Virtual Reality hat beim Mainstream alles andere als einen vorbildlichen Blitzstart hingelegt. Erst jüngst beendete ein Windows-Update die Ära von Microsofts Mixed-Reality-Headsets, Valve kümmert sich auch nicht mehr sonderlich um die Vive und HTC bedient eigentlich nur noch Businesskunden. PC-VR-Games? In letzter Zeit Fehlanzeige.
Aber es gibt da dieses tapfere gallische Dorf... Ehh, sorry, dieses auch ohne teuren PC funktionierende VR-Headset von Meta. Die Meta Quest 2 hat mit über 20 Millionen verkauften Einheiten VR einen guten Push gegeben.
Jetzt will die Quest 3S genau fortführen, was die Quest 2 so gut gemacht hat – nur besser. Im Vergleich zur rund 550 Euro teuren Quest 3 musste man dabei bei Meta einige Kompromisse eingehen. Der Test zeigt aber: Die stören uns deutlich weniger, als wir zuvor angenommen hatten.
Transparenzhinweis: Meta hat mir die Meta Quest 3S für den Test kostenfrei leihweise zur Verfügung gestellt. Hersteller Meta hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.
Quest 3S: Etwas fehlt, und das ist gut so
Denn diese Kompromisse bestehen primär auf Seiten der Optik: Fresnel-Linsen bieten ein weniger brillantes Bild als die Pancake-Linsen der Quest 3. Der gut gefüllte Store, das hochkarätige Gratis-Spiel Batman Arkham Shadow und den spaßigen und auch praktischen Mixed Reality-Modus - das bietet auch die Quest 3S. Die Brille gefällt uns damit auch nach intensiver Nutzung erfreulich gut, vor allem auch angesichts des Preises.
Technisch abgespeckte Light-Modelle sind kein neues Ding, bei Smartphones beispielsweise sorgen die diversen Ausstattungsvarianten für eine schöne Produktvielfalt und Shoppingoptionen für alle, die auf niedrigere Preise angewiesen sind. Ratet, was ebenfalls auf niedrigere Preise angewiesen ist: Der Markt für VR-Headsets.
Als VR-Brillen wie HTC Vive und Oculus Rift auf den Markt kamen, galt neben dem störenden Kabel und einem nervigen Fliegengittereffekt vor allem der vergleichsweise hohe Preis als Hemmnis für die neue Technik. Mit den erst unter dem Oculus-Label und später mit Meta-Schriftzug produzierten Quest-Headsets entfielen plötzlich das Kabel und auch ein teurer PC als Zuspieler. Mit der Meta Quest 3S soll es nun auch dem Preis an den Kragen gehen - das Headset startet ab 329,99 Euro auf dem Preisniveau der Quest 2 während ihres Abverkaufes (und nicht zu Release).
Die Meta Quest 3S ist mehr Quest 3 als Quest 2
Auch wenn der fast schon winzige Verkaufskarton nicht viel hermacht, enthält er doch alles nötige: Die gegenüber der Meta Quest 2 etwas kompakter gewordene VR-Brille, zwei Motion Controller (und zwar exakt die der teureren Quest 3), Ladezubehör und ein Abstandhalter für Brillenträger.
Ein Blick aufs Produktdatenblatt verrät: Bei den Innereien, den harten technischen Daten also, hat Meta nicht gespart um auf den Kampfpreis von 329,99 Euro zu kommen. Es kommt die gleiche Hardwarebasis wie bei der Quest 3 zum Einsatz, also ein Qualcomm Snapdragon XR2 Gen2 mit 8 Gigabyte RAM.
Zugegeben, der Speicher fällt mit 128 Gigabyte beim günstigsten Modell für neugierige Vielnutzer etwas schmal aus, das galt aber auch fürs inzwischen eingestellte 128er-Modell der Quest 3.
So weit, so Quest 3. Bei der für die Darstellungsqualität relevanten Linsen hingegen zeigt sich dann aber eine größere Verwandtschaft zur Quest 2 als zum Nachfolger. Laut iFixit wurde das Display beispielsweise direkt übernommen.
Meta setzt bei der 3S auf Fresnel-Linsen, deren kreisförmiger Schliff charakteristisch für die ersten VR-Generationen war – zusammen mit Nachteilen in der Darstellung wie der Neigung zu Glare-Effekten rund um die Kreisstrukturen, God-Rays sowie einer nicht sehr überzeugenden Rand-zu-Rand-Bildschärfe.
So habe ich getestet
Ich habe die Meta Quest 3S eine Woche lang täglich als mein primäres VR-Headset genutzt und dabei zahlreiche Spiele wie Undead Citadel, Drums Rock, Asgard's Wrath 2 und, via PC-Verbindung, Half-Life: Alyx angeschaut und auch mit der Quest 3 verglichen.
Spezifikationen
| Display und Auflösung: | 1x LCD mit 1.832x1.920 Pixeln |
| Refreshrate: | max. 120 Hz |
| IPD: | 3 feste Stufen - 58mm, 63mm, 68mm |
| Prozessor: | Qualcomm Snapdragon XR2 Gen 2 |
| Arbeitsspeicher: | 8 Gigabyte |
| Festspeicher: | 128/256 Gigabyte |
| Passthrough: | Farbig, 18 PPD |
| Anschlüsse: | WiFi6E, Bluetooth, USB-C |
| Akku: | 4.324 mAh, ca. 2-2,5 Stunden |
| Gewicht: | 514 Gramm |
Preis und Verfügbarkeit
Die Meta Quest 3S ist im Handel mit 128 Gigabyte für 329,99 Euro und mit 256 Gigabyte für 439,99 Euro erhältlich. Dazu gibt es zum Start kostenlos das Spiel Batman Arkham Shadow, das am 22.10.24 erscheint sowie 3 Monate Meta Quest+. Sie ersetzt die Meta Quest 2 und die 128-GByte-Version der Meta Quest 3.
