Geldgeschenke zum Geburtstag stecken meist in einer hübschen Karte. Am Ende zählt besonders als Kind aber nur der Inhalt – die verzierte Karte selbst ist lediglich ein Mittel zum Zweck.
Ähnlich verhält es sich mit den Ladecases vieler In-Ears: Sie versorgen die Ohrstöpsel mit Strom, sind ansonsten aber kaum mehr als notwendiges Beiwerk.
Nothing will genau das ändern und macht das Case der Ear (3) mit einem integrierten Mikrofon zu mehr als nur einer Verpackung. Das und die Qualität des Produktes insgesamt schauen wir uns in diesem Test näher an.
Transparenzhinweis: Nothing hat mir die Ear 3 für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.
Inhaltsverzeichnis
Spezifikationen
| Feature | Spezifikation |
|---|---|
| Farbe | Schwarz, Weiß |
| Treiber | 12 mm dynamisch 20 Hz – 40 kHz PMI + TPU Membran |
| Mikrofone | 3 in jedem Earbud, Super Mic im Ladecase |
| Gewicht Earbud/Case | 5,2 Gramm je Earbud / 71,4 Gramm Case |
| Akkulaufzeit Earbuds | Bis zu 10 Std. (ANC aus), bis zu 5,5 Std. (ANC an) |
| Akkulaufzeit mit Case | Bis zu 38 Stunden (ANC aus), bis zu 22 Stunden (ANC an) Wireless Charging |
| Schnellladen | 10 Min = 10 Std. Wiedergabe (ANC aus, mit Case) |
| Noise Cancelling | Bis zu 45 dB, 5.000 Hz, Adaptive ANC, Transparenzmodus, Echtzeit-Anpassung |
| Konnektivität | Bluetooth 5.4, Multipoint Codecs: AAC, SBC, LDAC |
| Wasser-/Staubschutz | IP54 (Earbuds und Case) |
| Besonderheiten | Individualisierbares EQ, In-Ear-Erkennung, Google Fast Pair, Microsoft Swift Pair, Low Lag, LED-Anzeige |
| Preis (UVP) | rund 180 Euro |
| Case-Material | 100% recyceltes Aluminium, transparentes Design mit Metallakzenten |
| Android- und iOS-Version | ab Android 6 ab iOS 13 |
Preis und Verfügbarkeit
Die Nothing Ear 3 sind bereits zu einer UVP von rund 180 Euro im Handel erhältlich.
Nothing Ear 3: Das einzigartige Case mit Mikrofon
Dreht man das überarbeitete Case dank der Daumen-Einbuchtung auf der Oberseite wie ein Fidget-Spinner, fallen drei Änderungen unweigerlich auf.
- Das Case fertigt der Hersteller nun aus Aluminium, was sich in der Hand hochwertiger anfühlt.
- An der Seite befinden sich jetzt zwei kleine Kreise, die auf das »Super Mic« hinweisen: einer für die LED, die anzeigt, dass das Mikrofon aktiv ist, und einer für das Mikrofon selbst.
- Die Talk-Taste zum Betätigen jenes Mikrofons.
Der Talk-Button ist der Dreh- und Angelpunkt der Mikrofon-Funktion und ermöglicht abhängig vom Drücken verschiedene Aktionen.
Letztere vermittelt mir subtil das Gefühl, ein Walkie-Talkie in den Händen zu halten. Dazu trägt vor allem der gleichnamige Modus bei, der die Stimme nur beim Drücken der Taste an den Gesprächspartner überträgt.
Wenn ihr zweimal auf die Taste drückt, könnt ihr hingegen ohne Unterlass ins Mikrofon sprechen.
Im Vergleich zu In-Ear-Mikrofonen wird die Stimme ohne Zweifel klarer übertragen. Sie klingt weniger blechern und roboterhaft, wie es bei Bluetooth-Kopfhörern eben der Fall ist.
In dieser Hinsicht ist Nothings Coup definitiv gelungen. Ob es sich dabei um ein Gimmick handelt oder ob es im Alltag sinnvoll ist, liegt im Auge des Betrachters.
Das Case-Mikrofon schirmt Hintergrundgeräusche genauso zuverlässig ab wie die eingebauten In-Ears. Inmitten der IFA in Berlin hat mir Nothing das Case-Mikrofon demonstriert.
Während sich um uns herum Menschen lautstark unterhielten, war lediglich die Stimme am Mikrofon in der Hörmuschel des Smartphones zu hören.
