Im Film »Interstellar« landen Cooper (Matthew McConaughey), Dr. Amelia Brand (Anne Hathaway) und ihr Begleiter Doyle (Wes Bentley) auf einem Planeten, der von einem riesigen Ozean bedeckt ist. Weit und breit sind nur Wassermassen zu sehen.
Schnitt.
Während Dr. Amelia Brand ihrer Mission nachgeht und sich »in Richtung Berge« bewegt, entdeckt Cooper auf seinem Bildschirm etwas Beunruhigendes und murmelt per Funk: »Das sind keine Berge, das sind Wellen.« Mehr wollen wir an dieser Stelle aber nicht spoilern.
Der potenzielle Exoplanet TOI-1452 b erinnert an die stark präsentierte Science-Fiction-Idee eines gigantischen Wasserplaneten des Regisseurs Christopher Nolan.
Das liegt an der potenziell gewaltigen Wassermasse, die der zuvor genannte Exoplanet beherbergen könnte. Seine geringe Dichte deutet darauf hin, dass er nicht nur aus Fels und Metall, sondern zu einem großen Teil aus Wasser besteht, nämlich bis zu 30 Prozent seiner Masse.
Zum Vergleich: Unsere Erde kommt auf vergleichsweise mickrige 0,02 Prozent. TOI-1452 b ist dafür allerdings auch etwa 70 Prozent größer als unser Heimatplanet und seine Masse ist fast fünfmal so hoch.
Die wahrscheinlich extreme Wassermenge ist dabei längst nicht alles, was diesen Exoplaneten so interessant macht und Weltraum-Fans auf Reddit ins Schwärmen bringt.
Ein erdähnlicher Planet?
Ein Team der Université de Montréal entdeckte den Planeten im Jahr 2022 mithilfe von Daten des NASA-Weltraumteleskops TESS.
Der »Wasserplanet« ist etwa 100 Lichtjahre von der Erde entfernt. Ziemlich nah und endlos weit entfernt zugleich. Mit der heutigen Technologie würde eine Reise mehr als eine Million Jahre dauern. Ein »Katzensprung«, wenn man die schier endlosen Weiten des Universums betrachtet.
Mehr zum Thema: Paradox: Es dauert länger, mit tausendfacher Lichtgeschwindigkeit zu den fernsten Galaxien zu reisen als mit nahezu Lichtgeschwindigkeit
In seinem Sternensystem umkreist TOI-1452 b einen roten Zwergstern innerhalb eines Doppelsternsystems. Sein Zentralgestirn (ähnlich unserer Sonne) umkreist er relativ nah; ein »Jahr« dauert dort nur ungefähr elf Tage.
Was diesen Exoplaneten außerdem so besonders macht: Er befindet sich in der habitalen Zone. Vereinfacht ausgedrückt: Der Abstand zum Zentralgestirn ist groß genug, dass Wasser nicht verdampft und nah genug, damit es nicht gefriert.
Die Grundvoraussetzung für Leben ist Wasser (H2O). Daher bezeichnet man die habitale Zone auch »Lebenszone«. Auf TOI-1452 b könnte (!) also Leben entstehen, was diesen Planeten für Astronomen so interessant macht.
Damit ist allerdings nur eine (von sehr vielen) Hürden genommen. Was wir über diesen Planeten noch nicht wissen: Besitzt er eine Atmosphäre, und wie ist diese zusammengesetzt?
Außerdem geht man von der doppelten Strahlenbelastung der Erde aus. Die theoretische Oberflächentemperatur wird auf etwa 53 Grad Celsius geschätzt, wobei es je nach Atmosphäre auch deutlich heißer oder kühler sein könnte.
Das James Webb Teleskop noch immer als Hoffnung
Seit seinem Einsatz liefert das James-Webb-Teleskop Antworten auf viele Fragen – natürlich längst nicht auf alle Rätsel des Kosmos. Dass dieses gigantische Weltraumteleskop die kühnsten Träume der Astronomen wahr werden lässt, hat es bereits mehrfach eindrucksvoll bewiesen.
Daher gilt TOI-1452 b seit seiner Entdeckung als besonders heißer Kandidat für weitere Untersuchungen mithilfe des JWST. So könnte es etwa die Untersuchung seiner Atmosphäre ermöglichen und entscheidende Details über deren Zusammensetzung liefern.
Laut Professor Doyon von der Université de Montréal befindet sich der vielversprechende Exoplanet in einem idealen Himmelsbereich. Demnach ließe er sich »ganzjährig beobachten«.
Zwar gab es seit der offiziellen Entdeckung noch keine neuen Datenveröffentlichungen, was in der Welt der Astrophysik jedoch nicht ungewöhnlich ist. Immerhin ist die Analysezeit am JWST extrem begehrt. Somit bleibt der weit entfernte »Wasserplanet« vorerst ein Kandidat von vielen, die der Erde ähnlich sein könnten.
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