Ein Laptop-Nutzer öffnet seinen Rechner und stellt fest, dass sich scheinbar kein Arbeitsspeicher darin befindet. Es gibt zwar einen Slot für ein entsprechendes Speichermodul, doch der ist leer. Da der Rechner aber einwandfrei funktioniert, wendet sich der Anwender Hilfe suchend an die Community und fragt wo sich denn nun der RAM befindet?
Notebooks wie das Gerät, um das es hier geht, gibt es durchaus häufiger. Die Hersteller verlöten einen Teil des Arbeitsspeichers direkt auf der Hauptplatine und stellen einen Slot zur Verfügung, der genutzt werden kann, wenn der Rechner aufgerüstet werden soll. Die Speicherchips dürften sich in diesem Fall auf der Rückseite des Mainboards befinden.
Warum machen die Hersteller das?
Grundsätzlich erleben wir bereits seit einiger Zeit den Trend, dass immer häufiger Komponenten wie der Arbeitsspeicher verlötet werden. Was im ersten Moment nach einer unnötigen Gängelung der Konsumenten aussieht, hat aber durchaus auch handfeste Vorteile:
Platzersparnis und Design: Dies ist der Hauptgrund, warum Laptops immer dünner werden können. Ein SO-DIMM-Steckplatz inklusive Halteklammern ist mehrere Millimeter hoch. Ein verlöteter Chip liegt flach auf dem Mainboard.
| DDR5 | LPDDR5X | |
|---|---|---|
| Datenrate | 4800 MT/s bis 8800 MT/s | 6400 MT/s bis 9600MT/s |
| Bandbreite | Bis zu 70,4 GB/s pro Modul | Bis zu 68,26 GB/s+ pro Gehäuse |
| Spannung | 1,1 V bis 1,4 V | 0,5 V bis 0,6 V |
| Kapazität | Bis zu 128 GB pro Modul | Typischerweise 16 GB oder 32 GB pro Paket |
| Verpackungsart | DIMM | PoP, BGA |
| Anwendungen | Desktops, Server, Hochleistungsrechner | Mobile Geräte, ultraleichte Laptops |
Höhere Geschwindigkeiten: Verlöteter Speicher nutzt oft den LPDDR-Standard (Low Power Double Data Rate). Dieser ist darauf ausgelegt, direkt und mit extrem kurzen Signalwegen an den Prozessor angebunden zu sein. Neben einer geringeren Latenz sind mit verlötetem RAM auch höhere Taktraten möglich.
Steckverbindungen erzeugen elektrische Störsignale (Signalrauschen). Durch das direkte Verlöten fallen diese Kontaktstellen weg, was stabilere Taktraten von 9600 MT/s und mehr ermöglicht, die mit herkömmlichen Steckmodulen schwer zu erreichen sind.
Geringerer Stromverbrauch: Wie der Name "Low Power" schon sagt, ist verlöteter LPDDR-RAM wesentlich effizienter und arbeitet mit niedrigeren Spannungen als Standard-DDR-Module.
Robustheit: In mobilen Geräten, die oft bewegt werden oder Erschütterungen ausgesetzt sind, ist eine feste Verbindung von Vorteil.
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Dagegen besteht allerdings ein gravierender Nachteil: Verlötete Chips können natürlich nicht vom Anwender getauscht werden. Bei einem solchen Gerät müsst ihr euch daher schon vor dem Kauf überlegen, wie viel RAM ihr braucht. Bei den Laptops von Apple ist das schon lange üblich.
Sind hybride Konfigurationen die Lösung?
Theoretisch könnte nun eine Konfiguration, bei der ein Teil des RAMs verlötet ist und einem einzelnen SO-DIMM-Slot ein guter Kompromiss sein. Das ist es aber nicht, da sämtliche Vorteile von LPDDR5X nicht mehr nutzbar wären und dazu bleibt trotzdem noch ein Slot auf dem Mainboard, der nach Platz verlangt.
Müsst ihr euch also zwangsläufig zwischen verlötetem LPDDR5X oder klassischen SO-DIMM-Modulen mit DDR5 entscheiden? Nicht unbedingt, die Lösung nennt sich LPCAMM beziehungsweise LPCAMM2, dazu gibt es auch bereits einen ausführlichen Artikel.
Dieser Standard verbindet Modularität mit den Vorteilen von LPDDR5X, ist aber noch in nicht wirklich vielen Laptops angekommen. Hybride Lösungen, bei denen verlöteter RAM mit einem SO-DIMM-Slot kombiniert werden, haben wohl nur in günstigen Notebooks noch eine Zukunft, wirkliche Vorteile bietet eine solche Konfiguration nicht.
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