Im Mai 2025 berichteten wir über eine Studie des British Standards Institution, die herausfand, dass 46 Prozent der 16- bis 21-Jährigen sich eine Welt ohne Internet wünschen.
Dabei gaben 68 Prozent an, dass sie das Gefühl haben, dass die Zeit, die sie online verbringen, ihrer psychischen Gesundheit schadet.
Eine Umfrage von Harris Poll, einem weltweit tätigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmen, von 2023 kam zu einem ähnlichen Ergebnis.
- 60 Prozent wollten in eine Zeit zurückkehren, in der man nicht dauernd online war.
- 80 Prozent der erwachsenen Gen Z (nach 1997 geboren) glaubt, dass ihre Generation zu abhängig von Technologie ist.
Darum ist das wichtig: Die New York Times griff diese Umfrage jüngst in einem Artikel auf und erklärt, warum junge Menschen die 1990er heraufbeschwören – eine Zeit, in der sie entweder sehr jung waren oder gar nicht gelebt haben.
Nie erlebte Nostalgie, oder: Anemoia
Im Rahmen der Harris-Poll-Studie kamen noch weitere Erkenntnisse zutage:
- 68 Prozent der Probanden gaben an, nostalgisch für eine Zeit zu sein, in der sie noch gar nicht gelebt haben.
- 73 Prozent fühlen sich zu den Medien, Hobbys und dem allgemeinen Style solcher vergangenen Zeiten hingezogen.
- 78 Prozent gehen sogar so weit zu sagen, dass neuartige Technologien und Produkte Elemente vergangener Tage implementieren sollten.
Das Phänomen dieser stellvertretenden Nostalgie hat einen Namen: Anemoia (via Marken-Kongress).
Ein interessantes Essay zum Thema gibt es auf Medium, in dem eine junge Frau aus der Gen Z berichtet, wie sich das anfühlt. Sie führt dabei vor allem drei Gründe an, wieso sich ihre Generation in vergangene Zeiten rettet.
- Flucht vor der Gegenwart. Die heutige Welt scheint unsicherer geworden zu sein; Themen wie die Klimakrise, Kriege und politische Unsicherheit sind allgegenwärtig – vor allem in den sozialen Medien.
- Fokus auf positive Seiten der Vergangenheit. Durch die nostalgische Brille erscheint die Vergangenheit romantisiert. Dadurch wird sie als positiver empfunden, als sie womöglich war.
- Schenkt Hoffnung für die Zukunft. Wenn Menschen damals schwierige Zeiten überlebt und daraus schöne Kulturformen hervorgebracht haben, kann das Mut für die Zukunft machen.
Kehren wir ein letztes Mal zur Harris-Poll-Umfrage zurück. Was die junge Frau beschreibt, wird durch die Erhebung gestützt.
- 66 Prozent sagten, dass ihnen das Erkunden dieses vergangenen Zeitalters helfe, dem Stress des modernen Lebens zu entkommen und weniger ängstlich bezüglich der Zukunft zu sein.
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Jeux Video führt als Beleg für die verbreitete Anemoia ins Feld, dass »Vintage« in den Medien heute wieder in sei.
- Der riesige Erfolg der Netflix-Serie Stranger Things ließe sich nicht nur auf Zuschauer zurückführen, welche die 80er- und 90er-Jahre erlebt haben.
- Der Absatz von Schallplatten ist laut Statista in den letzten Jahren stetig am steigen.
- Auch die Digitalkamera feiert gemäß dem Photografix-Magazin ein überraschendes Comeback.
In der Nostalgie liegt Hoffnung
Das Phänomen lediglich als Realitätsflucht abzutun, ist wohlmöglich zu einfach gedacht. Laut PR News liegt dem eine tiefere psychologische Komponente zugrunde, die ihre positiven Seiten hat. So schreibt das Autorenduo des Artikels:
Über zwei Jahrzehnte verhaltenswissenschaftlicher Forschung haben Nostalgie als wichtige psychologische Ressource etabliert, die das Wohlbefinden durch verschiedene Mechanismen steigert.
Zu den besagten Mechanismen zählen unter anderem:
- Bessere Stimmung
- Stärkeres Zugehörigkeitsgefühl
- Tieferes Empfinden für den Sinn des Lebens
All das lässt sich wiederum in Optimismus umwandeln, verschafft Energie zur Zielverfolgung und wirkt insgesamt motivierend.
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Wichtig ist auch die sogenannte Meta-Nostalgie. Gen Z erlebt nostalgische Gefühle, wenn sie auf nostalgische Erinnerungen älterer Generationen trifft, zum Beispiel über Medien oder Erzählungen.
So entsteht ein intergenerationaler Austausch, was gerade in der heutigen Zeit hilft, Menschen unterschiedlichen Alters mit abweichenden Interessen zusammenzubringen.
Unterm Strich findet der Artikel vor allem positive Worte für Anemoia. Junge Menschen entlarven sogenanntes »Nostalgie-Baiting«. Gerade heute, wo die »gute, alte Zeit« gerne beschworen wird, sollen Menschen mittels KI immer wieder bei ihrer Nostalgie gepackt werden, findet 404 Media.
Das Autorenduo appelliert vor allem an Marken, welche die Vergangenheit nicht bloß rekreieren sollten. So schreiben sie:
Die effektivsten Maßnahmen in diesem Bereich sind diejenigen, die Möglichkeiten für kreative Neuinterpretationen bieten.
Das würde psychologisch wert- und sinnvolle Verbindungen schaffen, die jungen Menschen Halt, Hoffnung und Identität bieten können – und einen Draht zu Millennials und Babyboomern.

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