Das Super Mic kommt vorrangig bei Telefonaten und Videoanrufen zum Einsatz (Teams, Google Meet, Zoom oder WhatsApp). Sprachnachrichten via WhatsApp werden jedoch nicht unterstützt. In diesem Fall schaltet die App auf das Smartphone-Mikrofon um.
Der Hersteller schiebt den schwarzen Peter den Entwicklern der Anwendungen zu. Diese greifen auf App- beziehungsweise Systemebene auf das Standard-Mikrofon des Smartphones zu und erlauben keine freie Auswahl des Eingabegeräts, wie es etwa beim iPhone mit iOS 26 der Fall ist.
Ansonsten besteht die Möglichkeit, über das Super Mic mit Sprachassistenten zu kommunizieren oder eigene Sprachnotizen über Essential Space auf diversen Nothing-Smartphones festzuhalten.
Die Nothing Ear 3 mit ordentlich Bass
Bei seiner vierten Generation an In-Ears (ja, es ist tatsächlich die vierte, nicht die dritte) setzt das Londoner Unternehmen auf neue dynamische Treiber mit einem Durchmesser von 12 Millimetern. Laut Nothing wurde bei den Ear 3 neben der Leistungsfähigkeit der Bass verstärkt.
Das hört man.
Besonders bei ohnehin basslastigen Titeln wie »Bad Guy« von Billie Eilish hämmern die Ear 3 den Bass ordentlich ins Ohr, was einigen zu aufdringlich sein könnte.
Mir gefällt es, da die Stimme durch den kraftvollen, aber differenzierten Bass (für mich) nicht unangenehm übertüncht wird. Mehr darf es aber nicht sein.
Link zum Spotify-Inhalt
Die Mitten sind bei den Nothing Ear (3) gut ausgeprägt und bieten eine klare Darstellung von Stimmen und Instrumenten. In »Someone Like You« von Adele liefern die Ear (3) die Stimme weitgehend ohne Verzerrungen oder Zischlaute.
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Bei sehr hoher Lautstärke wird hingegen ein subtiles Zischen hörbar und die Höhen klingen nicht mehr so klar, luftig und detailliert wie bei moderater Lautstärke.
Insgesamt erzeugen die Ear (3) aber mit einer für mich sauberen Klangbühne, was »Africa« von Toto gut unterstreicht. Synths, Gitarren und Drums bleiben auch im dichten Arrangement klar zu verorten.
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Unterm Strich machen die Ear (3) für unter 200 Euro einen hervorragenden Job – vor allem Liebhaber von Pop, Elektro, EDM, House kommen hier voll auf ihre Kosten.
Ausgereifter Equalizer
Wer den Sound der Kopfhörer ausgiebig personalisieren möchte, findet in der X-App des Herstellers zahlreiche Möglichkeiten dazu.
Der »Bass Enhance«-Modus verstärkt beispielsweise die Tiefen, die anschließend jedoch weniger klar und differenziert klingen.
Spatial Audio ist bei den Ear 3 ebenfalls an Bord, bei mir allerdings stets deaktiviert. Dadurch wirkt das Klangbild künstlich, leicht blechern und es büßt insgesamt an Qualität ein.
Mehr Freiheit bietet euch Nothing beim Equalizer. Neben einfachen Modi, mit denen sich Bass, Mitten und Stimmen hervorheben lassen, könnt ihr im Fortgeschrittenen-Modus die Frequenzen sowie die Breite der beeinflussten Frequenzbereiche anpassen.
Wenn ihr nicht selbst an den Reglern herumfummeln möchtet, könnt ihr Presets anderer Nutzer:innen aus dem Netz importieren.
Die App unterstützt das Teilen und Importieren von benutzerdefinierten Einstellungen per QR-Code.
Weitere App-Features
Neben den Feintuning-Optionen für den Sound bietet die App weitere Funktionen, darunter:
- die gleichzeitige Verbindung zweier Geräte (Multipoint)
- Trageerkennung
- Modus mit niedriger Latenz (etwa zum Spielen)
- Personalisierter Ton
- Auto-Transparenzmodus, der beim Telefonieren aktiviert wird
- Aktivierung des LDAC-Codes
Über die App könnt ihr zudem die Bedienelemente der In-Ears und des Cases anpassen. Somit legt ihr beispielsweise fest, ob beim Gedrückthalten der Talk-Taste Essential Space oder ein Sprachassistent gestartet wird.
Zu guter Letzt legt ihr über die App den ANC- sowie den Transparenzmodus fest. Apropos ANC.
