Ich bin der Letzte, der euch sagt, dass ihr einen zu kleinen TV oder eine zu kleine Soundbar kaufen sollt. Genau genommen empfehle ich das Gegenteil: größer ist immer besser. Das trifft jedoch nicht auf alles zu.
»Viel hilft viel« hat vielleicht zu Omas Zeiten noch gegolten. Wenn es um die Wattzahl auf der Verpackung oder der Artikelbeschreibung in Onlineshops von Soundbars und Lautsprecher geht, solltet ihr den Ratschlag besser vergessen.
Die Wattzahl hat gleich zwei Probleme
Folgendes Szenario: Ihr streift durch Elektrofachhandel eures Vertrauens. Auf der Verpackung einer Soundbar prangt dick und fett »1.000 Watt!«. Das ist in der Tat viel Leistung für so eine kleine Klangstange.
Das Problem ist, dass das meist nicht der echte Wert ist, den eine Soundbar oder ein Lautsprecher erreichen kann.
Auf Soundbars wird aus Marketinggründen oft der PMPO-Wert angegeben. Das steht für »Peak Music Power Output« und stellt die maximale, kurzzeitige Spitzenleistung dar, die ein Lautsprecher für einen winzigen Bruchteil einer Sekunde abbilden kann. Der ist natürlich oft hoch.
Jetzt kommt der Aufhänger: Diese Maximalleistung sagt nichts über die Klangqualität aus. Sie gibt nur an, wie belastbar eine Box oder Soundbar über kurze Zeit ist. Es ist nicht einmal gesagt, ob ihr zuhause besagte Spitzenleistung überhaupt abrufen könnt.
Das zweite Problem von Audiogeräten ist genau das, was ihr eben gelesen habt. Leistung ist nicht gleichbedeutend mit Klangqualität.
Die Wattzahl sagt lediglich aus, wie viel Strom in den Lautsprecher hineinfließt – aber nicht, wie gut der Klang ist, der herauskommt.
Ich verrate euch, worauf ihr stattdessen achten solltet.
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Vorauf ihr stattdessen achten solltet
Wie so oft sieht man die Qualität eines technischen Geräts selbigem selten an. Es gibt jedoch zwei Dinge, auf die ihr vor dem Kauf achten könnt. Für beides müsst ihr allerdings so gut wie immer in die jeweiligen technischen Daten schauen.
RMS
RMS steht für »Root Mean Square«. Dieser Wert ist die durchschnittliche Dauerleistung, die ein Lautsprecher oder eine Soundbar über einen langen Zeitraum zuverlässig liefern kann.
Stellt euch diesen Wert ein bisschen wie die durchschnittliche Nits-Leistung von Displays vor, die angibt, wie hell ein Bildschirm im Schnitt wird, während PMPO die Spitzenhelligkeit darstellt.
RMS ist deshalb wichtig, weil ihr euer Audiogerät ja nicht auf Anschlag laufen lasst, wenn ihr einen Film schaut, sondern auf Zimmerlautstärke. Es ist also nicht wichtig, wie viel die Soundbar theoretisch unter maximaler Belastung liefern kann, sondern was tatsächlich an euren Ohren ankommt.
Treiberbeschaffenheit
Beim Klang spielt das Material eine wichtige Rolle. Das gilt zum einen fürs Gehäuse, aber mehr noch für die verbauten Treiber in den Geräten.
- Billige Treiber bestehen gerne mal aus billigem Kunststoff mit schwachen Magneten. Läuft hier viel Leistung (Watt) ein, fängt die Membran an, unkontrolliert zu vibrieren. Am Ende kommen verzerrter Sound, zischende Stimmen und undefinierbarer Klangbrei dabei heraus.
- Hochwertige Treiber nutzen Material mit einer hohen Steifigkeit, wie etwa Kevlar oder beschichtetes Aluminium. Das kombiniert mit starken Magneten sorgt dafür, dass die Membran nicht flattert, und so Sound präzise wiedergegeben wird.
Um es auf den Punkt zu bringen: Ein exzellenter Treiber klingt mit 20 Watt um Welten besser als ein schlechter Treiber mit 100 Watt.
Wenn ihr eine Soundbar für unter 500 Euro sucht, habe ich drei Empfehlungen. Ob die Soundbar nun unter oder vor den TV gehört, habe ich auch bereits geklärt.
Am Ende des Tages ist die sicherste Bank, ein Audiogerät Probe zu hören, bevor ihr es kauft. Obschon mit Watt-Extremwerten geworben wird: gespielt wird auf dem Platz. Auch eine kleine Soundbar oder Regallautsprecher können von sich hören machen, wenn sie beispielsweise hochwertige Treiber besitzen. Fallt nur nicht auf eine große Zahl herein, wenn sie keine Rolle spielt.



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