Es ist noch nicht lange her, da liefen selbst die Basismodelle des teuren MacBook Pro mit mageren 8-GB-RAM vom Band. Apple hielt trotz vieler kritischer Stimmen stur daran fest und predigte sein Mantra, dass 8-GB-Arbeitsspeicher für alles ausreichen würden. Nun ja, mittlerweile haben alle MacBooks mindestens 16-GB-RAM, alle bis auf eines: Das MacBook Neo muss aus Kostengründen weiterhin mit 8 GB auskommen.
Wer ein MacBook mit so wenig Arbeitsspeicher im Alltag verwendet, wird gewöhnlich erstaunlich wenig davon merken. Das System läuft flüssig und ist reaktionsschnell. Die Kollegen von Hardware Canucks wollten genau wissen, wie weit man mit 8-GB-RAM wirklich kommt.
60 Programme gleichzeitig
In einem Belastungstest musste das MacBook Neo beweisen, was es leisten kann. Die Versuchsanordnung war dabei bewusst praxisfern und übertrieben:
60 Applikationen wurden simultan geöffnet, darunter speicherintensive Programme wie Adobe Photoshop, Adobe Lightroom und viele Programme, die bereits in macOS enthalten sind.
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Das Erstaunliche: Das System knickte nicht ein. Mit einem Windows Notebook, das ebenfalls nur über 8-GB-Speicher verfügte, wurde der Test ebenfalls durchgeführt. Das Resultat: Der Laptop schaltete sich einfach ab, während der Tester auf dem Neo zusätzlich noch ein YouTube-Video ruckelfrei streamen konnte.
Es gibt aber ein großes Aber, was ich nicht verschweigen möchte: Man sieht im Video nicht, wie die Apps auf dem Windows-Laptop geöffnet werden, der Bildschirm des Rechners geht einfach aus. Theoretisch könnte hier auch ein Defekt vorliegen.
Wie macht Apple das?
Warum funktioniert das, was auf dem Papier unmöglich scheint? Der Schlüssel liegt in der Abkehr von klassischen PC-Strukturen durch die Unified Memory Architecture (UMA) innerhalb des neuen Chipsatzes.
Anders als bei einem herkömmlichen PC, bei dem CPU und Grafikkarte (GPU) jeweils getrennte Speicherkontingente besitzen, greifen beim MacBook Neo beide auf den gleichen Speicher zu.
Das macht eine iGPU in einem Windows-Laptop auch, allerdings kommt hier der Umweg über den Arbeitsspeicher dazu. Bei Apples-A18-Pro-Chip befindet sich der Speicher dagegen direkt im Gehäuse des Prozessors.
Dazu kommt, dass macOS inaktive Daten im RAM in Echtzeit komprimiert. Aus physischen 8 GB werden so virtuell
oft 12 GB oder mehr an nutzbaren Daten, ohne dass der User eine Verzögerung spürt.
Dass auch 60 Apps das Betriebssystem selbst mit nur 8-GB-RAM nicht in die Knie zwingen, liegt aber insbesondere an der SSD.
Wenn der RAM voll ist, nutzt macOS die SSD als virtuellen Arbeitsspeicher (Swap). Was wie eine elegante Lösung klingt, birgt allerdings ein physikalisches Problem, denn Flash-Speicher hat ein Verfallsdatum.
Die Achillesferse ist die SSD
Jede SSD verfügt über eine begrenzte Anzahl an Schreibzyklen. Die winzigen Speicherzellen nutzen sich bei jedem Schreibvorgang physisch ab, bis sie keine Daten mehr halten können. In der Industrie wird dieser Wert oft als TBW (Total Bytes Written) angegeben. Apple macht übrigens keine offiziellen Angaben dazu, wie hoch dieser Wert ist.
Ein System mit nur 8-GB-RAM ist gezwungen, permanent Daten zwischen RAM und SSD hin- und herzuschieben. Dieser exzessive Schreibstress
führt dazu, dass das MacBook Neo bei exzessivem Gebrauch seine Lebensdauer im Vergleich zu einem Modell mit 16 oder 24 GB RAM deutlich schneller aufbrauchen dürfte.
Im schlimmsten Fall bedeutet das: Die SSD ist verbraucht, bevor der Rest des Laptops veraltet ist. Da die SSD bei modernen Macs fest auf dem Mainboard verlötet ist, kommt dies einem Totalschaden gleich.
Fazit: Was bedeuten 8-GB-RAM für den Nutzer?
Um diese Frage zu beantworten, muss man berücksichtigen, welche Art von Gerät das MacBook Neo eigentlich ist. Es handelt sich um ein Einstiegsnotebook, das primär für alltägliche Aufgaben wie Medienkonsum, Mails und das Surfen im Internet genutzt wird. Apple sieht das Neo ausdrücklich nicht als Pro-Modell, mit dem anspruchsvolle Software genutzt wird.
Es ist davon auszugehen, dass vermutlich 99,999 Prozent aller MacBook Neo Nutzer niemals auch nur ansatzweise 60 Programme gleichzeitig öffnen werden.
Der in diesem Artikel beschriebene Test stellt also ein Extremszenario dar, das bei der Zielgruppe in dieser Form faktisch nicht vorkommt.
Hier geht es zu meiner aktuellen Kolumne: Das Macbook Neo ist ein Geniestreich und für mich schon jetzt Anwärter auf den Laptop des Jahres
Legt man diese Annahmen zugrunde, kann man festhalten, dass die SSD wegen des kleinen Arbeitsspeichers natürlich stärker belastet wird, als wenn das Gerät 16 GB oder mehr RAM hätte.
In der Praxis wird das aber nur geringe Auswirkungen auf die Lebensdauer haben, da der durchschnittliche Neo-Nutzer seinem Notebook solche extremen Belastungen schlicht nicht zumutet. Bei einer normalen Nutzung dürfte vermutlich eher irgendwann das Display kaputtgehen als die SSD.


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