Gaming-Leistung
Unbedingt VRAM-Verteilung überprüfen: Als ich das erste Mal mit dem Lenovo Legion Go 2 gespielt habe, habe ich mich über die ruckelige Spielerfahrung in Coral Island gewundert. Das Spiel ist keineswegs leistungshungrig und läuft selbst auf dem Steam Deck ganz ordentlich.
Also habe ich mir im UEFI-Menü (auch BIOS genannt) angeschaut, wie viel Arbeitsspeicher als Videospeicher zugewiesen wurde und habe ich nicht schlecht gestaunt: Von insgesamt 32 GByte RAM waren nur 2 GByte als VRAM eingeteilt. Das muss mit Sicherheit ein Fehler sein.
Ich habe selbst 12 GByte eingestellt. So bleiben 20 GByte als Arbeitsspeicher für das Betriebssystem übrig. Bei neueren Modellen sollte standardmäßig »Auto« oder 8 GByte eingestellt sein. Es schadet aber nicht, es einmal selbst zu überprüfen.
Um das UEFI-Menü zu öffnen, müsst ihr den Lenovo Legion Go 2 komplett herunterfahren und beim Starten die Power- und die Lautstärke-Hoch-Taste gedrückt halten.
Leistung im Vergleich zu anderen Handhelds: Um die Performance des Lenovo Legion Go 2 einzuordnen, habe ich meine üblichen Gaming-Benchmarks durchlaufen lassen und die Ergebnisse mit anderen aktuellen Handhelds verglichen. Alle Geräte teste ich grundsätzlich in ihrer nativen Auflösung, weil das am besten widerspiegelt, wie ihr am Ende tatsächlich spielt.
Konkret bedeutet das: Die Asus ROG Ally X läuft in meinen Benchmarks mit 1080p, der Lenovo Legion Go 2 mit 1200p.
Returnal
- 30 W 1200/1080p
- 30W 800/720p
- 17/15 W 800/720p
- 0
- 12
- 24
- 36
- 48
- 60
Sowohl der Lenovo Legion Go 2 als auch die Asus ROG Ally X setzen auf den AMD Ryzen Z2 Extreme, entsprechend liegen sie bei der Rechenleistung sehr nah beieinander. Im Diagramm seht ihr, dass der Legion Go 2 im Schnitt minimal weniger FPS liefert; das liegt vor allem daran, dass der Chip hier etwas mehr Pixel befeuern muss.
Für einen Handheld ist die gebotene Leistung mehr als ausreichend: Die meisten aktuellen Spiele sind problemlos spielbar, wenn ihr Auflösung und Details sinnvoll anpasst. Man muss aber auch ehrlich sagen: In der Preisklasse dieses Handhelds könnt ihr euch alternativ bereits einen Laptop mit dedizierter GPU oder sogar einen Gaming-PC zusammenstellen. Beide Optionen bieten spürbar mehr Reserven.
Trotzdem beeindruckt mich, wie schnell heutige Handhelds geworden sind. Selbst ein neues Spiel wie Silent Hill F läuft auf dem Legion Go 2 bei niedrigen Einstellungen flüssig mit runden 60 FPS.
Der Leistungszuwachs alleine reicht allerdings nicht aus, um ein Upgrade von einem Handheld vom letzten Jahr zu rechtfertigen. Die mit AMD Radeon 780M-GPU (etwa die Asus ROG Ally X) sind nur etwa 10 bis 20 Prozent langsamer.
Lüfter-Lautstärke: Beim Spielen im vordefinierten Leistungsprofil »Leistung« ist der Lüfter zwar hörbar, verschwindet aber unauffällig im Grundrauschen des Zimmers. Beim Vorgänger klang der Lüfter teilweise etwas schrill und hochfrequent, weshalb es da eher schwer für mich war, diesen zu ignorieren.
Beim Nachfolger ist das Lüftergeräusch angenehmer für die Ohren. Auf der maximalen Stufe ist er auf jeden Fall gut hörbar, aber diese ist selten bis nie notwendig.
