Sie nutzen Technik, aber die falsche. Zumindest sehen zwei Uni-Dozenten bei ihren Studenten aus der Gen Z (Jahrgänge etwa zwischen 1997 und 2011) teils große technische Wissenslücken.
Es wäre demnach ein Trugschluss zu glauben: Wer im Internet aufgewachsen ist, kann automatisch auch jedes Problem mit relevanter Software lösen.
Gen Z: Digital Natives, aber technologisch ungebildet
Daniel Pfaltzgraf und Dr. Gary S. Insch arbeiten an der Universität Toledo in Ohio im Bereich Wirtschaft.
In ihrem Paper Digitally Native, Yet Technologically Illiterate: Methods to Prepare Business Students to Create Versus Consume
aus dem Jahr 2021 beschreiben sie eine Diskrepanz zwischen der erwarteten und der tatsächlichen Technologiekompetenz ihrer Studenten, insbesondere der Generation Z:
- Die Autoren gehen von der Annahme aus, dass die Studenten der jungen Generation technisch versiert sind, immerhin werden diese gemeinhin als
Digital Natives
bezeichnet: Sie sind in der digitalen Ära aufgewachsen mit Internet, Smartphones und sozialen Medien. - Die Beobachtung der Studenten über mehrere Semester zeigt aber, dass bei den tatsächlichen Fähigkeiten, anwendungsbezogen Probleme zu lösen, Defizite bestehen.
- Ihre Eindrücke untermauern die Autoren durch eine Selbsteinschätzung der Microsoft Office-Kenntnisse der Studenten zu Beginn eines Office-Kurses.
Die Untersuchung der beiden Dozenten basiert also eher auf Beobachtungen und Erfahrungen im Lehralltag.
Aber sie argumentieren, dass die Tatsache, dass die junge Generation aus Digital Natives besteht, nicht automatisch bedeutet, dass sie ihre erworbenen Kenntnisse auf die Anforderungen des Berufslebens übertragen können.
Das betreffe besonders die Verwendung von Produktivitätssoftware wie Microsoft Office.
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Smartphones gegen Computer
Den Autoren geht es aber nicht darum, die junge Generation per se zu verurteilen, sondern aufzuzeigen, dass die bloße Nutzung von Technik nicht zwangsläufig zu einem kompetenten Umgang mit Technik führt. Dabei stellen sie die Unterscheidung von Konsum und Kreation auf.
Gerade Smartphones würden eher zum Konsum von Inhalten verwendet werden. Im Berufsleben sei es aber wichtig, mithilfe von Technik Probleme zu lösen. Als Beispiele führen sie Microsoft Office-Anwendungen wie Outlook, Word, Excel und PowerPoint auf.
Sie geben aber auch an, Defizite bei grundlegenden Computerfertigkeiten wie dem Speichern von Dateien und dem Anhängen von Dateien an E-Mails zu beobachten. Sie zitieren einen nicht namentlich genannten Chief Technology Officer (CTO) mit der Aussage:
Nur weil du ein Video auf einem Smartphone machen kannst, bedeutet das nicht, dass du sicher im Umgang mit einem Computer bist.
Fazit: Nicht die Gen Z, sondern die Lehre muss sich ändern
Um die Diskrepanz zwischen gefühlter und tatsächlicher Kompetenz zu überwinden, nehmen Pfaltzgraf und Insch die Hochschulen selbst in die Pflicht. Die Bildungseinrichtungen müssten in ihrem Unterricht auf das Wissensdefizit der Studenten eingehen.
Konkret schlagen sie Folgendes vor:
- Hochschulen sollten die Vermittlung von relevanter Business-Software stärker in den Vordergrund stellen und die Studenten praxisorientiert mit den Tools arbeiten lassen.
- Dozenten sollten ihre Rolle nicht mehr primär als reine Wissensvermittler verstehen, sondern stattdessen zu
Gestaltern von Lernprozessen
werden. Sie sollen also aktiv wichtige digitale Werkzeuge in ihren Unterricht integrieren. Design Thinking
, also die Fähigkeit von Studenten, kreativ Probleme zu lösen und innovative Lösungen zu entwickeln, sollte gefördert werden.
Ähnlich wie frühere Generationen den Umstieg von der Schreibmaschine auf den Computer aktiv lernen mussten, muss auch die Gen Z noch lernen.
Den Digital Natives sollte genauso aktiv ein Umstieg von einem Medium auf das andere ermöglicht werden – bei ihnen aber eher vom Handy auf den Computer.
Was sagt ihr dazu? Decken sich die Erfahrungen der Uni-Dozenten mit euren eigenen? Habt ihr den Eindruck, dass etwas ältere Semester besser mit generellen Computeranwendungen umgehen können? Oder habt ihr die Erfahrung gemacht, dass auch viele junge Menschen sehr gut mit Excel und Co. umgehen können? Schreibt uns eure Eindrücke und Meinungen dazu gerne in die Kommentare!

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