Microsoft will die Geschäftsbeziehung mit OpenAI aufweichen und eigene KI-Grundmodelle entwickeln. Das bestätigte Microsofts KI-Chef Mustafa Suleyman in einem Interview mit der Financial Times.
Mit den KI-Grundmodellen, die auch als KI-Foundation bekannt sind, ist die Basis moderner KI-Systeme gemeint. Darunter befinden sich etwa Google Gemini, Meta LLama – und natürlich auch OpenAI GPT, das bei Microsoft aktuell die Basis für die Copilot-KI bildet.
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Vom Partner zum Konkurrenten
Nach wie vor hält Microsoft an der ChatGPT-Firma eine Beteiligung in Höhe von rund 135 Milliarden US-Dollar und besitzt bis einschließlich 2032 die Rechte an den neuesten OpenAI-Modellen.
- Im Oktober 2025 hatten beide Unternehmen ihre ursprüngliche Vereinbarung neu verhandelt. OpenAI erhielt dadurch mehr Freiheit, Cloud-Ressourcen bei konkurrierenden Anbietern zu suchen – Microsoft wiederum konnte sein Risiko verringern.
- Einen Monat später legte Suleyman gegenüber Business Insider offen, dass eine Klausel im alten Partnerschaftsvertrag Microsoft zudem daran gehindert habe, eigenständig an AGI-Modellen zu arbeiten – eine Beschränkung, die erst durch die Neuverhandlung aufgehoben wurde.
Nach dieser Umstruktierung setzte Microsoft das offensive Ziel, »echte Eigenständigkeit im Bereich der Künstlichen Intelligenz« zu erreichen, wie Suleyman nun gegenüber der Financial Times erklärt:
Wir müssen unsere eigenen Foundation-Modelle entwickeln, die an der absoluten Spitze stehen, mit Gigawatt-Rechenkapazität und einigen der besten KI-Trainingsteams der Welt.
OpenAI unter finanziellem Druck
Für OpenAI kommt Microsofts angedachter Strategiewechsel zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Das Unternehmen von Sam Altman steht vor enormen finanziellen Verpflichtungen:
- Allein 2026 sollen mehr als 80 Milliarden US-Dollar an aufgeschobenen Zahlungen fällig werden (via IFR).
- Darunter befinden sich auch anteilige Kosten aus einem 250 Milliarden US-Dollar schweren Vertrag – mit Microsoft.
Zusätzlich belastet die ins Stocken geratene Nvidia-Investition OpenAIs Finanzlage. Im September 2025 hatten Nvidia und OpenAI zunächst eine Absichtserklärung mit einem Gesamtvolumen von 100 Milliarden US-Dollar unterzeichnet.
Doch im Januar 2026 kamen Berichte auf, dass die Verhandlungen gescheitert seien, nachdem bei Nvidia interne Bedenken aufgekommen waren. Nvidia-CEO Jensen Huang relativierte die Summe öffentlich: 100 Milliarden seien »nie verbindlich« gewesen.
»OpenAI spielt eine große Rolle für uns«
Ein komplettes Ende der OpenAI-Beziehung scheint indes nicht auf der Agenda zu stehen, wie Microsofts PR-Manager Frank X. Shaw als Antwort auf den Bericht erklärt: »Wir leben in einer Multi-Modell-Welt. OpenAI spielt dabei eine große Rolle für uns, und gleichzeitig entwickeln wir eigene Spitzenmodelle für bestimmte Zwecke, die wir ebenfalls verfolgen wollen.«
Das Zeitfenster für die ersten Microsoft-Foundation-Modelle steht scheinbar ebenfalls bereits fest: Noch in diesem Jahr sollen laut Suleyman die ersten KI-Basismodelle des Unternehmens erscheinen.
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