Software: Windows und Legion Space
Standardmäßig ist auf dem Lenovo Legion Go 2 Windows 11 vorinstalliert; eine Version mit SteamOS wird später in diesem Jahr erscheinen.
Zusätzlich ist der hauseigene Launcher »Legion Space« installiert, der sich beim Starten des Handhelds automatisch öffnet und eine Controller-freundliche Oberfläche bietet, um eure Spiele zu starten.
Das Gute: Windows 11 lässt sich auf dem Lenovo Legion Go 2 besser bedienen als bei anderen Windows-Handhelds. Das hat vier Gründe:
- Der Bildschirm ist fast 9 Zoll groß. Dadurch ist selbst das Bedienen im Desktop-Modus weniger kompliziert.
- Es ist ein Trackpad und sogar ein Mausrad im rechten Controller integriert.
- Der eingebaute Kickstand und der Touchscreen erlauben eine Bedienung, die an Windows-Tablets, wie das Microsoft Surface erinnert.
- Ferner kann der rechte Controller sogar als Vertikal-Maus eingesetzt werden. Dafür ist ein optischer Sensor an der Unterseite installiert, der bei Bedarf zugeschaltet wird.
Das Schlechte: Legion Space hat schon viele Updates hinter sich und sogar eine neue Benutzeroberfläche erhalten, aber es ist noch immer sehr langsam und träge. Selbst das Ändern der Bildschirmhelligkeit kann zur Geduldsprobe werden, zumindest, wenn man es über die Controller-Steuerung probiert. Über den Touchscreen ist die Bedienung flotter. Hinzu kommt, dass für einige Spiele kein richtiges Vorschaubild angezeigt wird.
Immerhin muss Legion Space nicht zwingend verwendet werden. Ich verwende beim Legion Go 2 fast ausschließlich den Steam Big Picture Modus.
Standby-Modus: Unter Windows 11 ist der Standby-Modus schon deutlich besser verbessert worden. Während meines Testzeitraums von etwa zwei Wochen wurde jedes Spiel ordentlich durch Drücken der Power-Taste pausiert. Was mich jedoch nervt und immer wieder bei Windows-Handhelds vorkommt: aus irgendwelchen Gründen weckt sich das Gerät immer von selbst auf – selbst ohne Tastendruck.
Das ist besonders nervig, wenn der Handheld in einer Tasche liegt, sich erhitzt und nicht abkühlen kann, weil sich die Wärme staut.
Bei jedem Windows-Handheld stelle ich deswegen ein, dass der Ruhezustand und nicht der Energiesparmodus beim Drücken des Power-Knopfes aktiviert wird. Er ist zwar langsamer, weil der Systemzustand auf die SSD geschrieben werden muss, aber dafür funktioniert er zuverlässiger und der Energieverbrauch gleicht einem ausgeschalteten Gerät, weil der RAM nicht weiter mit Strom versorgt werden muss.
Software-Alternativen mit Xbox-Vollbildmodus, SteamOS und Linux: Der Lenovo Legion Go 2 ist in einer besonderen Position. Dieser Handheld wird später in diesem Jahr offiziell mit der Xbox-Vollbilderfahrung (wie Asus ROG Xbox Ally X) und mit SteamOS (wie Steam Deck) kompatibel sein.
Wenn euch diese zwei Optionen nicht zusagen, könnt ihr auch eine Linux-Distribution eurer Wahl installieren, wie etwa CachyOS oder BazziteOS.
Der Lenovo Legion Go 2 ist softwareseitig sehr flexibel.
Wie eine große Nintendo Switch 2: Die abnehmbaren Controller in Action
Der Lenovo Legion Go 2 und die Nintendo Switch 2 haben zwei Gemeinsamkeiten: Beide Handhelds haben abnehmbare Controller und einen Mausmodus.
So spielt es sich damit.
