Vor 120 Jahren wurde in Berlin das wichtigste Signal überhaupt standardisiert – seitdem hat es unzählige Menschenleben gerettet

Dreimal kurz, dreimal lang, dreimal kurz kennen heute nicht nur Funkerinnen und Funker.

Manchmal schreibt man SOS auch in den Sand, weil es sowohl akustisch als auch visuell funktioniert. (Bildquelle: YellowCrest - adobe.stock.com) Manchmal schreibt man SOS auch in den Sand, weil es sowohl akustisch als auch visuell funktioniert. (Bildquelle: YellowCrest - adobe.stock.com)

Wie viele von euch können heute noch Morsecode? Wahrscheinlich die wenigsten, denn abseits des Amateurfunks und in der Luftfahrt hat die Kommunikationsmethode ausgedient.

Und trotzdem kennen fast alle diese Zeichenfolge: ▄ ▄ ▄ ▄▄▄ ▄▄▄ ▄▄▄ ▄ ▄ ▄  

SOS gilt international als Notsignal. Jeder versteht es, jeder weiß, was es bedeutet. Aus der Taufe gehoben wurde es vor exakt 120 Jahren – und zwar in Deutschland.

Die Geschichte hinter SOS

Bereits vor 1900 waren Schiffe in der Lage, sich mittels Morse zu verständigen. Das Problem: Unterschiedliche Länder und Funker verwendeten unterschiedliche Zeichen. Besonders heikel war das in Notsituationen, wenn es schnell gehen musste.

Zu der Zeit gab es ein Duopol bestehend aus zwei Firmen: Marconi Company aus Großbritannien und Telefunken aus Deutschland. Nicht nur besaßen beide Firmen eigene Codes, der Streit zwischen ihnen war so groß, dass Schiffsfunker die Nachrichten der Konkurrenz nicht annehmen durften – was zur Missachtung von Notrufen führte.

  • Marconi nutzte CQD (▄▄▄ ▄ ▄▄▄ ▄   ▄▄▄ ▄▄▄ ▄ ▄▄▄   ▄▄▄ ▄ ▄) zur Einleitung von Notrufen. Es setzt sich aus dem Code CQ für französisch »sécurité« (»Achtung«) und D für »détresse« (»Notfall«) zusammen.

Im April 1904 hat deshalb die Kaiserliche Marine des Deutschen Reiches eben jenes SOS-Signal als Notzeichen eingeführt, um der seerechtswidrigen Handhabe der beiden Unternehmen ein Ende zu bereiten. Der Gedanke hinten dem Signal war allerdings nicht, auf sich aufmerksam zu machen. 

In erster Linie diente Dididi-dahdahdah-dididit (so die phonetische Schreibweise) dazu, die Sirenen aller anderen Funkstationen zur Funkstille zu bewegen – um erst dann den Inhalt des Notrufs zu senden. Deshalb wurde SOS auch so lange wiederholt, bis Funkstille herrschte.


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Dreimal kurz, dreimal lang, dreimal kurz wurde dann aus mehrere Gründen gewählt.

  • Es war für Funker leicht zu morsen.
  • Es ist auch für Leute zu erkennen, die keinen Morsecode kennen.

Das Wort »SOS« ergab sich übrigens zufällig. Der Buchstabe S wird mit drei kurzen Klicks erzeugt, der Buchstabe O mit drei langen Klicks. Dadurch ergibt sich bei dreimal kurz, dreimal lang, dreimal kurz: SOS.

Heute wird gerne angenommen, es handle sich dabei um ein Akronym, bei dem jeder Buchstabe für ein Wort steht, etwa »Safe Our Souls« oder »Safe Our Ship«. Das ist allerdings falsch und diente lediglich als Gedächtnisstütze.

Zwei Jahre später, also 1906, wurde SOS dann auf der internationalen Funktelegrafiekonferenz in Berlin als einheitliches Notrufzeichen beschlossen. Die WRC (World Radiocommunication Conferences) gibt es heute noch und wird laut eigener Webseite 2027 in Shanghai, China, stattfinden.

Der erste Notruf – und der letzte

1908 trat SOS dann in Kraft; zum Einsatz kam es erstmals 1909. Das britische Passagierschiff Slavonia havarierte vor den Azoren, da die Passagiere die Insel aus der Nähe betrachten wollten. Andere Schiffe eilten herbei und alle Menschen an Bord wurden gerettet, via BR.

Auch auf der Titanic spielte SOS eine Rolle – und zwar nicht nur die, die ihr annehmt.

  • Der Dampfer hat ein Notrufsignal ausgesendet, nachdem er mit dem Eisberg kollidiert war. Allerdings zunächst das ausgediente CQD.
  • Glaubt man dem Hörensagen, musste der Erste Funker der Titanic erst auf das neue Signal – also SOS – hinweisen.

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Nach etwas mehr als 100 Jahren wurde das Signal dann schließlich in der Seefahrt eingestellt, so PBS. Der Grund dafür ist ganz simpel: das satellitengestützte Seenot-Funksystem GMDSS ging 1999 an den Start. Damit hatte Morse – zumindest in der Schifffahrt – ausgedient.

Heute kennen trotzdem noch viele das deutsche Dididi-dahdahdah-dididit – und wer weiß, wofür ihr es mal gebrauchen könnt.


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