geheim. Doch im Oktober 2002 lüftete der Biologe Dimitrij Malaschenkow auf dem World Space Congress in Houston das Geheimnis – das Rennen ins All, der Kalte Krieg und auch die Sowjetunion waren schließlich inzwischen beendet.

Anstatt stetig mit Wasser und Futter versorgt tagelang die Erde zu umkreisen, überlebte Laika nur wenige Stunden – wohl weniger als fünf Umläufe. Die Sowjetunion scheiterte dabei mit ihrem Vorhaben eines sanften Gnadentodes.

Laut der Telemetrie ging es Laika zu Beginn noch relativ gut. Sie fraß während der ersten Umrundungen und es lief augenscheinlich alles nach Plan. Doch beim vierten Orbit zeigten die Sensoren eine stark steigende Kabinentemperatur von etwa 43 Grad Celsius. Einige Zeit danach verstummten alle Lebenszeichen von Laika.

Laut Malaschenkow verstarb sie an Überhitzung und Stress. Die Gründe für den Temperaturanstieg sehen Experten der NASA in einem technischen Versagen, genauer: einer nicht richtig arbeitenden Wärmeregelung und abgelöster Isolierung, wodurch sich die Kapsel stärker als erwartet erhitzte.

Laikas Schicksal erregte weltweit Widerspruch und führte zu Demonstrationen. Russland erinnert zumindest seit 1997 öffentlich an die Hündin: Ihre Geschichte findet sich auf einer Gedenktafel am Institut für Luftfahrt- und Weltraummedizin. Wobei es bis heute als strittig gilt, ob wir überhaupt etwas Verwertbares aus Laikas Schicksal gelernt haben. Der damals leitende Wissenschaftler Oleg Gasenko gestand bereits 1998 ein, »dass sie aus der Mission nicht genug gelernt hätten, um den Tod der Hündin zu rechtfertigen.«


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Tierische Helden vor Laika

Indes kamen einige Lebewesen Laika im All zuvor – darunter die sowjetischen Hunde Dezik und Tsygan im Jahr 1951. Sie umrundeten aber nie den Planeten, sondern überquerten nur die 100‑Kilometer-Höhengrenze (Karman-Linie). Sie stiegen also nur steil empor und fielen direkt wieder hinab.

Den Eintrag in den Geschichtsbüchern sicherten sich allerdings – wenn auch natürlich ebenfalls unter Zwang – Fruchtfliegen. Sie starteten an Bord einer US-V-2-Rakete bereits 1947 ins All und waren die ersten Überlebenden eines solchen Fluges. 1946 erging es einer Vorgängergruppe schlechter.

Besser erging es dem Hundeduo Belka und Strelka im August 1960. Die beiden umrundeten erfolgreich ihre Heimat und landeten wohlbehalten. 

Laikas Leichnam existierte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Ihr Sarg umkreiste die Erde nach ihrem einsamen Tod noch für mehrere Monate, verglühte jedoch am 14. April 1958 in der hohen Atmosphäre. Von ihr oder Sputnik 2 blieb nichts übrig.


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