Spielen mit abgenommenen Controller
Drückt ihr auf einen kleinen Schalter auf der Rückseite, könnt ihr die Controller nach unten schieben und von der Haupteinheit trennen. Sie verbinden sich dann in nur etwa einer bis zwei Sekunden per Bluetooth.
Wegen des verhältnismäßig hohen Gewichtes habe ich den Lenovo Legion Go 2 gelegentlich per Kickstand auf einen Tisch gelegt und dann mit getrennten Controllern gespielt. Die Funktion ist auch sehr praktisch für alle, die den Handheld an einer Docking-Station am TV oder Monitor verwenden und nicht einen separaten Controller kaufen wollen.
Anders als bei der Switch 2 ist allerdings kein Halter dabei, um die einzelnen Controller physisch miteinander zu verbinden. So einer muss separat gekauft werden. Sie sind dank der ausgeprägten Griffe aber deutlich ergonomischer als die Joy-Cons.
Spielen im FPS-Modus
Wie beim Vorgänger gibt es auf der Unterseite des rechten Controllers einen optischen Sensor, den ihr mit einem kleinen physischen Schalter direkt daneben aktiviert. Danach setzt ihr den Controller in eine runde Halterung mit Gleitpads an der Unterseite – und schon verwandelt sich der Stick in eine vertikale Maus.
Die DPI stellt ihr per Druck auf die M3-Taste (mit dem Daumen erreichbar) in vier Stufen ein: 500, 800, 1200 und 1600 DPI. Der linke Controller wechselt parallel in einen FPS-Modus, bei dem ihr die Tastenbelegung in den Einstellungen selbst festlegen könnt. Alternativ nutzt ihr einfach eine angeschlossene Tastatur. Das ergibt vor allem bei Spielen Sinn, bei denen die Anzahl der Tasten der beiden Controller nicht ausreicht.
Unterm Strich erweitert dieser FPS-Modus die Einsatzmöglichkeiten des Legion Go 2 deutlich. Ihr könnt damit Spiele bequem spielen, die eigentlich eine Maus erwarten oder gar keinen Controller-Support bieten – von Shootern bis hin zu Strategie-Titeln und Point-and-Click-Adventures.
Wenn ihr ohnehin an Maussteuerung gewöhnt seid und mit Controllern wenig anfangen könnt, werdet ihr euch mit dem Modus wie Zuhause fühlen. Die vertikale Form des Maus-Controllers wirkt zwar anfangs ungewohnt, funktioniert in der Praxis aber überraschend gut, sobald man sich ein wenig eingespielt hat.
Ich nutze den FPS-Modus zum Beispiel gerne für langsamere Strategiespiele wie Civilization 6 oder Point-and-Click-Adventures wie Kathy Rain 2. Beide unterstützen nativ keine Controller-Eingaben.
Die Einschränkung: Ihr braucht dafür immer eine Tisch- oder Schreibtischfläche, weil der rechte Controller in der Halterung stehen muss. Im klassischen Handheld-Modus bleibt nur das eingebaute Trackpad, das deutlich hinter dem des Steam Decks zurückbleibt und mir persönlich keinen Spaß macht. Alternativ könnt ihr über den Touchscreen spielen, was ich aber ebenfalls nicht besonders angenehm finde.
Wer also vor allem mausgesteuerte Spiele wirklich im Handheld-Modus spielen möchte, ist weiterhin mit dem Steam Deck und seinen exzellenten Trackpads besser bedient. Der Lenovo Legion Go 2 punktet dagegen mit einem Mausmodus, der im Alltag extrem praktisch ist, solange ihr euch mit Tabletop-Gaming auf einem 9-Zoll-Tablet arrangieren könnt.
Spielen per Docking-Station
Genau wie alle anderen PC-Handhelds lässt sich der Lenovo Legion Go 2 per Docking-Station an einen großen Bildschirm oder Fernseher anschließen. Aufgrund einiger Details und Features eignet er sich dafür sogar besonders gut:
- Dank der abnehmbaren Controller ist nicht zwingend der Kauf eines separaten Controllers notwendig.
