Ein Elch grast inmitten eines grünen Paradieses – vor noch 50 Jahren hätte er einer Industriehölle gestanden, umgeben von Staubschwaden eines Kohletagebaus. Doch 2026 erobert sich die Tierwelt eine Landschaft zurück, aus der sie einst mit Waffengewalt vertrieben wurde.
Wir schauen auf ein Projekt, das zeigt, wie mit den richtigen Methoden eine Neubelebung von zerstört geglaubten Landschaften gelingen kann – willkommen in der Elk Zone
in Ost-Kentucky, USA.
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Herrscher, Gejagte, Heimkehrer
Seit mindestens 50.000 Jahren lebten Elche in den USA, wahrscheinlich um die zehn Millionen Tiere. Einst wanderten sie über die Beringia-Landbrücke vom heutigen Russland hinüber. Doch dann kamen die europäischen Siedler.
Mit der rasch voranschreitenden Erschließung durch die Kolonien und später die Vereinigten Staaten schrumpfte der Elch-Lebensraum gravierend. Die Jagd auf Fell und Fleisch tat ihr Übriges. Anfang des 20. Jahrhunderts waren geschätzt nur noch 100.000 übrig. In Kentucky sowie dem Rest der östlichen USA rotteten Siedler sie sogar bereits 50 Jahre zuvor vollständig aus, also Mitte des 19. Jahrhunderts, zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs.
Doch genau hier startete im Dezember 1997 ihre Heimkehr nach Ostamerika: Sieben Elche bildeten den Ausgangspunkt für eine Herde, die auf Initiative des damaligen US‑Gouverneurs von Kentucky, Paul Patton, entstand. Was mit den wenigen begann, setzte die Rocky Mountain Elk Foundation (RMEF) in den folgenden fünf Jahren mit weiteren 1.500 aus sechs westlichen Bundesstaaten (Kansas, Utah, Oregon, North Dakota, Arizona und New Mexico) fort.
Alsbald sollte er auch im Osten wieder Schlagzeilen schreiben: Der Elch war als freies Wildtier zurück und vermehrte sich rasch. Inzwischen leben dort um die 13.000 Tiere – die größte Elchpopulation östlich der Rocky Mountains.
Von der Industriewüste zur Elchheimat
Eine zentrale Rolle hierbei nahm die Landschaft in Ost-Kentucky ein. Die neue, alte Heimat macht nämlich teilweise ein ehemaliger Kohletagebau aus. Nach dem wirtschaftlich bedingten Ende des Abbaus renaturierten die Betreiber das Gebiet. Hierzu zwang sie ein Bundesgesetz. Sie pflanzten deshalb Gräser sowie Bäume und schufen so eine Wildnis aus Menschenhand – eine ideale Ausgangssituation für Elche. Sie bevorzugen Mischlandschaften junger, lichter Wälder und ausgedehnter, niedrig bewachsener Gras- und Strauchebenen.
Für die Zählungen kommen verschiedene Techniken zum Einsatz, wie der Wildbiologe John Cox von der Universität von Kentucky in einem Artikel schildert: Dazu zählen Halsbandsender, die entweder per GPS- oder Radiosignal den Standort eines Tieres preisgeben, oder nächtliche Luftaufnahmen. Bei Letzteren setzen Forscher auf Wärmebildkameras, die die Elche aufgrund ihrer Hitzesignatur selbst in Wäldern deutlich hervorheben.
Allerdings sorgt die wachsende Population der im Durchschnitt 270 Kilogramm schweren Tiere (ausgewachsen) auch für neue Probleme. Sie verzehren enorme Mengen und überweiden so teils Flächen, schädigen Obstbäume oder fressen Aufforstungsflächen leer. Hinzu kommen Schäden an Golfplätzen sowie eine zusehends steigende Zahl von Verkehrsunfällen. Deshalb wurden sie mittlerweile auch wieder zur kontrollierten Jagd freigegeben – jährlich dürfen rund 1.000 Stück geschossen werden.
Gebiet mit Vorbildcharakter
Die »Elk-Zone« zeigt, wie sich ehemals von der Industrie verwüstete Gebiete – wenn auch für einen klaren, genehmigten Zweck – erneut für die Tierwelt erschließen lassen.
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Nichtsdestoweniger steht Ost-Kentucky für ein Comeback einer hier ausgestorbenen Art – und gibt uns eine zweite Chance: Können wir mit den Elchen dauerhaft gemeinsam in einer künstlichen, wiederbelebten Naturlandschaft leben? Bisher deutet alles darauf hin, obschon der ein oder andere Kompromiss nötig bleiben wird. Aber das scheint es nach allem, was wir sehen, wert zu sein – die Elche zumindest lieben ihre neue, alte Heimat.

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