Open-Earbuds gehören heute zu meinen liebsten Tech-Gadgets. Dabei handelt es sich quasi um In-Ear-Kopfhörer, die im Gegensatz zu konventionellen Modellen den Gehörgang freilassen und Schall von außen zulassen, statt ihn zu blockieren.
Das klingt für ANC-Fans (aktive Geräuschunterdrückung) nach einem gewaltigen Nachteil – weshalb sie auch absolut nicht die Zielgruppe für diese Art von Kopfhörer sind –, doch die offene Bauweise hat wichtige Argumente, die für sie sprechen.
Nicht nur erlauben sie mir, in der Öffentlichkeit aufmerksam zu bleiben, sie gehören zu den komfortabelsten Kopfhörern überhaupt. Jetzt habe ich den neuen Shokz OpenFit Air 2 ausprobiert, der mich in dieser Hinsicht voll überzeugt hat.
»Wo sind meine Kopfhörer? Achso … ich trage sie gerade«
Das ist mir wirklich passiert.
Der neue Open-Ear-Kopfhörer von Shokz macht seinem Air-Namen jede Ehre. Drei Features machen ihn zu einem Modell, bei dem ich öfter vergaß, dass ich sie überhaupt anhabe (wenn keine Musik läuft).
Freier Gehörgang: Wie andere Open-Ear-Kopfhörer blockiert der OpenFit Air 2 nicht den Gehörgang, was für viele Menschen auf Dauer unangenehm ist – mich eingeschlossen. Dadurch bleiben die Ohren kühl, belüftet und Hautreizungen durch Ohrstöpsel bleiben aus.
Viele Modelle setzen auf ein Design mit Treibern, die mit größerem Abstand zum Gehörkanal auf das Ohr gelegt werden. Das macht sie zwar ebenfalls sehr komfortabel, aber auf Kosten der Klangqualität, vor allem bei der Basswiedergabe. So war das auch beim Vorgänger von diesem Modell.
Beim Nachfolger sitzen die Treiber tiefer im Ohr (ohne den Gehörgang zu versiegeln), weshalb der Ton deutlich satter und detaillierter klingt. Damit der Tragekomfort nicht darunter leidet, musste das Design überarbeitet werden.
Der Treiber ist beim neuen Modell (l.) in Richtung des Gehörgangs geneigt und sorgt so für einen satteren Klang als beim Vorgänger (r.). (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Ergonomisches Design: Die Ohrbügel bestehen aus einer flexiblen Nickel-Titan-Legierung und sind mit weichem Silikon ummantelt. Ich trage den Kopfhörer mit meiner Brille und die Ohrbügel gehören zu den bequemsten, die ich bisher getestet habe.
Der Hauptteil des Kopfhörers besteht aus Kunststoff. Dennoch fühlen sich die Hörer in und am Ohr angenehm an, da es keine Ecken und Kanten gibt.
Dazu gibt es einen weiteren Pluspunkt beim Bedienkomfort: Shokz ist von der Touch-Gesten-Steuerung des Vorgängers auf eine druckempfindliche Taste an der Oberseite der Hörer gewechselt.
Das heißt, ihr müsst die Kopfhörer nicht mehr in euer Ohr hineindrücken, wenn ihr unter anderem die Lautstärke ändern wollt. Stattdessen werden die Hörer mit zwei Fingern zusammengepresst, was deutlich komfortabler ist und zuverlässiger funktioniert.
Geringes Gewicht: Beide Hörer sind mit einem Gewicht von 7,2 Gramm sehr leicht. Das ist zwar kein Rekord – die AirPods 4 wiegen zum Beispiel nur 4,3 Gramm pro Hörer –, aber gekoppelt mit der offenen Bauweise und dem Design macht es sie zu meinem neuen Gewinner beim Tragekomfort.
Ich habe sie gern in WhatsApp- und Discord-Anrufen verwendet, für die ich ungern zu richtigen Headsets greife, da meine Ohren warm werden und meine Brille gegen die Polster drückt – vor allem bei stundenlangen Gesprächen.
Unterm Strich: Das ist der bequemste Kopfhörer, den ich je getestet habe – inklusive aller anderen offenen Modelle. Man spürt ihn kaum an den Ohren und wenn keine Musik läuft, vergisst man schnell, dass er dort ist.
