Ich liebe handwerkliche Hobbys. Seit über 15 Jahren nähe ich Kostüme selber, seit 10 Jahren häkel ich wie eine Wilde und vor 6 Jahren begann ich mit dem Stricken. Und obwohl es online so viele Gleichgesinnte gibt, bleibt die digitale Hilfe in Form von Apps bisher eher mau.
Klar, Schnitt-, Häkel- und Strickmuster beziehe ich dank Etsy, Revelry oder YouTube-Tutorial online, da ist eine App nicht notwendig. Für Features wie Maschen- und Reihenzähler, Timetracking und Step-by-Step Tutorials aber doch, nur brauche ich dann schon wieder mehr als eine App. Hat ein Angebot doch mal alles, ist sie nur aufs Stricken ausgelegt oder visuell so ansprechend wie meine Steuererklärung.
Das scheint sich aktuell zu ändern.
Seit kurzer Zeit sehe ich immer wieder neue Strickapps aus dem Boden schießen und eine von ihnen konnte mich zumindest soweit überzeugen, dass ich ihr aktuell eine Chance gebe. Bisher bereue ich das nicht.
Starker Start
Auf Tiktok wurden mir neben diversen Projekten und Tipps auch immer Videos einer neuen Strick-App ausgespielt: LooseLoop. Die App ist Ende Dezember 2025 erschienen und startete mit den wichtigsten Features wie der Erstellung von Projekte, einem Maschenzähler und einem Timetracker.
Link zum TikTok-Inhalt
Seitdem haben sich die Entwickler aber ordentlich ins Zeug gelegt und noch einiges an nützlichen Inhalten nachgereicht, sodass Ende März 2026 folgende Funktionen in der App nutzbar sind:
- Wolllager: Hier könnt ihr eure ganze Wolle katalogisieren
- Projekte: Legt neue Projekte an und schaut, welche ihr bereits beendet, abgebrochen oder noch gar nicht begonnen habt. In den Projekten werden außerdem eure bereits aufgewendete Zeit, eure Muster und ggf. Fotos und verwendete Wolle angezeigt.
- Muster: Aus Mustern werden Projekte erstellt. Muster können entweder mit Hilfe eines Formulars in Schritten angegeben werden oder ohne Schirtt-für-Schritt-Anleitung eingetragen werden.
- Schritt für Schritt-Anleitung: Wer sein Muster in die appeigene Anleitung überträgt, sieht beim Stricken/Häkeln immer den aktuellen Schritt.
- KI-Assistent: Wer keine Lust hat, sein Muster in mühseliger Kleinstarbeit in die Schritt-für-Schritt-Anleitung zu übertragen, kann sein PDF-Muster auch von einer KI in die App konvertieren lassen. Dieses Feature befindet sich aktuell in der Beta.
- Reihenzähler: Gibt es auch als Widget für den Sperrbildschirm, damit zählt man ganz stumpf seine Reihen.
- Community: Wer die App nutzt kann sich untereinander Folgen und sehen, an was die anderen Strick- und Häkelbegeisterten gerade arbeiten und wie viele online sind. Außerdem ist aktuell ein kleiner Marktplatz im Aufbau, auf dem ihr selbst Muster zum Verkauf anbieten könnt
- Ravelry-Anbindung: Ich kann meinen Ravelry-Account mit der App verknüpfen und so meine dort gekauften Muster ganz einfach übertragen.
- Glossar und Technik-Guides: Kleine Info-Artikel zu den gängigsten Abkürzungen und Techniken
- Statistiken: Hier sehe ich wann ich wie lange an welchem Projekt gearbeitet habe und ob ich mehrere Tage hintereinander gehäkelt oder gestrickt habe
Obwohl die App noch so frisch ist, funktioniert fast alles reibungslos. Es gibt zwar immer mal wieder kleinere Bugs, die werden in der Regel aber recht schnell behoben.
