Wie 500 Billionen Sonnen: Quasare zählen zu den hellsten Objekten des Universums – so detailliert wie jetzt haben wir einen von ihnen noch nie gesehen

Hubble kann es noch immer: Mithilfe des Veteranen unter den Weltraumteleskopen ist Forschern ein neuer Rekordblick auf ein extremes Phänomen des Universums gelungen.

Künstlerische Darstellungen eines Quasars deuten an, welch Pracht diese buchstäblichen Glutkerne von Galaxien sein müssen. (Bild: adobe.stock.com von Supernova) Künstlerische Darstellungen eines Quasars deuten an, welch Pracht diese buchstäblichen Glutkerne von Galaxien sein müssen. (Bild: adobe.stock.com von Supernova)

Als der Astronom Maarten Schmidt vor mehr als 60 Jahren seine Daten begutachtet, weiß er: Das ist etwas Neues. Die Leuchtkraft dieses punktförmigen Objektes übertrifft alles: Aus einem Gebiet so groß wie unser Sonnensystem und mehr als 2,5 Milliarden Lichtjahre entfernt bricht Licht hervor, das 500 Billionen-mal so hell, wie unsere Sonne strahlt.

Heute kennen wir ihn als Quasar 3C 273. Er ist der Begründer einer neuen Klasse von Objekt und selbst mit einem Amateur-Teleskop trotz der immensen Entfernung an unserem Nachthimmel auffindbar (via ESA, Hubblesite und Max-Planck-Gesellschaft).

Wissenschaftlern ist es gelungen, diesen Rekordhalter so genau wie noch nie zuvor zu fotografieren. Dabei konnten sie abbilden, was vertraute Relationen von Raum, Zeit, Masse und Geschwindigkeit auf die Probe stellt. Wir erklären euch, worum es sich genau bei 3C 273 handelt und wodurch die neuen Aufnahmen herausstechen.

Nicht ganz ein Quasar, aber die Effekte sind ähnlich, wie sie hier eine Animation anhand eines zerstörten Sternes als kreisende Masse um ein schwarzes Loch darstellt:

Video starten 1:11 Stern in Donut-Form - NASA findet schwarzes Loch, um das ein zerstörter Stern kreist

Auf Tuchfühlung mit Quasar 3C 273

Mithilfe des Space Telescope Imaging Spectrograph (STIS) von Hubble konnte das Team bis auf 16.000 Lichtjahre an das supermassive schwarze Loch heranzoomen. Das ist achtmal näher als zuvor. Die Leuchtkraft rührt von extrem heißer Materie her, die strudelförmig in die Singularität stürzt (via Hubblesite, NASA/ESA).

Quasare – Ruhestätte für zerrissene Sterne
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Quasar steht für die englische Bezeichnung quasi-stellar radio source. Übersetzten lässt sich das als Quasi-Stellare-Radio-Quelle. Die Wissenschaftler umschreiben damit ihren Fund anhand von dem, was sie auf ihren Instrumenten sehen: eine punktförmige Quelle von Radiostrahlung. Damit ähnelt sie Sternen, ist aber viel zu hell und zu schwer. Nach unseren Erkenntnissen handelt es sich dabei um supermassive schwarze Löcher in Zentren von Galaxien. Im Fall von 3C 273 reden wir über die 900-Milliardenfache Masse unserer Sonne. Das schwarze Loch am Mittelpunkt unserer Milchstraße hat etwa 3,7 Millionen Sonnenmassen.

Die enorme Helligkeit ruft bei Quasaren Materie hervor, die zum schwarzen Loch gezogen wird und sich dabei in der sogenannten Akkretionsscheibe sammelt. Um den Schlund kreisend fällt sie immer weiter in die Gravtionssenke hinein. Dabei wird sie erhitzt, da die eng zusammengedrückten Teilchen aneinander reiben. So entsteht ein gigantischer glühender Wulst im Zentrum der Galaxie. Solange die Anomalie quasi frisst, gilt sie als aktiv und verschlingt teils extreme Massen (via Hubblesite).

