»Wie konnte man das so veröffentlichen?«: Harsche Kritik stellt den Sinn des wohl größten Rollenspiel-Remasters überhaupt infrage, obwohl Fans das neue Oblivion feiern

Digital Foundry übt scharfe Kritik an der Technik der PC-Version von Oblivion Remastered. An der Freude vieler Fans ändert das aber nichts.

Unser Tech-Autor Nils wirft einen genaueren Blick auf eine scheinbar große Diskrepanz bei Oblivion Remastered. Unser Tech-Autor Nils wirft einen genaueren Blick auf eine scheinbar große Diskrepanz bei Oblivion Remastered.

The Elder Scrolls 4: Oblivion Remastered gehört derzeit zu den am meisten gespielten Titeln auf Steam.

Auf der einen Seite stehen überwiegend gute Bewertungen für das Spiel: 82 Prozent positive Reviews bei Steam, eine Punktzahl von 85 bei Metacritic und eine Wertung von 83 in unserem GameStar-Test.

Auf der anderen Seite äußert sich ein Technik-Experte ausgesprochen kritisch zum Remaster. Genauer gesagt geht es um Alex Battaglia und ein aktuelles Video von Digital Foundry:

  • Es ist vielleicht eines der am schlechtesten laufenden Spiele, die ich je bei Digital Foundry getestet habe.
  • Das Spiel sieht so aus, als ob es ständig stoppt und startet, während man sich bewegt. Ich finde das ehrlich gesagt eine katastrophale Performance.
  • Wenn man in der neuen Version von Cyrodiil unterwegs ist, sieht man große Frame-Time-Spitzen selbst auf High-End-CPUs, und diese Spitzen verschlechtern das gesamte Erlebnis so weit, dass ich den Sinn dieses Remasters infrage stelle.
  • Ich bin ziemlich fassungslos, wie das Spiel […] läuft, und frage mich, wie es mit solch enormen Frame-Time-Spikes überhaupt veröffentlicht werden konnte – zumal es selbst auf niedrigsten Einstellungen so aussieht.

Dieser Kontrast zwischen Nutzer-Reviews und Expertenmeinung scheint groß, lässt sich aber erklären. Wie genau, das schildere ich euch jetzt.

Wer ist Digital Foundry? Digital Foundry wurde vor etwa 21 Jahren von Richard Leadbetter gegründet (der bereits für GameStar in beratender Funktion tätig war). Der Fokus liegt auf technischen Analysen von Spielen, die seit 2007 auf der Webseite Eurogamer erscheinen.

Der passende YouTube-Kanal existiert seit 2008. Das Team besteht heute aus mehreren Experten mit Fokus auf verschiedenen Hardware-Plattformen.

Digital Foundry ist in der Szene vor allem durch tiefgehende und technisch versierte Analysen bekannt.

Video starten 15:29 Oblivion Remastered - 19 Jahre später und es kickt wieder voll rein!

Die Perspektive des Technik-Experten

Während Spieler einen Titel normalerweise nur genießen wollen und bei ausreichend flüssiger Performance nicht darauf achten, wie viel FPS genau erreicht werden und wie stabil diese sind, sieht Alex Battaglias Aufgabe anders aus.

Er analysiert die Performance im Detail und betont in einem Video zu Oblivion Remastered in Bezug auf seine Person I‘m very anti-hitches, as we all know. Sprich: Er reagiert sehr empfindlich auf Frame-Time-Spitzen – also kurze Ruckler im Spiel.

Dass diese im Remaster von Oblivion auftreten, erwähnen wir auch in unserem verlinkten Test.

Überraschend kommt das indes nicht, schließlich treffen hier mit der Creation Engine von Bethesda und der Unreal Engine 5 zwei Technik-Grundgerüste aufeinander, die schon für sich betrachtet nicht gerade als Garanten für völlig reibungslose Spielerlebnisse bekannt sind.

