Forscher entdecken Leben auf Gestein aus dem All - es ist zugleich Desaster und Sensation

Es ist eine Sensation, doch kündet die Studie zu Proben vom Asteroiden Ryugu auch von Problemen in der Weltraumforschung. Trotzdem bringt dieser Fehlschlag uns voran.

Von Ryugu einem Asteroiden, optisch diesem Symbolbild ähnelnd, wurde von der japanischen Raumsonde Hayabusa 2 in den Jahren 2018 und 2019 Material entnommen und zur Erde zurückgebracht. (Bildquelle: Unsplash, NASA) Von Ryugu einem Asteroiden, optisch diesem Symbolbild ähnelnd, wurde von der japanischen Raumsonde Hayabusa 2 in den Jahren 2018 und 2019 Material entnommen und zur Erde zurückgebracht. (Bildquelle: Unsplash, NASA)

Leben auf einem Asteroiden! Also auf Gestein, das für Milliarden Jahre fernab der Erde im Weltall umher driftete, ehe wir – oder vielmehr ein kleiner Roboter – ankamen. Von Ryugu holten wir uns vor einigen Jahren mit der Sonde Hayabusa 2 Proben. In einem Behälter landeten sie später in der australischen Wüste.

Nun wurden Teile der im All entnommenen Materie in einem Labor untersucht, doch der Lebensfund in den Proben ist auf zwiespältige Weise eine Sensation. Er bringt die Wissenschaft sicher weiter und enttäuscht dennoch, denn das gefundene Leben ist irdisch.

Diese Ergebnisse und Schlussfolgerungen daraus wurden als Paper in Meteoritics & Planetary Science veröffentlicht.

Proben wie von Ryugu gehören zu den seltensten Schätzen der Menschheit und stehen auf einer Stufe mit Gestein, die die Apollo-Missionen der USA zur Erde brachten. Sie sind die einzige zugängliche Materie auf unserem Planeten, die zumindest theoretisch unberührt von irdischem Leben ist.

Verunreinigung trotz höchster Standards

Bei Untersuchungen der Proben stellte sich heraus, dass es sich um Bakterien-Kolonien von der Erde handelt. Die Proben wurden wohl während der Vorbereitung für Tests verunreinigt, wie die Forscher schlussfolgern.

Das sei bedenklich, da alles vom Aufsammeln in Australien bis zur Ablage auf dem sterilen Labortisch in einem Reinraum unter Einhaltung höchster Standards erfolgte. Dies hätte Kontakt der Proben mit irdischem Leben ausschließen sollen.

Irgendwie trotzten Bakterien aber den widrigen, von Technik und Chemie erzeugten Bedingungen, wie gründlicher Desinfektion und Versiegelung aller Behältnisse.

Die Reise der japanischen Sonde Hayabusa 2 zum etwa 900 Meter durchmessenden Ryugu sorgte deshalb zwischen 2018 und 2020 auch jenseits der wissenschaftlichen Zirkel für Furore. Mit ihrer Ankunft 2018, der Probenentnahme 2018/19 sowie des Atmosphären-Einritts des Probenbehälters 2020 zeigten wir, dass es möglich ist, außerirdische Materie zu bergen (via Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt).

Weitere im Vorfeld veröffentlichte Ergebnisse wiesen auf Aminosäuren in Proben von Ryugu hin. Sie stellen Grundbausteine für uns bekanntes Leben dar (via Frankfurter Rundschau).

Panspermia – Das Leben findet einen Weg

Leben auf Asteroiden im Weltall zu finden, wäre eine Sensation. Nach der Panspermia-Theorie wäre das der Grundstein für die Verbreitung von Leben oder zumindest seiner grundsätzlichen Bausteine auf Körpern ohne Atmosphäre unter feindlichsten Umgebungen.

Auch Bestandteile unserer frühesten Vorfahren könnten nach dieser Theorie durch Asteroiden vom Himmel herabgestürzt und von da an über Milliarden Jahre zu uns herangereift sein (via NASA).

Video starten 5:15 NASA-Video aus dem Jahr 2009: Wie der Klimawandel die Ozeane beeinflusst

Wie auch die Fachseite phys.org schreibt, zeigen Vorkommnisse wie dieses allerhand: Leben ist äußerst widerstandsfähig und in der Lage sich anzupassen, was Hoffnung macht. Denn es könnte so auch auf anderen Planeten zu finden sein, selbst wenn diese aus unserer Perspektive eher unwirtlich für Leben sind.

Augenscheinlich bereitet uns aber die Reinhaltung anhaltend Probleme. Ferner ermahnt das obige Paper deshalb auch alle Missionen, die Sonden zu fremden Planeten schicken. Die Vehikel frei von jeglichen organischen Bausteinen zu halten ist seit jeher Grundanforderung – aber wohl noch schwerer als angenommen.

Wollen wir Orte wie die Marsoberfläche unbefangen untersuchen, müssen wir sichergehen, dass wir sie nicht im Moment unserer Ankunft in Form von Sonden, Schiffen oder Robotern ungewollt verändern.

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