Ein Forscherteam zeigt an einem weit kleineren Quasar mit nur etwa 17 Milliarden Sonnenmassen in welchen Größenordnungen wir denken müssen: Jeden Tag gerät genug neue Masse in die Scheibe, das wir damit unsere Sonne formen könnten (via ESO). Unser schwarzes Loch in etwa 27.000 Lichtjahren ist aktuell inaktiv, es fällt keine oder kaum Materie hinein.

Quasare wie 3C 273, die über ein starkes Magnetfeld verfügen, sind Schöpfer eines weiteren Phänomens: Jets. Entlang der magnetischen Feldlinien entrinnt heiße Materie der Scheibe und wird in zwei senkrechte Jets aufgespalten. Diese schießen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit quasi nach oben und unten von dem blendend hellen Zentrum weg.

Aufgrund dieser bis dahin unerreichten Nähe, konnte das Team mehrere bisher unbekannte Strukturen ausmachen: Zum Beispiel sind fadenartige Elemente zu sehen, die Materie darstellen könnten, die zum Quasar gezogen wird. Ferner sind in einigen Tausend Lichtjahren Entfernung mehrere Klumpen auszumachen, die wahrscheinlich ebenfalls in die Schwerkraftsenke rutschende Sterne darstellen.

Die Rekordaufnahmen von 3C 273. Der Jet ist rechts unten erkennbar. Der schwarze Punkt ist das Ergebnis der Ausblendung des Zentrums während der Aufnahmen. Dies dient dazu, um die Randbereiche erkennen zu können. Ähnlich verfahren wir auch bei Untersuchungen der äußersten Sonnenschichten. Ihr selbst könnt den Effekt durch Abdecken einer hellen Lichtquelle mit eurer Hand simulieren. Bildquelle: NASA, ESA, Bin RenCôte dAzur Observatory) Die Rekordaufnahmen von 3C 273. Der Jet ist rechts unten erkennbar. Der schwarze Punkt ist das Ergebnis der Ausblendung des Zentrums während der Aufnahmen. Dies dient dazu, um die Randbereiche erkennen zu können. Ähnlich verfahren wir auch bei Untersuchungen der äußersten Sonnenschichten. Ihr selbst könnt den Effekt durch Abdecken einer hellen Lichtquelle mit eurer Hand simulieren. Bildquelle: NASA, ESA, Bin Ren/Côte d'Azur Observatory)

Bei solch einem Monster wie 3C 273 sind selbst Zwerggalaxien nicht sicher. Selbst sie können mit der Zeit quasi gehäutet werden, indem ihnen während der Umkreisung des Quasars stetig Masse entzogen wird.

Abseits der Details in und nahe der rotierenden Scheibe aus extrem erhitzter Materie beeindruckt einer der Jets. Die von einem Magnetfeld abgelenkten Teilchen reichen bis zu 300.000 Lichtjahre hinaus. Allerdings überrascht die Forscher vor allem ein Detail: sie beschleunigen mit der Zeit. Der Strahl wird schneller, je weiter er sich vom Quasar entfernt. Er nähert sich der Lichtgeschwindigkeit immer weiter an. Wieso das passiert, ist unklar. Hierzu sei weitere Forschung notwendig.

Doch die Forscher hinter dieser neuen Rekordbeobachtung sind weiterhin nicht fertig mit 3C 273. In Zukunft beabsichtigen sie, dem Quasar mithilfe des James-Webb-Weltraumteleskops auf anderen Wellenlängen nachzuspüren. Unser neues Auge im Sonnensystem soll in seinem Spezialbereich in die F(f)erne (Vergangenheit) blicken. Von Aufnahmen im infraroten Spektrum versprechen sich die Wissenschaftler erneut neue Erkenntnisse – und abermals beeindruckende Bilder.

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