The Future of Gaming is AI
– schon mit diesem Slogan sorgte Razer zum Start der CES 2026 in der Community für kollektives Augenrollen. Doch was als mutiger Blick nach vorn geplant war, entwickelt sich kurz nach der Vorstellung von Project AVA
zum handfesten Skandal. Ein holografischer KI-Begleiter soll euch künftig nicht nur beim Spielen, sondern auch durch den Alltag begleiten.
Das Problem: Als Gehirn
hinter AVA dient ausgerechnet Elon Musks KI Grok – und die macht gerade Schlagzeilen, weil sie aufgrund mangelhafter Sicherheitsstandards die Erstellung von kinderpornografischem Material ermöglicht.
Während Razer noch die Hardware feiert, steht Grok bereits im Fadenkreuz der EU-Ermittler.
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Vergesst euren Gaming-PC, wenn das bei Notebooks so weitergeht
Die Zukunft des Gaming ist KI
: Das ist Project AVA
Razer startete die diesjährige CES mit einem Slogan, der auf Reddit bereits für heftige Kritik sorgte: The Future of Gaming is AI
. Unter einem Reddit-Thread mit der Überschrift Nö, dann bin ich raus
sammelten sich schon vor der Veröffentlichung von Project AVA hunderte frustrierte Kommentare. Der Tenor: Die KI-Versprechen der Gaming-Industrie seien Marketing-Sprech.
Diese Woche hat Razer dann auf der CES das Geheimnis gelüftet: Project AVA ist ein holografischer KI-Begleiter, der in einem leuchtenden Glaszylinder auf eurem Schreibtisch Platz finden soll. Ihr könnt einen aus fünf Charakteren für die Darstellung des Hologramms wählen.
Laut Razer soll die 24/7-KI-Begleiterin
sich mithilfe von menschenähnlichem Sehen und Hören an den Nutzer anpassen und eine Hilfe im Alltag sein – und nicht nur beim Gaming.
Link zum YouTube-Inhalt
Im zugehörigen Trailer könnt ihr AVA etwa dabei zusehen, wie sie ihren Nutzer morgens weckt und ihm erklärt, dass er nachts wieder geschnarcht hätte – was eine permanente Mikrofon-Aktivierung suggeriert.
Entsprechend kühl fällt die Reaktion der Community aus: Auf Reddit wird das Produkt bereits als teures Spionage-Werkzeug
kritisiert. Razer selbst verweist auf Anfrage von GameStar Tech in erster Linie darauf, dass Project AVA sich noch in einer Konzept-Phase befindet.
Doch die Frage nach dem Datenschutz rückt im Angesicht der aktuellen Entwicklungen in den Hintergrund. Denn hinter dem KI-Begleiter steht Elon Musks Firma xAI mit ihrem Chatbot Grok – und die ist genau zum Release von AVA zum internationalen Paria geworden.
EU-Kommission ermittelt gegen Grok – Das ist nicht pikant, das ist illegal.
Spätestens seit der Übernahme Twitter und deren Umbenennung in X inszeniert Elon Musk seine Plattformen als Bollwerk einer radikal verstandenen Redefreiheit. Diese Haltung spiegelt sich auch im Design seines KI-Chatbots Grok wider, der von Beginn an bewusst provokativ und politisch inkorrekt
angelegt wurde.
Der Chatbot verfügt mittlerweile auch über einen sogenannten Spicy Mode
, der explizite Inhalte zulässt, die bei der Konkurrenz durch Schutzmaßnahmen unterbunden werden. Mittlerweile hat sich die bewusste Grenzüberschreitung zu einem massiven rechtlichen Problem entwickelt.
Wie Euractiv berichtet, führte der Modus in den vergangenen Wochen zur massenhaften Generierung sexualisierter Bilder von Frauen, darunter auch Darstellungen von Minderjährigen:
- Internationale Kritik: EU-Länder, Abgeordnete und Kinderrechtsorganisationen äußern Empörung über Groks sexualisierte Inhalte und fordern ein schnelles und konsequentes Eingreifen der Behörden.
- Europäische Union: Die EU-Kommission ermittelt wegen möglicher Verstöße gegen den Digital Services Act (DSA), der für sehr große Online-Plattformen wie X empfindliche Geldstrafen vorsieht. Frankreich und Deutschland drängen auf eine beschleunigte Durchsetzung.
Thomas Regnier, digitaler Sprecher der Kommission, kommentierte die Entwicklungen um den Spicy Mode
Groks folgendermaßen:
Das ist nicht pikant. Das ist illegal.
Und auch xAI selbst lässt zwischenzeitlich via Grok auf X verlauten, es gebe Mängel in den Schutzvorkehrungen
, die dringend
behoben würden.
Fazit: Der denkbar schlechteste Augenblick für Razer
Auf Anfrage von GameStar Tech äußerte sich Razer nicht direkt zu den Vorwürfen gegen xAI und Grok. Das Unternehmen betonte gegenüber der Redaktion jedoch, dass Project AVA LLM-agnostisch
konzipiert sei. Da es sich aktuell um eine Konzeptphase handle, sei man nicht auf eine spezifische KI festgelegt und wolle den Nutzern künftig Wahlfreiheit bieten.
Trotzdem lässt sich zusammenfassen: Razer hat sich mit dieser Partnerschaft zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt ins eigene Fleisch geschnitten. Selbst wenn die KI hinter AVA austauschbar ist – der Imageschaden durch die Nähe zum Grok-Skandal überschattet die Hardware-Vision massiv.
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