Macht das Google Pixel 9 euch zum Profifotograf? Mein Eindruck als leidenschaftlicher Fotograf und worauf es wirklich ankommt

Meinung: Die neuen Google Pixel 9-Handys bieten einige KI-Funktionen, die eure Fotos deutlich aufbessern können – meine Sicht von der Perspektive eines Fans der »klassischen« Fotografie.

Das Pixel 9 könnte dank KI-Aushilfe eines der besten Fotohandys für die meisten sein. Das Pixel 9 könnte dank KI-Aushilfe eines der besten Fotohandys für die meisten sein.

Wer braucht schon Hardware, wenn es doch KI gibt? Was Google gestern auf dem Pixel 9-Event gezeigt hat, ist für mich ein klares Indiz dafür, in welche Richtung sich die Fotografie mit Handys bewegen wird. Clevere KI-Apps und -Features sollen selbst unerfahrene Fotografen ermöglichen, Fotos mit ansprechender Komposition und Beleuchtung zu schießen. 

Machen die neuen Pixel 9-Handys jetzt jeden zu einem Profifotografen oder einer Profifotografin? Ich bin vorsichtig optimistisch und glaube, dass die Geräte sich perfekt für die meisten eignen, die schöne Fotos mit einem Handy schießen wollen – aber nicht unbedingt für mich.

Warum Komposition so wichtig für gute Fotos ist

Es gibt viele Dinge, die ein schlechtes Foto von einem guten Foto unterscheiden können. Da wären insbesondere die Beleuchtung des Motivs oder die Auswahl der richtigen Brennweite und Distanz zum Motiv.

Das meiner Meinung nach allerwichtigste ist hingegen vor allem eines: die Komposition. 

  • Wo platziert ihr euer Motiv im Bild?
  • Ist der Horizont gerade oder schief?
  • Sind Bildelemente abgeschnitten?
  • Gibt es ablenkende Objekte oder Personen im Hintergrund?
  • Wird der Blick des Betrachters geführt? 

Diese und mehr Fragen gehen erfahren Fotografen in ihrem Kopf durch (bewusst oder unterbewusst), noch bevor sie auf den Auslöser der Kamera drücken. Auch für mich ist die Komposition das wichtigste Stilmittel beim Fotografieren.

Beim Fotografieren habe ich bewusst das Foto so geschossen, dass links neben meinem Bruder viel Platz frei ist – er schaut in diese Richtung und deswegen gebe ich seinem Blick »Raum«. Beim Fotografieren habe ich bewusst das Foto so geschossen, dass links neben meinem Bruder viel Platz frei ist – er schaut in diese Richtung und deswegen gebe ich seinem Blick »Raum«.

Anders als bei der Malerei starten Fotografen nicht mit einer leeren Leinwand, die dann mit Farbe gefüllt wird. Nein, Fotografie ist nicht Addition, sondern um Grunde Subtraktion.

Wir fragen uns nicht, was auf die Leinwand soll, sondern was lassen wir raus? Welche Elemente sind notwendig und welche sollten nicht auf das Bild? Welchen Ausschnitt aus der Welt, welchen Moment möchten wir darstellen? 

Auto Frame: Wie Google euch dabei helfen will

Was die neue Funktion macht: Google möchte euch das Leben einfacher machen und diese Fragen mit der neuen Auto Frame-Funktion des Magic Editors übernehmen. 

Die neue KI-Funktion kann euer Bild analysieren und automatisch mit einer »besseren« Komposition versehen. Dabei wendet es bekannte fotografische Richtlinien an, wie zum Beispiel die Drittel-Regel (rule of thirds) oder den Goldenen Schnitt. 

Das Pixel 9 mit seinen Farbvariationen. (Bild: Google) Das Pixel 9 mit seinen Farbvariationen. (Bild: Google)

Wie sie sich in der Praxis macht: Auf dem Google Event gestern wurde das Feature live präsentiert. Als Basis diente ein Ganzkörper-Porträt, bei dem der Horizont schief und der Fotografierte teilweise abgeschnitten fotografiert wurde.