Nothing Ear 3: ANC und Transparenzmodus
Ich konnte die Nothing Ear 3 bereits einem Härtetest für die aktive Geräuschunterdrückung (ANC) unterziehen: einem vollen Zugabteil mit Vereinshymnen-singenden und trinkwütigen Fußballfans.
Die Nothing Ear 3 haben mich dabei teilweise im Stich gelassen. Während ich von meiner Sitznachbarin, die trotz des Lärms im Meeting steckte, nur ein stumpfes Brummen wahrnehmen konnte, waren die hohen und schrillen Laute der feiernden Truppe trotz maximaler ANC-Stärke gut zu hören.
In dieser Hinsicht machen es die In-Ears der Konkurrenz, namentlich Bose, Google, Samsung und Apple, besser.
Überzeugt hat mich dagegen der Transparenzmodus, der kein nerviges Grundrauschen erzeugt. Die eigene Stimme klingt nicht dumpf und leise, und auch die Stimmen der Gesprächspartner klingen natürlich. Es ist fast so, als hätte man keine In-Ears im Ohr.
Die Akkulaufzeit der Nothing Ear 3
Nothing selbst verspricht eine Akkulaufzeit von 5,5 Stunden bei aktiviertem ANC und von 3,5 Stunden bei Verwendung des LDAC-Codecs. Ohne ANC sind es bis zu 10 Stunden Wiedergabezeit.
Mit dem Case verlängert sich die Gesamtlaufzeit auf bis zu 38 Stunden, wenn ihr auf ANC verzichtet.
Im Test hatten die Ohrhörer nach 5:23 Stunden noch jeweils fünf Prozent Restakkukapazität. Während der Nutzung war der ANC-Modus aktiviert, und der Transparenzmodus wurde für knapp 30 Minuten genutzt. Die Lautstärke war im mittleren Bereich eingestellt.
Das Case selbst unterstützt Schnellladen und soll nach zehn Minuten Ladezeit für insgesamt zehn Stunden Wiedergabe ohne ANC sorgen. Kabelloses Laden ist ebenfalls möglich.
Tragegefühl auf gewohnt hohem Niveau
Ein hervorragender Sound und viele Features sowie Modi bringen alles nichts, wenn die In-Ears nach kurzer Zeit zwicken und jucken.
Nach über fünf Stunden Zugfahrt haben die Kopfhörer zu keiner Zeit gestört, im Gegenteil: irgendwann habe ich sie gar nicht mehr wahrgenommen.
Das war allerdings bereits bei den Vorgängermodellen der Fall. Der Verpackung liegen zudem verschiedene Silikon-Größen bei. Mithilfe der App und dem Passformtest der Ohrhörer kann die optimale Passform ermittelt werden.
Solltet ihr die Nothing Ear 3 kaufen?
Die Nothing Ear 3 lohnen sich für euch, wenn ihr …
- … basslastigen Sound bevorzugt.
- … über ein Upgrade der Nothing Ear 1 oder Ear 2 nachdenkt.
- … nicht den besten ANC-Modus auf dem Markt benötigt.
- … empfänglich für das Nothing-Design seid und einzigartige Features zu schätzen wisst.
Mögliche Alternativen zu den Nothing Ear 3
Die Sony WF-1000XM5 sind für 10 Euro mehr im Handel erhältlich und überzeugen mit einem hervorragenden Sound und einem exzellenten ANC-Modus.
Wenn ihr keine 180 Euro für die Nothing Ear 3 ausgeben möchtet, sind die Ear a des Herstellers einen Blick wert. Für mittlerweile 70 Euro erhaltet ihr eine sehr gute Klangqualität zu einem mehr als fairen Preis.
Wenn ihr ein iPhone besitzt und auf der Suche nach In-Ears ohne Silikonaufsätze seid, sind die AirPods 4 eine Empfehlung. Der Klang überzeugt auf ganzer Linie, und der ANC-Modus filtert zumindest stumpfe Umgebungsgeräusche ab.
Was außerdem für die Nothing Ear 3 spricht: Der Hersteller positioniert die In-Ears preislich weiter oben im Vergleich zu den Vorgängern, liefert dafür aber einen besseren Klang. Im Vergleich zu den Nothing Ear 2 aus dem Jahr 2023 ist der Unterschied im Klang deutlich hörbar.
Abgesehen davon bietet Nothing ein optionales, besseres Mikrofon, das je nach Sichtweise entweder seinen Nutzen findet oder als Gimmick in der Feature-Mottenkiste verstaubt.

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