Spongebob gegen Netflix: Deutscher Schwamm-Sprecher lehnt sich gegen KI-Klausel auf – und verzichtet sogar auf eine Stammrolle

Der Streit zwischen Netflix und Synchronsprechern geht in die nächste Runde.

Der Synchronsprecher Santiago Ziesmer wird wegen einer KI-Passage einen neuen Vertrag mit Netflix nicht unterschreiben. (Bildquelle: Santiago Ziesmer Spongebob Squarepants Official) Der Synchronsprecher Santiago Ziesmer wird wegen einer KI-Passage einen neuen Vertrag mit Netflix nicht unterschreiben. (Bildquelle: Santiago Ziesmer / Spongebob Squarepants Official)

Wenn die vertraute Stimme eines Helden aus der Kindheit plötzlich in Gefahr gerät, durch KI ersetzt zu werden, wird aus einem Hollywood-Vertrag schnell ein handfester Streit um das Recht an der eigenen kreativen Arbeit.

Ein Kampf, der bereits seit einigen Monaten schwelt, geht jetzt in die nächste Runde, berichtet GamePro. Der Synchronsprecher Santiago Ziesmer – vielen bekannt als die deutsche Stimme von Spongebob Schwammkopf und dem Hollywood-Schauspieler Steve Buscemi – verweigert die Unterschrift unter einem neuen Netflix-Vertrag und verzichtet damit auf eine seiner jahrzehntelangen Stammrollen.

Als Grund für den Boykott gibt Ziesmer eine umstrittene Vertragsklausel in einem YouTube-Video an: Netflix habe in dem Vertrag verlangt, dass seine Stimme als kostenloses »Datenfutter« für das Training von Künstlicher Intelligenz genutzt werden dürfe.

Anstatt sich laut eigenen Aussagen selbst ersetzbar zu machen, entschied sich Ziesmer gegen den Netflix-Vertrag und ruft am Ende des Videos andere Künstler und Fans auf, gemeinsam Haltung gegen die aus seiner Sicht drohende Abschaffung des Synchronsprecher-Berufs zu zeigen.

Video starten 56:01 GameStar Tech Talk: Geht KI zu weit?

Santiago Ziesmer: »Es bricht mir das Herz«

Für Santiago Ziesmer ist dieser Schritt alles andere als leicht. In der Videobotschaft wendet sich die langjährige Stimme von Spongebob und Steve Buscemi an die Öffentlichkeit, um zu erklären, dass ihm diese Entscheidung das Herz breche.

Nun sollte ich allerdings für einige Synchronarbeiten für Produktion mit dem fantastischen Schauspieler Steve Buscemi […] einen Vertrag unterschreiben, bei dem ich einem KI-Training zustimmen sollte.

Einem KI-Training, das aus meiner künstlerischen Arbeit, aus meiner Stimme, aus meinem Schauspiel, Datenfutter machen möchte.

Ich will aber nicht dafür sorgen, mich als Synchronschauspieler, als Künstler ersetzen oder abschaffen zu lassen, ohne Erklärung, ohne Vergütung. Daher habe ich mich dazu entschieden, diesen Netflix-Vertrag nicht zu unterschreiben.

Seit Jahrzehnten leihe er seine Stimme Darstellern wie Steve Buscemi, doch mit dem neuen Vertrag habe Netflix eine Grenze überschritten.

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Er wehre sich dagegen, dass seine künstlerische Arbeit ohne weitere Erklärung oder zusätzliche Vergütung für das Training von KI-Modellen genutzt werden könnte und fürchtet, dass dieser Schritt ihn am Ende als Synchronschauspieler überflüssig machen würde.

Der Kampf David gegen Goliath

Der Fall Ziesmer ist kein Einzelfall. Streaming-Firmen wie Netflix drängen bei Synchronarbeiten vermehrt auf Klauseln, die das Training von KI einschließen.  

Betroffene Synchronsprecher befürchten deshalb, dass KI in Zukunft ihre Arbeit ersetzen könnte. Als Konsequenz verweigern seit Anfang des Jahres 2026 mehrere hunderte deutsche Synchronsprecher die Zusammenarbeit mit Netflix.

Mehr zum Thema: Deutsche Synchronsprecher vs. Netflix: Der Streamingdienst soll geltendes Recht brechen

Für Zuschauer hat der Streit um die Stimme direkte Auswirkungen. Netflix-Produktionen müssen gegebenenfalls auf andere Stimmen bei der Synchronisation ausweichen, was Fans sauer aufstoßen dürfte.

Im Fall Ziesmer bedeutet es, dass Steve Buscemi in neuen Netflix-Produktionen wohl mit einer anderen Stimme sprechen wird. Aufatmen können Fans hingegen bei Spongebob: Die Rechte an der Serie liegen bei Nickelodeon und Paramount, Ziesmers Arbeit an dem gelben Kult-Schwamm ist von dem Netflix-Streit also nicht betroffen.

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