Was soll ich kaufen - Quest 3 oder 3S?
Meine Sorge war vor Erscheinen der neuen Meta-Brille, dass die Bildqualität aufgrund dieser Optik und auch der niedrigeren Displayauflösung auf dem Niveau der Meta Quest 2 verharrt und sich die Mehrleistung des schnelleren SoCs auf geschmeidigere Animationen und größere Spielwelten begrenzt.
Das ist aber nicht eingetroffen: Zum einen hat Meta die Fresnel-Linsen gegenüber der Quest 2 offenbar im Detail verbessert, zum anderen nutzt die Quest 3S intern die gleiche Renderauflösung wie die Meta Quest 3.
Bedeutet: Spiele und Anwendungen sehen schärfer aus als mit der Meta Quest 2, trotz identischer Auflösung der Displays. Einerseits, weil intern etwas mehr Pixel berechnet werden können (mit Tools wie Quest Games Optimizer lässt sich das sogar noch steigern), und andererseits wohl auch aufgrund der Fortschritte Metas bei den Linsen.
An die Bildqualität einer Meta Quest 3 mit ihren Pancake-Linsen und besserem Display kommt die Meta Quest 3S aber nicht heran. Das ist zwar schade, allerdings handelt es sich dabei auch um einen der ansonsten recht wenigen Unterschiede zur Quest 3.
Ansonsten fehlt der Quest 3S der analoge Kopfhöreranschluss der Quest 3, Pins zum kabellosen Laden der Brille und die stufenlose IPD-Einstellung. Letzteres kann stören, wenn euer Augenabstand nicht zu den drei vorgegebenen Einstellungsstufen der Quest 3S passt und die VR-Welt dadurch unscharf oder anstrengend zu nutzen ist.
Selbst die günstige Pico 4 bietet bereits Pancake-Linsen und ein scharfes Bild, hier fehlt es aber an Performance und Store-Inhalten, zumindest letzteres gilt auch für die Pico 4 Ultra, die wir jüngst ebenfalls testen konnten. HTC zielt mit den Focus-Brillen eher auf Businesskunden, so dass im VR-Einstieg aktuell kaum ein Weg an der Meta Quest 3S vorbei führt.
Einzig die Preisgestaltung des Modells mit 256 GByte ist ungünstig - für nur 100 Euro mehr bekommt ihr nicht nur den doppelten Speicher sondern auch bessere Linsen, da ihr bereits bei der Quest 3 angekommen seid.
Pro und Kontra im Alltagstest
Wer noch nie eine Quest 3 auf dem Kopf hatte, wird nichts vermissen. Dieser Satz geisterte mir im Testzeitraum recht oft im Kopf herum. Natürlich, ein Direktvergleich der Bildqualität geht immer an die Quest 3 und ihre Pancake-Linsen. Wer aber diesen Vergleich nicht hat, wird mit dem günstigeren 3S-Modell viel Spaß haben können.
Überraschend war für mich, dass auch Mixed Reality nicht schlechter funktioniert als auf Quest 3, obwohl der 3S der dedizierte Tiefensensor fehlt. Ihr müsst also keine Nachteile in dieser Disziplin fürchten. Störender könnte sich das die unflexible IPD-Einstellung in nur drei festen Schritten auswirken - liegt euer Augenabstand ungünstig zwischen den Presets, bleibt das Bild unscharf und anstrengend.
Auch der beigelieferte Kopfgurt ist eher zweckmäßig, mit preiswerten Dritthersteller-Alternativen oder den hochwertigeren optionalen Straps von Meta direkt gewinnt ihr viel an Komfort. Auch durch eine bessere Gewichtsverteilung, vor allem bei Straps mit integriertem Akku. Da der integrierte Energiespender der 3S nur maximal 2,5 Stunden durchhält, ist mehr Laufzeit immer eine gute Idee. Dieser Minuspunkt gilt aber ebenso für die Quest 3.
Die Controller und das Tracking entsprechen, ebenso wie die Performance des SoCs, eins zu eins der Quest 3. Und natürlich funktionieren alle Spiele im Meta-Store mit der Quest 3S, auch die Quest-3-Exklusivtitel. Ebenfalls auf gleichem Niveau ist die PC-Übertragung per USB-Kabel oder WiFi. Quest 3S bietet ebenfalls WiFi6E und damit sehr gute Voraussetzungen.
Solltet ihr Produkt XY kaufen?
Die Meta Quest 3S lohnt sich für euch, wenn ...
- ... ihr VR und MR vergleichsweise günstig ausprobieren wollt
- ... euch ein gut gefüllter Store wichtig ist
- ... ihr Einbußen bei der Bildqualität hinnehmen könnt
Mögliche Alternativen zur Meta Quest 3S:
- Meta Quest 3, wenn ihr lieber mehr investiert um das komplette Paket zu bekommen
- Pimax Crystal Light, wenn ihr plant, primär Simulationen am PC in optimaler Bildqualität zu spielen und euch das Kabel dabei nicht stört
Preis und Leistung ideal zusammenbringen, ist kein leichtes Unterfangen. Meta hat es bei der Meta Quest 3S aber geschafft. Mit einem Einstiegspreis von 330 Euro liefert sie die gute Performance der Meta Quest 3 bei etwas schlechterer Bildqualität aufgrund schwächerer Linsenmodelle und bietet auch alle Funktionen für Mixed Reality. Wir vergeben daher unseren Preis-Leistungs-Award an das VR-Headset.

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