Wie störend man das empfindet, ist jedoch subjektiv – und genau das ist hier der entscheidende Punkt.

Die Sicht der Mehrheit der Spieler

Video starten 18:46 Oblivion Remaster im Vergleich zum Original: So sehr hat sich das Spiel gewandelt

Schaut man sich die Rezensionen zu Oblivion Remastered an, sind sie voll von nostalgischer Freude über die modernisierte Reise zurück nach Tamriel.

Denn bei aller Kritik an der Performance der Unreal Engine 5 steht außer Frage, dass Bethesda das Spiel mit ihrer Hilfe optisch mächtig aufpoliert hat (wie auch im Video oben zu sehen). Das deckt sich übrigens mit Aussagen von Digital Foundry zu der Grafik des Remasters.

Hinzu kommen willkommene spielerische Verbesserungen wie etwa die Anpassungen am Level-System und die Möglichkeit, zu sprinten (auch wenn die Animation dabei wenig überzeugend aussieht).

Es gibt in den Rezensionen zwar immer wieder Kritik an der Performance (und an der von Haus aus fehlenden deutschen Sprachausgabe sowie anderen Aspekten). Die überwiegende Mehrheit freut sich aber über das Spiel, was sich auch in den größtenteils positiven Bewertungen widerspiegelt.

Zahlen von uns und von euch

Zu den obigen Eindrücken passen Umfragewerte, die ich gesammelt habe. Ich habe dabei sowohl das Webedia-Team als auch euch gefragt, wie die persönlichen Eindrücke von der Performance des Spiels ausfallen.

  • Im Team kam heraus, dass etwa zwei Drittel die Performance zwar verbesserungswürdig finden, sich aber nicht sonderlich daran stören oder gar keine Probleme damit haben. Ein Drittel sieht dagegen dringenden Handlungsbedarf.
  • Unsere Umfrage unter euch kommt auf sehr ähnliche Ergebnisse: Etwa 60 Prozent der Teilnehmer sehen entweder kein größeres Problem in der Performance oder sind vollkommen zufrieden damit. Die restlichen 40 Prozent sagen, dass das Spiel überhaupt nicht gut läuft:

Nur auf den ersten Blick ein krasser Widerspruch

Letztlich passt es damit aus meiner Sicht zusammen, dass viele offenbar jede Menge Spaß am Remaster von Oblivion haben, während sich Alex als Technik-Experte von Digital Foundry wundert, wie das Spiel in seinem aktuellen Zustand überhaupt veröffentlicht werden konnte.

Was ist mit einem Patch gegen die Probleme? Ich habe Bethesda kontaktiert und gefragt, ob sie sich der Probleme bewusst sind und falls ja, ob bereits an einer Lösung via Patch gearbeitet wird und in welchem ungefähren Zeitfenster mit Besserung zu rechnen ist. Sollte ich eine ausreichend konkrete Antwort darauf bekommen, erfahrt ihr es auf GameStar.de.

Aus technischer Sicht stellt Battaglia in meinen Augen eine absolut berechtigte Frage. Gleichzeitig befürchte ich, dass die Antwort folgendermaßen lautet: Viel besser geht es bei der Kombination dieser Engines nicht.

Vielleicht war diese Kombination trotzdem die naheliegendste Lösung für Bethesda. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass das Spiel bereits in der Originalversion von 2006 ohne Unreal-Engine-Ergänzung so seine Schwierigkeiten mit Frame-Spikes hatte.

Aus spielerischer Sicht gilt dagegen offenbar meist: Die technischen Unzulänglichkeiten verhindern nicht, dass man nostalgisch und optisch aufpoliert eine Welt (wieder) entdecken kann, die damals wie heute so sehr zum Erkunden einlädt, wie es nur wenigen Spielwelten davor und danach je gelungen ist.

Lasst mich gerne in den Kommentaren wissen, wie schwerwiegend ihr die Performance-Probleme des Remasters von Oblivion findet, falls ihr es bereits gespielt habt.

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