Was kostet LooseLoop?
Genau wie alle anderen Strick- und Häkelapps ist auch LooseLoop nicht kostenlos. Aktuell zahlt ihr 60 Euro im Jahr für die App oder 99 Euro für den lebenslangen Zugriff. Um das KI-Feature zu nutzen, braucht ihr außerdem Credits. Ein mit dem KI-Assistenten erstellter Schritt-für-Schritt-Guide kostet einen Credit. Für fünf Credits zahlt ihr 10 Euro (einzelne Credits könnt ihr aktuell nicht kaufen).
Was ich an LooseLoop besonders mag
Besonders der KI-Assistent und das Community-Feature heben LooseLoop von anderen Strick- und Häkelapps ab. Zwar ist der KI-Assistent noch in der Beta, bei meinen ersten Tests funktionierte er aber bereits recht zuverlässig und er nimmt einem relativ viel Arbeit ab.
Während ich meine Häkelanleitung für Leon S. Kennedy in anderthalb Stunden mühsam per Hand in den Schritt-für-Schritt-Guide eingetragen habe, ging es mit der KI in weniger als zwei Minuten und ich musste nichts nacharbeiten. Die zwei Euro pro Credit sind da absolut fair.
Gleichzeitig sei aber auch gesagt: Es gibt keine Option, bei einem misslungenen Versuch den Credit unkompliziert zurückzubekommen. Vermutlich müsst ihr den Support anschreiben und den Fall klären.
PLUS
19:22
»Beim Spielen stricke ich oder mache die Steuererklärung« - Unsere Bad Habits, Teil 2
Abseits von den Features weiß ich aber besonders die aktuelle Community und den Enthusiasmus der Entwickler zu schätzen. Auf dem Discord-Kanal der App herrscht ein reger, aber nicht ausufernder Austausch. Bei Bugs sind die Entwickler meist binnen weniger Stunden zur Stelle und versuchen zu helfen. Alle paar Tage werde ich über neue Updates und Kleinigkeiten informiert. Das ist ein Service, den ich selten so sehe.
Was bei LooseLoop noch fehlt
Klar, die App ist nicht mal drei Monate draußen, weswegen die gebotenen Features schon viele Bedürfnisse abdecken. Aber mehr geht schließlich immer und das, was mir andere Apps aber zum Beispiel noch bieten, sind Markierungstools für mein PDF-Muster oder aber einen visuellen Reihenzähler. Das ist vor allem bei Mustern mit Farbwechseln besonders wichtig.
Zwar gibt es die App schon auf Deutsch, allerdings ist die Übersetzung noch etwas rudimentär, sodass euch an manchen Stellen doch die englische Ausgabe oder eine komische Formulierung entgegenspringt. Das sollte euch aber auch mit mäßigen Englischkenntnissen nicht aus der Bahn werfen.
Etwas nerviger ist da schon eher, dass der Wollscanner bei deutscher Wolle selten funktioniert, weil die dahinterliegende Datenbank von der US-amerikanischen Seite Ravelry stammt. Wer also gerne alles katalogisieren will, muss sich hier mit der manuellen Option zufrieden geben.
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Für wen lohnt sich LooseLoop?
Jeder häkelt und strickt anders. Manche brauchen nicht mal eine Anleitung, um die tollsten Sachen zu kreieren, andere wiederum haben gerne einen digitalen Helfer. Wenn ihr gerne all eure Muster an einem Ort habt, mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen arbeiten wollt und Statistiken liebt, könnte LooseLoop genau das richtige für euch sein.
Solltet ihr allerdings viel mit Farbwechseln und Bildern in euren Arbeitsstücken arbeiten oder schon eine andere App wie My Row Counter oder knitCompanion nutzen oder gar dafür bezahlen, dürfte sich der Wechsel eher weniger lohnen. Außer das Community- oder KI-Feature sind Dinge, auf die ihr schon immer gewartet habt.
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