»Apple liegt daneben«: OpenAI kontert im Rechtsstreit mit E-Mails und Chatprotokollen

OpenAI veröffentlicht E-Mails und Chatverläufe und wirft Apple im Streit um Geschäftsgeheimnisse Fehler in der eigenen Darstellung vor. Apple beantragt derweil eine einstweilige Verfügung.

Apple und OpenAI streiten vor einem US-Bundesgericht in Kalifornien über Geschäftsgeheimnisse aus der Hardware-Entwicklung. (Bildquelle: Sasun Bughdaryan via Unsplash) Apple und OpenAI streiten vor einem US-Bundesgericht in Kalifornien über Geschäftsgeheimnisse aus der Hardware-Entwicklung. (Bildquelle: Sasun Bughdaryan via Unsplash)

Seit der Übernahme von Jony Ives Hardware-Firma io arbeitet OpenAI an eigenen Geräten – und beschäftigt reichlich Personal aus Cupertino. Laut Apples Klageschrift sind inzwischen über 400 ehemalige Apple-Mitarbeiter beim ChatGPT-Entwickler tätig.

Aus dieser Personalwanderung wurde am 10. Juli 2026 ein Gerichtsverfahren. Apple reichte vor einem Bundesgericht in Nordkalifornien Klage gegen OpenAI, die Tochter io Products und zwei frühere Mitarbeiter ein – der Vorwurf lautet Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen (via TechCrunch).

Gut drei Wochen später hat OpenAI geantwortet – und das ungewohnt offen und deutlich. In einem Beitrag auf der eigenen Webseite vom 3. August 2026 legt das Unternehmen E-Mail-Verkehr und iMessage-Protokolle offen und hält Apple vor, den eigenen Vorwürfen die Grundlage entzogen zu haben.

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»Achtlos, aggressiv und seltsam persönlich«

Diese Worte wählt OpenAI gleich im Einstieg, um die Apple-Klage zu beschreiben. Das Lob davor macht die Spitze nur schärfer: Apple habe sich den Ruf erarbeitet, noch am kleinsten Detail zu feilen, und werde dem hier nicht gerecht.

Apple hatte im Zuge der Klageschrift ursprünglich erklärt, man habe sich im Februar an OpenAI gewandt und nie eine Antwort bekommen. Diese Darstellung greift OpenAI mit zwei Korrekturen an, die Apple inzwischen einräume:

  • Ein Gespräch mit OpenAIs Chefjustiziar Che Chang, auf das sich Apple berufen habe, habe nie stattgefunden.
  • Apples externe Kanzlei habe eine E-Mail an die falsche Person geschickt, weil sie zwei asiatische Nachnamen verwechselte – aufgefallen sei das erst auf Hinweis von OpenAI.

In den veröffentlichten Mails schreibt Chang an Apples Hausjuristen, er kenne den Absender nicht und habe nie mit ihm telefoniert; der Anwalt räumte den Irrtum tags darauf ein.

Danach vergingen nach Darstellung von OpenAI fünf Monate ohne weitere Nachfrage – bis zur Klage.

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Chang Liu und die iMessages

Zudem liefert OpenAI geschwärzte Chatverläufe: Darin bitten Apple-Beschäftigte ihren früheren Kollegen Chang Liu – bis Januar 2026 Senior System Electrical Engineer – um Hilfe bei der Suche nach Dateien. Apple wirft Liu umgekehrt vor, nach dem Abgang auf vertrauliche Unterlagen zugegriffen zu haben.

  • Bleibe noch Apples Argument des »residual access« – also des Zugangs, der den Leuten, die das Unternehmen verlassen haben, versehentlich erhalten bleibt.
  • Genau da liege der Hund begraben, kontert OpenAI: Apple verwalte Systemzugänge beim Austritt selbst nicht sauber; der ChatGPT-Entwickler könne dafür nicht belangt werden.

Zu Tang Tan, heute Chief Hardware Officer und über 24 Jahre bei Apple, heißt es im Beitrag nur, er habe fremde Firmengeheimnisse im Team stets ausgeschlossen.


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Einstweilige Verfügung ist in Arbeit

Apple hat parallel eine einstweilige Verfügung beantragt. Nach eigener Darstellung scheiterte eine Einigung zuvor an zwei Punkten, nämlich forensischen Untersuchungen von Geräten und Cloud-Speichern sowie einer Durchsuchung der OpenAI-Systeme (via 9to5Mac).

OpenAI bezeichnet diesen Antrag hingegen ganz salopp als »unnötig« und auf falschen Angaben aufgebaut: Man habe keine Geschäftsgeheimnisse von Apple und wolle auch keine haben. Angesetzt ist die zugehörige Anhörung übrigens auf den 1. Oktober 2026.

Bis dahin steht Aussage gegen Aussage – nur hat eine Seite ihre Belege schon öffentlich gemacht. Ob Apple nachzieht, bleibt offen.


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