Statt Pokémon sammle ich jetzt Pflanzen und verwandle meine Spaziergänge in eine lustige Schatzsuche

Ich habe genug Pokémon gefangen, jetzt sind Pflanzen dran. Das macht nicht nur Spaß, sondern unterstützt auch die Wissenschaft.

Mit der Flora-Incognita-App geht es für mich jetzt auf die Pflanzen-Jagd. (Bildquelle: GameStar Tech) Mit der Flora-Incognita-App geht es für mich jetzt auf die Pflanzen-Jagd. (Bildquelle: GameStar Tech)

Die Sommerferien haben langsam in allen Bundesländern begonnen und auch wenn ich schon lange aus der Schule bin, hat die Zeit immer etwas von Urlaub. Trotz Arbeit versuche ich, mir ein paar kleine Ausflüge und spaßige Aktivitäten für den Zeitvertreib zu überlegen – Hauptsache draußen und irgendwas Sommerliches.

Gelegentlich denke ich dann an den Sommer 2016, in dem der Pokémon-GO-Hype aufkam und mich – auch wenn nur für eine kurze Zeit – ebenfalls zum Sammeln gezogen hat. Damals war ich anfangs noch genervt, beim Spazierengehen auf überlaufene Parkanlagen zu stoßen, doch mittlerweile ist es eine schöne und vor allem beeindruckende Erinnerung.

Als ich vor Kurzem die Flora-Incognita-App entdeckt habe, die von der Technischen Universität Ilmenau zusammen mit dem Max-Planck-Institut herausgegeben wird und eine Art Pokémon GO für 30.000 heimische Pflanzen bietet, war ich sofort begeistert und musste die Anwendung gleich ausprobieren.

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Genug Pokémon gefangen: Jetzt sind die Pflanzen dran

Bevor ich zu der Funktionsweise der App komme, erst mal ein paar coole Fakten, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

  • Sammelfieber: Die App bietet über 30.000 Pflanzenarten zum Scannen. Zudem bietet jeder Pflanzenfund die Möglichkeit, die Beobachtung zu speichern und einen hilfreichen Beitrag zur Wissenschaft zu leisten – etwa über die Verbreitung von Pflanzen.
  • Umfangreiche Steckbriefe: Zu jeder Pflanze gibt es interessante Fakten mit unter anderem Merkmalen, Verbreitung und dem Schutzstatus.
  • Kosten- und werbefrei: Da es sich bei der App um ein Forschungsprojekt der TU Ilmenau und des Max-Planck-Instituts handelt, ist die Anwendung vollkommen kosten- und werbefrei und mit ihrem Offline-Modus auch für Schulen und Bildungseinrichtungen geeignet. Sie ist damit auch maximal datensicher und funktioniert ohne Anmeldung.

Einmal installiert, bekommt ihr eine kurze Bilderstrecke als Anleitung, wie ihr die Anwendung richtig benutzt. Um eine Pflanze zu »sammeln«, müsst ihr diese aus möglichst kurzer Distanz fotografieren. Anschließend scannt eine KI euer Bild und verrät euch, welche Pflanze ihr da aufgenommen habt.

Um die Pflanzen besser erkennen zu können, solltet ihr drei Tipps dringend beachten. (Bildquelle: GameStar Tech) Um die Pflanzen besser erkennen zu können, solltet ihr drei Tipps dringend beachten. (Bildquelle: GameStar Tech)

Um die bestmöglichen Ergebnisse zu bekommen, ist es dabei hilfreich, auf eine gleichmäßige Beleuchtung zu achten und harte Schatten zu vermeiden. Oft hilft es dabei, wenn ihr die Gräser, Blumen oder Sträucher aus einem anderen Winkel fotografiert.

Zudem wird in der App die goldene Regel erwähnt, die es immer zu beachten gilt, wenn man in der Natur unterwegs ist: Nichts mit Absicht abrupfen oder bewusst zerstören. Die Natur ist unser Freund und soll erhalten bleiben!

Los geht's mit dem Pflanzensammeln

Ich habe mich gleich in den Garten und auf einen Spaziergang durch den Wald begeben. Dabei habe ich alle möglichen Pflanzen und Sträucher fotografiert und immer ein präzises Ergebnis erhalten.

Sollten die Blüten bei einer Pflanze nicht gut zu erkennen sein, fordert mich die App auf, noch zusätzliche Bilder für den Kontext zu machen. So habe ich bei einem vertrockneten roten Klee etwa noch die Blätter und anschließend auch die gesamte Pflanze aufnehmen müssen, bevor das Ergebnis kam.

Aber Achtung: Pflanzen können stark unterschiedlich aussehen und auch für Experten nur schwer zu unterscheiden sein – erst recht für eine KI. Ihr solltet deshalb niemals vollständig auf die App vertrauen, besonders wenn es um leicht zu verwechselnde oder potenziell giftige Pflanzen geht.

In eurem Konto könnt ihr alle von euch gesammelten Blumen sehen. (Bildquelle: GameStar Tech) In eurem Konto könnt ihr alle von euch gesammelten Blumen sehen. (Bildquelle: GameStar Tech)

Neben Blumen erkennt die App auch Gräser, Kräuter, Bäume, Kakteen und Farne. Solltet ihr nicht genau wissen, was ihr da vor euch habt, reicht meistens auch die Einstellung »Kraut«, die als eine Art Sammelbegriff dient.