Für mich hat der Komfort einen hohen Stellenwert, allerdings ist das nicht bei jedem so und kein Produkt ist perfekt. Bei anderen Features kann sich der OpenFit Air 2 nämlich nicht an die Spitze setzen.
Komfort ist (für viele) nicht alles
Nichts für höchste Sound-Ansprüche: Wer sich für offene Earbuds wie diesen entscheidet, legt einen hohen Wert auf Komfort und die Möglichkeit, die Welt trotz aktiver Musik hören zu können. Die Soundqualität dieser Kopfhörer steht jetzt nicht auf dem Abstellgleis, allerdings werden sie, der Bauweise geschuldet, immer ein Kompromiss gegenüber geschlossenen Kopfhörern sein.
Der Klang des Shokz OpenFit Air 2 hat mich trotzdem überrascht. Dank des neuen Designs mit den näher am Gehörgang liegenden Treibern klingen Stimmen und Instrumente schön klar und selbst der Bass hat etwas mehr Punch, als ich es von anderen offenen Modellen gewohnt bin.
Es fehlt jedoch die Möglichkeit, einen benutzerdefinierten Equalizer einzustellen. Stattdessen gibt es vier Voreinstellungen: Standard, Vocal, Bass und Privatmodus:
- Standard klingt am ausgewogensten und ist meine Empfehlung für Musik jeglicher Genres.
- Vocal hebt Stimmen besser hervor, was sich gut für YouTube-Videos eignet, aber für Musik klingt das Preset zu dünn.
- Bass lässt die Tiefen weiter in den Vordergrund rücken, allerdings klingt der Ton etwas dumpf und so kraftvoll wie bei In-Ears wird er ohnehin nicht.
- Der Privatmodus soll Sound-Bleeding, also das Austreten von Schall, verringern, sodass Menschen, die in eurer Nähe sitzen, nicht mithören können. Tatsächlich werden mit dieser Voreinstellung die Höhen so stark reduziert, dass ich ihn nur sehr ungern verwendet habe. Der Ton dringt auch ohne Privatmodus so gut wie gar nicht nach außen.
Es fehlt außerdem Unterstützung für LDAC oder andere Bluetooth-Codecs für hochauflösende Musik.
Wer also hohe Ansprüche an den Sound hat, ihn gern mit eigenen EQs anpasst, jedes kleinste Detail hören möchte oder auf besonders druckvollen Bass steht, sollte einen Bogen um Open-Ear-Buds wie diese machen. Hier bieten sich lieber zuisolierende In-Ears oder Over-Ears an, die High-Res-Codecs unterstützen oder per Kabel betrieben werden.
Kein ANC: Inzwischen gibt es offene Earbuds, die dieses Feature unterstützen, wie etwa der von mir kürzlich getestete Soundcore Aerofit 2 Pro. Es ist zwar toll, dass eine aktive Geräuschunterdrückung bei offenen Kopfhörern überhaupt möglich ist, allerdings wird die Effektivität von diesen lange nicht an die von geschlossenen Kopfhörern heranreichen. Die Shokz Aerofit 2 Pro verzichten ganz auf das Feature.
IP55: Schweiß und Regen sind für die OpenFit Air 2 kein Problem, allerdings eignen sie sich nicht fürs Schwimmen. Da solltet ihr zu Modellen greifen, die mindestens IPX7, besser IPX8 bieten.
Fazit: Für Komfort-Suchende das Richtige
Wer audiophilen Spitzenklang, tiefsten Bass oder maximale Geräuschisolierung sucht, wird mit Open-Earbuds auch weiterhin nicht glücklich. Sucht ihr aber einen Kopfhörer, den ihr selbst nach Stunden (und trotz Brille) am Ohr völlig vergesst, macht der Shokz OpenFit Air 2 fast alles richtig.
Der Hersteller hat genau an den richtigen Stellschrauben gedreht: Der Sound klingt durch das neue Treiber-Design spürbar satter, die physische Drucktaste ist ein echter Gewinn gegenüber der fummeligen Touch-Steuerung des Vorgängers und die Ergonomie bleibt herausragend.
Dieser Kopfhörer ist ein extrem bequemer Allrounder für alle, die im Alltag, bei Anrufen oder unterwegs flexibel und aufmerksam bleiben wollen.

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