- Es sind zwei USB-C-Anschlüsse vorhanden. Ein Dock kann also sowohl oben als auch unten angeschlossen werden.
- Der obere USB-C-Anschluss befindet sich jetzt erfreulicherweise auf der rechten Seite, wie beim Steam Deck. Beim Vorgänger war er links und da viele Docks primär für den Valve-Handheld entworfen wurden, kam es nicht selten vor, dass das USB-C-Kabel zu kurz war.
- Die USB-4-Anschlüsse erlauben eine sinnvolle Nutzung von externen Grafikkarten.
Ein Problem des Vorgängers wurde behoben: Einige Besitzer und Besitzerinnen des Lenovo Legion Go 1 hatten Probleme mit der USB-C-Verbindung zu Dockingstationen – mir inklusive. Wurde der Handheld beim Spielen zu warm, kam es immer wieder zu Verbindungsabbrüchen. Dieses Problem konnte ich bisher beim Nachfolger nicht feststellen.
Die Lautsprecher
Einer der größten Schwachpunkte des Vorgängers waren die sehr dünn klingenden Lautsprecher. Ein Grund dafür war die sehr schlechte Vorkonfiguration von Lenovo. Doch selbst nach dem Umstellen per Equalizer blieben die Lautsprecher weit hinter der Konkurrenz zurück.
Beim Lenovo Legion Go 2 klingen die Lautsprecher nicht mehr so dünn und deutlich besser ausbalanciert. Der Klang ist voluminöser und detaillierter.
Die Lautsprecher werden allerdings nicht besonders laut und sind weiterhin nach oben gerichtet. Bei Bedarf habt ihr die Möglichkeit, per 3,5mm-Klinke Kopfhörer anzuschließen.
Aufrüstbarkeit
Die interne SSD lässt sich wie bei vielen Handhelds austauschen. Dieser Prozess ist nicht schwer, aber nach dem Öffnen des Geräts sind noch einige Schritte zusätzlich notwendig.
- Zuerst müssen acht Schrauben aus der Rückseite entfernt werden. Zwei davon verbergen sich hinter dem Kickstand.
- Mit einem Plektrum wird die Backplate abgelöst.
- Die SSD verbirgt sich unter der Kühleinheit und wird von dieser mit gekühlt. Zuerst muss allerdings der Akku entfernt werden. Dieser wird von drei Schrauben und dem Kabel am Mainboard festgehalten.
- Anschließend wird der Kühler mit einer Schraube entfernt. Die Mainboard-Kabel können angeschlossen bleiben, solange man die ganze Einheit einfach nach rechts klappt.
- Jetzt kann die SSD ausgetauscht werden. Es werden die Formfaktoren 2242 und 2280 unterstützt.
An den Lüftungsschlitzen ist übrigens kein Staubfilter installiert. Es könnte sich also lohnen, den Handheld alle par Monate zu öffnen und zu entstauben. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Akkulaufzeit
Im Inneren des Lenovo Legion Go 2 steckt ein 74-Wh-Akku. Das ist etwas kleiner als bei einigen Konkurrenz-Handhelds, die 80-Wh-Akkus verbaut haben, aber lasst euch davon nicht täuschen.
Wie lang die Akkulaufzeit ist, hängt stark vom Nutzungsverhalten, dem gewählten TDP-Profil (15 bis 35 Watt) und den Spielen ab. In der Praxis konnte ich im »Ausgewogen«-Profil etwa vier bis fünf Stunden lang Coral Island spielen. Bei Silent Hill F im »Leistung«-Profil war nach etwa zwei Stunden Schluss.
Wer also viel unterwegs spielt, sollte am besten das »Balanced«-Profil auswählen und die Bildwiederholrate begrenzen. Bei Spielen, die weniger leistungshungrig sind, verlängert das »Still«-Profil die Akkulaufzeit noch weiter.
Ist der Lenovo Legion Go 2 für euch? Auf der letzten Seite erfahrt ihr meine Empfehlung.
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