Tippt man im Magic Editor auf die Auto Frame-Funktion, wird das Bild kurz analysiert und dann mit einer verbesserten Komposition versehen. In diesem konkreten Beispiel hat es Folgendes gemacht: 

  • Den Horizont begradigt
  • Das Sichtfeld erweitert
  • Das Motiv zentriert
Vorher Nachher Vorher Nachher

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. (Bild: Google)

Ich halte es für besonders interessant, dass die Funktion sich für eine Komposition mit dem Motiv in der Mitte entschieden hat. Das passt perfekt und sieht meiner Meinung nach besser aus, als wenn man sich an die Drittelregel gehalten und die Person weiter links oder rechts platziert hätte.

Für das breitere Sichtfeld wurden fehlende Elemente einfach per KI generiert. Das hat beim Schuh des Fotografierten hervorragend funktioniert und auf den ersten Blick auch mit der Wiese und dem Hintergrund – aber eben nur auf den ersten Blick. 

Schauen wir genau hin, sieht man ganz klar, dass die KI auf der rechten Seite der Wiese einen ziemlichen Matsch generiert hat. Da gibt es also noch Verbesserungspotenzial. 

Trotzdem ist das Ergebnis vielversprechend. Ich bin sehr gespannt darauf, das selbst auszuprobieren und mit Absicht dutzende schlechte Fotos der KI zu präsentieren. Dann sehen wir, ob das Handy jeden zu einem besseren Fotografen oder Fotografin machen kann. 

Weitere Foto-Highlights

Reimagine: Hiermit könnt ihr fehlende Details und Objekte zu eurem Foto hinzufügen. Auch dieses Feature wurde live demonstriert mit Ergebnissen, die mich durchaus beeindrucken konnten. So hat Kenny Sulaimon zu dem Bild von oben per Textbefehl Blumen zu der Wiese hinzugefügt, die (wieder auf den ersten Blick) sehr ansehnlich wirken. Wozu man früher ein Photoshop-Profi sein musste, reicht heute ein Textbefehl.

Die generierten Blumen machen einen überzeugenden Eindruck. (Bild: Google) Die generierten Blumen machen einen überzeugenden Eindruck. (Bild: Google)

Verlustfreier Videozoom: Mit dem Pixel 9 Pro könnt ihr bei Videos bis zu 20-fach heranzoomen und das ohne nennenswerten Qualitätsverlust. Videos können zudem in die Cloud hochgeladen werden, um die Qualität und Auflösung per »Video Boost« zu verbessern. Ich kann es nicht bestreiten: Handykameras bieten inzwischen eine riesige Flexibilität im Hosentaschenformat, die mit einer klassischen Kamera in dieser Form nicht erreicht werden kann. 

Add Me: Hiermit könnt ihr euch selbst zu gerade geschossenen Gruppenfotos hinzufügen. Dafür wird das Foto zweimal geschossen: einmal mit euch hinter der Kamera und einmal davor. Dann werden beide Bilder zu einem verrechnet. Gekoppelt mit dem Best Take-Feature, bei denen man Gesichtsausdrücke für individuelle Personen austauschen kann, dürften die Pixel-Handys sehr geeignete Kameras für Gruppenfotos werden. 

Video starten 9:39 Das Pixel 9-Event in unter 10 Minuten - Tech like Vera mit dem ersten Hands-On

Warum das Pixel 9 meine Kamera nicht ersetzen wird

Ich bin einfach nicht die Zielgruppe dafür. Ich schätze es, selbst Hand an meine Bilder zu legen, Einstellungen zu verändern und die Komposition möglichst direkt aus der Kamera heraus richtig hinzubekommen.

Für viele zählt lediglich das Ergebnis: Wie sieht das Bild am Ende aus? Andere hingegen schätzen auch den Prozess – nicht umsonst fotografiere ich auch gerne analog und entwickle die Filme selbst.

Dann nehme ich den Pinsel doch lieber selbst in die Hand, als ihm jemand anderes zu überreichen – auch wenn diese andere Person eine Maschine ist, die es vielleicht sogar besser hinbekommt als ich selbst. Also wer braucht schon Hardware, wenn es KI gibt? Ich.

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