Das habe ich während meines ersten Sammeltests ausprobiert, bei dem ich nur die Kräuterfunktion für Erdbeeren, Klee, Rosen und Büsche verwendet habe. Alle gefundenen Blumen werden mir mit meinen Bildern in der App gespeichert, sodass ich sie mir später noch einmal ansehen kann.

Solltet ihr also ein besonders schönes Bild von einer Pflanze gemacht haben, müsst ihr euch keine Sorgen machen, dass es in den Weiten eures Smartphones verschwindet.

Passend zum Sammelreiz gibt es in der App auch Abzeichen für bestimmte Pflanzen oder neue Sammelziele. Ich habe etwa relativ schnell die Auszeichnung bekommen, zehn Pflanzenarten unterschiedlicher Familien zu sammeln – das ist echt cool.

So lehrreich ist die KI-Bestimmung der Funde

Habe ich eine Pflanze aufgenommen, kriege ich die wichtigsten Infos zu dieser angezeigt. Etwa, ob diese giftig ist, wo sie verbreitet ist oder ob ich einen seltenen Fund gemacht habe.

Nun weiß ich beispielsweise, dass die schöne Pflanze am Waldrand ein »Scheinquirl-Mädchenauge« ist. Diese wurde bereits in der Medizin verwendet, ist eine ungiftige Blume, dient aber eher als bodendeckende Zierpflanze.

Zu allen Pflanzen in der App gibt es umfangreiche Beschreibungen – etwa zum Scheinquirl-Mädchenauge oder der Rispen-Hortenise (Bildquelle: GameStar Tech) Zu allen Pflanzen in der App gibt es umfangreiche Beschreibungen – etwa zum Scheinquirl-Mädchenauge oder der Rispen-Hortenise (Bildquelle: GameStar Tech)

Sollte ich mich für zusätzliche Informationen zu einer Pflanze interessieren, kriege ich in vielen weiteren Kategorien etwas zur Verbreitung, zum Beobachten des Auftretens, zur Anbauweise oder ihren Eigenschaften.

Auf einer interaktiven Karte kann ich mir die Fundorte der verschiedenen Pflanzen anzeigen lassen. Das ist nicht nur ganz nützlich, wenn ich mich frage, wo ich ein Bild aufgenommen habe, sondern kann auch für die Umweltforschung hilfreich sein.

Pflanzen sammeln und der Forschung helfen

In der Flora-Incognita-App habt ihr im Menü nämlich die Möglichkeit auszuwählen, ob ihr mit eurer Sammelarbeit gleichzeitig etwas zur Wissenschaft beitragen wollt. Sollte euch ein »Citizen-Science«-Projekt ansprechen, werden eure Daten an die von euch ausgewählten Forschungsprojekte weitergegeben.

Eure gesammelten Pflanzen können einen Beitrag in der Umweltforschung leisten. (Bildquelle: GameStar Tech) Eure gesammelten Pflanzen können einen Beitrag in der Umweltforschung leisten. (Bildquelle: GameStar Tech)

Diese verwenden dann beispielsweise die Orte, an denen ihr die Pflanzen gefunden habt, um den Erhalt und die Verbreitung bestimmter Arten zu überwachen. Dadurch können etwa Klimaveränderungen festgestellt werden, wenn verbreitete Blumen aussterben oder für die Region untypische Pflanzen auf einmal wachsen.



Euch bleibt während der Nutzung der App vollkommen überlassen, ob ihr eure Daten für wissenschaftliche Zwecke freigeben wollt oder eben nicht. Auf der Startseite der App findet ihr etwa Projekte wie PollenNet, Krautschau, GartenDiv oder Alpine Hue Quest.

So reichen die Vorhaben von Forschungen zur Verbreitung von Pflanzen auf Friedhöfen über die Dokumentation der Pflanzenwelt bis hin zur gezielten Erfassung besonders alter, großer und schützenswerter Bäume in eurer Region.

Gestern Pokémon, heute auf Schatzsuche für die Wissenschaft

Auch wenn ich die App bisher nur wenige Stunden testen konnte, bin ich schon vom Sammel-Prinzip gecatcht und werde nach der Arbeit gleich nach draußen gehen, um weitere Bilder zu machen – genau wie bei Pokémon Go damals.

Ich finde den Vergleich deshalb auch so passend, selbst wenn ihr bei der App natürlich keine Taschenmonster fangt und auch auf Arena-Kämpfe und einen großen Teil der Action verzichten müsst. Am Ende bleibt aber die Faszination, möglichst viele Pflanzen zu entdecken, und man lernt immer etwas dazu.

Wenn ich allein daran zurückdenke, wie oft ich schon unterwegs war und mich gefragt habe, was für eine Blume ich da gerade eigentlich ansehe, lohnt sich die App in Zukunft gleich doppelt. Zudem weiß ich, dass ich mit Flora-Incognita nicht nur einen spaßigen Zeitvertreib für ab und zu habe, sondern auch etwas zur Forschung beitrage.

Jetzt fehlt nur noch die passende Fauna-Incognita-App, um endlich mal herauszufinden, welche Vögel mich täglich vor meinem Fenster besuchen und was es mit dem ein oder anderen Insekt auf sich hat, das ich definitiv noch nie zuvor gesehen habe.


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