Gute Smartwatches müssen nicht teuer sein. Ein niedriger Preis geht jedoch oft mit Kompromissen einher. Das gilt auch für die Huawei Watch Fit 3.
Der Hersteller verspricht umfangreiche Gesundheitsfunktionen, die im Alltag einen soliden Überblick über Aktivität, Herzfrequenz und Schlaf liefern sollen. Im Folgenden erfahrt ihr, was die 70-Euro-Smartwatch kann, wo ihre Schwächen liegen und ob sich der Weg in die Lidl-Filialen ab Donnerstag lohnt.
Das steckt in der Huawei Watch Fit 3
Die Huawei Watch Fit 3 ist eine schlanke Fitness-Smartwatch mit einem 1,82 Zoll großen AMOLED-Display. Der Bildschirm erreicht eine Auflösung von 480 x 408 Pixeln (347 ppi) und eine Spitzenhelligkeit von 1.500 Nits, wie der Hersteller angibt.
Bedeutet: Ihr werdet in der Regel keine Probleme haben, Informationen vom Display abzulesen. Lediglich bei direkter Sonneneinstrahlung müsst ihr den Bildschirm von der Sonne wegdrehen, um alles klar abzulesen.
Das Gehäuse besteht aus Aluminium, ist 43,2 x 36,3 x 9,9 Millimeter groß und die Uhr wiegt ohne Armband schlanke 26 Gramm. Damit eignet sich die Uhr mitunter auch für schmalere Handgelenke.
Wie steht es um die Sensoren? Unter der Haube schlummert ein optischer Herzfrequenzsensor sowie ein SpO2-Sensor zur Überwachung des Blutsauerstoffs. Zyklus-Tracking wird ebenfalls unterstützt.
Was sie nicht hat: Einen Höhenmesser, um beispielsweise Treppenstufen präzise zu zählen. Außerdem unterstützt die Smartwatch lediglich die Musiksteuerung auf dem Smartphone. Spotify, YouTube Music und ähnliche Apps werdet ihr nicht installieren können.
Eine Funktion zum Bezahlen via Smartwatch gibt es ebenfalls leider nicht. Die Smartwatch ist mit Android 8.0 oder höher sowie iOS 13.0 oder höher kompatibel.
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Wie genau sind die Messdaten?
Die Huawei Fit 3 macht in puncto Herzfrequenzmessung und Schritte einen ordentlichen Eindruck.
Schritte: Beim Zählen der Schritte scheint die Uhr laut heise keine Auffälligkeiten aufzuweisen.
Herzfrequenz: Notebookcheck hat die Uhr mit dem Profi-Brustgurt Polar H10 verglichen. Beim Laufen und Radfahren liegen die Werte nahe am Brustgurt. Bei sehr schnellen, explosiven Intervallen hinkt sie minimal hinterher.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch Rob vom YouTube-Kanal The Quantified Scientist. Er fügt hinzu, dass die Uhr beim Outdoor-Cycling durch die Erschütterungen an Genauigkeit verliert.
Beim GPS-Tracking zeigt die Uhr eine hohe Konsistenz und eine schnelle Signalfindung.
Schlaf: Hier liegt der Hund begraben. Rob hat die Schlafwerte der Smartwatch mit denen eines EEG-Stirnbands verglichen. Dabei ist aufgefallen, dass die Erkennung der Schlafphasen unzuverlässig ist und schlechte Werte im direkten Vergleich ausspuckt.
Demnach eignet sich die Uhr lediglich zur Messung der reinen Schlafzeit.
Akkulaufzeit
Laut Hersteller hält die Smartwatch bis zu zehn Tage durch, dann muss sie an die Steckdose. Mit aktiviertem Always-on-Display, empfangenen Mitteilungen, dauerhaften Messungen sowie der automatischen Trainingserkennung kamen die Tester auf etwa sechs Tage.
Wenn ihr die Uhr nur zum Zählen der Schritte nutzt und nicht alle Funktionen aktiviert sind, sind mehr Tage möglich.
