Ausgerechnet Nagellack könnte ein Problem lösen, das viele vom Handy kennen

Ein neuer Klarlack soll Fingernägel touchscreen-tauglich machen und so das Tippen bei besonders trockener Haut oder langen Nägeln erleichtern.

Fingernägel als Stylus. Daran arbeitet eine Chemiestudentin aus den USA. (Bildquelle: Adobe Firefly, KI-generiert; Prompt: Alexander Köpf) Fingernägel als Stylus. Daran arbeitet eine Chemiestudentin aus den USA. (Bildquelle: Adobe Firefly, KI-generiert; Prompt: Alexander Köpf)

Wer lange Fingernägel hat oder unter besonders trockener Haut leidet, kennt das womöglich: Das Smartphone ist immer dabei, aber auf eine simple Textnachricht zu antworten, kann schwierig werden.

Denn bei Handys kommen meist sogenannte kapazitive Touchscreens zum Einsatz. Sie reagieren auf leitfähige Berührung durch die Fingerkuppe, sind besonders gut für Multitouch und Gesten geeignet, und man muss keinen Druck ausüben. Für viele Nutzerinnen und Nutzer funktioniert das allerdings nicht ganz so reibungslos.

Doch für dieses alltägliche Problem könnte nun eine erstaunlich einfache Lösung gefunden worden sein.

Die Chemiestudentin Manasi Desai vom Centenary College of Louisiana hat einen Prototyp eines transparenten Nagellacks vorgestellt, der Fingernägel in eine Art Touchscreen-Stift verwandeln soll. Gemeinsam mit dem Dozenten Joshua Lawrence präsentierte sie die Arbeit auf der Frühjahrstagung der American Chemical Society in Atlanta.

Video starten 4:00 Kaffee zubereitet mit der »nunc.« - Der komplette Prozess im Video

Wie der Nagellack funktioniert

Der Lack soll den Nagel nicht bloß überziehen, sondern ihm genau die Eigenschaften verleihen, die ein kapazitives Touchdisplay braucht, um eine Berührung zu registrieren.

Spannend ist der Ansatz vor allem deshalb, weil hier nicht einfach leitfähige Partikel in den Nagellack gemischt werden. Frühere Versuche mit Metallen oder Kohlenstoff-Nanomaterialien warfen unter anderem Gesundheitsfragen auf. Außerdem färbten solche Zusatzstoffe manche Lacke dunkel.

Desai suchte daher nach einer bislang kaum erforschten Alternative. Sie testete 13 handelsübliche Klarlacke und mehr als 50 Zusatzstoffe. Dabei erwiesen sich Formeln mit Ethanolamin (Aminoethylalkohol) und Taurin (organische Säure) als besonders vielversprechend.

Chemie statt klassischer Leitfähigkeit

Paradoxerweise steht dabei womöglich nicht einmal klassische elektrische Leitfähigkeit im Mittelpunkt. Vielmehr könnte eine Art Säure-Base-Chemie entscheidend sein, bei der Protonen zwischen Molekülen hin- und herspringen und die Kapazität des Bildschirms minimal verändern, sodass eine Berührung registriert wird. Dieser molekulare Vorgang wird Grotthuss-Mechanismus genannt.

Der Nagellack wäre dann nicht mehr nur Kosmetik, sondern ein Material, das eine sehr spezifische Schnittstelle zum Display herstellt.

Noch kein fertiges Produkt

So raffiniert das alles klingt, noch ist Zurückhaltung geboten. Laut Science News funktioniert die derzeit verwendete Formel auf echten Fingernägeln noch nicht zuverlässig genug.

Hinzu kommen offene Fragen hinsichtlich der Löslichkeit, der Menge der Bestandteile in sehr dünnen Lackschichten und der möglichen Toxizität einzelner Inhaltsstoffe.

Bis aus dem Konzept ein alltagstaugliches Produkt wird, dürfte also noch einige Entwicklungsarbeit nötig sein.

Mehr aus der Welt der Wissenschaft:

Mehr als nur eine kuriose Idee

Auch wenn der Nagellack von echter Marktreife noch ein Stück entfernt ist, zeigt die Arbeit, wie nah manche Innovationen am Alltag sind.

Nicht immer geht es dabei um neue Chips, Sensoren oder große Plattformen. Manchmal reicht schon die genaue Beobachtung eines kleinen, aber weitverbreiteten Problems.

zu den Kommentaren (0)

Kommentare(0)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.