Es wäre eine Premiere für die Menschheit. Abu Dhabi plant in den kommenden Jahren nicht nur den größten und leistungsstärksten Solarpark auf Erden zu bauen, sondern beabsichtigt mit einer allgemeinen Überzeugung aufzuräumen: Solaranlagen brauchen Licht, um Strom zu liefern.
Der neue Photovoltaik-Park in der Wüste soll rund um die Uhr, also auch nachts, Strom liefern – und nicht gerade wenig. Selbst ohne Sonne soll ungefähr so viel Elektrizität fließen, wie ein durchschnittliches Atomkraftwerk leistet.
Wir erklären, wie die Pläne dafür genau aussehen.
Problematische Lage fundamentaler Rechte in den VAE: Abu Dhabi ist Teil der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Amnesty International sowie Human Rights Watch zufolge missachte die VAE in etlichen Bereichen Menschenrechte und international anerkannte Standards:
Meinungs- und Versammlungsfreiheit sind stark eingeschränkt. Ferner bleibt die gesellschaftliche Stellung von Frauen und Minderheiten (inklusive LGBTQ) weiterhin problematisch.
In der Strafverfolgung herrscht teils Willkür. Die Todesstrafe kommt zur Anwendung. Smartphones und Computer können im Falle eines Verdachts von Terrorismus
ausgespäht werden. Der Begriff ist vage formuliert und kann so unterschiedlich ausgelegt werden: Eingeschlossen ist rein verbale oder schriftlicher Kritik an Abu Dhabi oder den VAE als Ganzes. Für die Teilnahme an einer Demonstration mit dem Ziel, die öffentliche Ordnung zu stören
, droht lebenslange Haft.
Darüber hinaus leiden Arbeitsmigranten weiterhin unter dem Kafala-System. Dieses steht für alltägliche Benachteiligung und Gefährdung von Arbeitsmigranten. So müssen Bauarbeiter im Sommer ungeschützt in brütender Hitze arbeiten. Die in großer Zahl im Land tätigen Hausangestellten sind teilweise strikt an ihre Arbeitgeber gebunden: Verlieren sie den Job, müssen sie das Land oft verlassen.
Ein Solarpark, rund vier Atomkraftwerke stark
Nach der Ankündigung vom staatlichen Konzern Masdar soll in der Wüste nahe der Stadt Abu Dhabi gewaltiges entstehen. Der Solarpark soll:
- etwa 12.000 Fußballfelder groß sein (via Reuters).
- grob 10 Millionen Solarpaneele umfassen (via energy.gov).
- 5,2 Gigawatt (GW) Leistung (tagsüber) ans Netz bringen. Das entspricht etwa der kombinierten Strommenge von vier durchschnittlichen Atomkraftwerken (AKW) (via Tagesschau).
- in der Nacht 1 GW an Leistung (ungefähr ein AKW) bereitstellen.
- ca. 5,75 Milliarden Euro kosten.
Gelänge das Vorhaben, würde Abu Dhabi (Stand Anfang 2025) den Spitzenplatz als Land mit dem größten Solarpark erobern. Im Sommer 2024 übernahm nach eigenen Angaben ein chinesischer Staatskonzern mit seiner 3,5-GW-Anlage die Führung.
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Die Stromabgabe in der Nacht soll durch smarte Stromspeicher erreicht werden: Das bedeutet tagsüber wird per Überschuss geladen und nachts dann entladen. Selbst bei Dunkelheit sollen dadurch bis zu 700.000 Haushalte versorgt werden können. Solch ein Solarpark würde das Kriterium grundlastfähig
erfüllen.
Das gilt für die erneuerbaren Kraftwerke bei uns (noch) nicht – da solche Speicher in der Nähe von Wind- oder Solarparks bisher fehlen. Beide liefern nicht unabhängig von Wind und Sonnenstrahlung eine garantierte Menge an Strom. Zum Ausgleich braucht es auf dem europäischen Strommarkt derzeit noch Energieträger wie Kohle und Gas. Denn Meiler, die fossile Brennstoffe verwenden, können immer die gewünschte Menge Strom produzieren.
Der größte Solarpark Europas ist übrigens in Deutschland: Der Energiepark Witznitz in Sachsen. Auf einem ehemaligen Braunkohlerevier sorgen 1,1 Millionen Solarmodule auf 500 Hektar (700 Fußballfeldern) für eine Leistung von 650 Megawatt.
2024 deckten Regenerative in Deutschland etwa 55 Prozent des Strombedarfs – ein neuer Rekord. Wollen wir aber komplett weg von den Fossilen, kommen wir um grundlastfähige Lösungen, wie sie Abu Dhabi plant, nicht herum.
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