Was gibt es beim Datenschutz zu beachten?
Wo landen eure Gesundheitsdaten? Für Nutzer im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) – also auch in Deutschland – werden diese Daten auf Servern innerhalb der EU gespeichert (hauptsächlich in Deutschland und Irland). Rechtlich verantwortlich ist die Huawei-Tochtergesellschaft Aspiegel SE mit Sitz in Irland. Die Daten fließen für EU-Bürger laut Richtlinie im Regelfall nicht nach China.
Wie werden die Daten genutzt? Huawei behält sich vor, anhand von Profil- und Nutzungsdaten (etwa welche Funktionen ihr nutzt) personalisierte Empfehlungen innerhalb der App anzuzeigen, sofern dem zugestimmt wurde.
Weitergabe an »Partner« und »Dritte«: Huawei teilt Daten mit IT- und Cloud-Dienstleistern, die die Server-Infrastruktur bereitstellen. Eine Weitergabe der Gesundheitsdaten an andere Fitness-Plattformen oder Partner-Apps erfolgt laut Hersteller nur dann, wenn die Verknüpfung in den Einstellungen der App explizit aktiviert wird. Eine Weitergabe an staatliche Stellen erfolgt ausschließlich dann, wenn Huawei durch geltendes Recht (etwa Gerichtsbeschlüsse innerhalb der EU) zwingend dazu verpflichtet ist.
Training von KI-Modellen: Für das großflächige Training und die Weiterentwicklung der KI-Systeme nutzt das Unternehmen Verfahren wie »Differential Privacy«. Dabei wird den Datensätzen künstliches »Rauschen« hinzugefügt, um keine Rückschlüsse auf die Person zu ermöglichen.
Aufbewahrungsfristen: Die Fitness- und Gesundheitsdaten bleiben in der Huawei Cloud gespeichert, solange eure Huawei-ID existiert und die Daten nicht manuell gelöscht werden.
Für wen lohnt sich das Angebot?
Die Smartwatch lohnt sich für euch, wenn ihr …
- … hauptsächlich Schritte zählen wollt.
- … eine günstige Smartwatch zum Sport sucht.
- … eine lange Akkulaufzeit bevorzugt.
- … das quadratische Design einer Apple Watch bevorzugt.
Die Smartwatch lohnt sich nicht für euch, wenn ihr …
- … viel Wert auf möglichst genaues Schlaftracking legt.
- … eine Outdoor-Smartwatch zum Wandern sucht (kein Höhenmesser).
- … viel Wert auf smarte Extras wie Musikstreamingdienste oder Bezahlmöglichkeiten legt.
- … ein Technik-Muffel seid. Die App gibt es nicht im Play Store und muss auf der Herstellerseite heruntergeladen werden.
Für rund 70 Euro macht die Huawei Fit 3 eine gute Figur. Das gilt allerdings auch für ihren regulären Preis. Einige andere Online-Händler wie Amazon, Media Markt, Otto und Huawei selbst bieten die Smartwatch für 80 Euro an.
In den Lidl-Filialen spart ihr also effektiv »nur« 10 Euro.
Welche Alternativen gibt es?
Wenn ihr einen günstigen Tracker sucht, ist das Xiaomi Band 10 einen Blick wert. Für rund 40 Euro erhaltet ihr einen guten Begleiter für moderates Lauftraining und zum Zählen der Schritte. Für genaue GPS-Daten müsst ihr allerdings das Smartphone mitführen und die Schlafüberwachung ist ebenfalls ungenau.
Für rund 105 Euro ist die Amazfit Active 2 eine gute Wahl, besonders, wenn ihr ein rundes Design bevorzugt. Neben den genauen Daten der Herzfrequenzmessung verfügt die Uhr über kostenlose Karten mit Abbiegehinweisen. Mit bis zu 2.000 Nits ist das Display zudem etwas heller als das der Huawei Fit 3, allerdings solltet ihr beim Schlaftracking nur brauchbare Werte in Bezug auf die Schlaflänge erwarten.





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