1987 löste ein Student ein Problem mit seinem Mac per Software. Sein Bruder erkannte das Potenzial und daraus wurde schließlich Photoshop

Wenn man bedenkt, was Photoshop heute leisten kann, offenbart der Blick auf die Wurzeln des Adobe-Tools erstaunlich Simples.

Die Anfänge von Photoshop liegen in einer Zeit, in der digitale Bildbearbeitung noch weitgehend Neuland war. (Bild: applesfera.com) Die Anfänge von Photoshop liegen in einer Zeit, in der digitale Bildbearbeitung noch weitgehend Neuland war. (Bild: applesfera.com)

Heutzutage sind wir es längst gewohnt, unsere Daten inklusive Fotos digital zu speichern. Doch zu den Anfangszeiten von Heimcomputern wie den ersten Macs von Apple und IBM-PCs sah die Welt noch ganz anders aus.

Das gilt auch für die Darstellung auf Computerbildschirmen der damaligen Zeit: Sie kannten auf dem Mac zunächst nur Schwarz und Weiß.

Genau durch diesen Punkt entstand vor fast 40 Jahren das kleine Programm Display, aus dem letztlich Photoshop werden sollte.


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Wer hat das Tool programmiert und wozu war es gut?

  • Display stammt aus der Programmierfeder von Thomas Knoll. Er war zu der Zeit Student und mit dem Thema der Computer Vision beschäftigt, wie er in einem Interview von 2015 erzählt hat. Dabei geht es darum, wie Computer Bilder erfassen und verstehen können.
  • Um die erfassten Bilder auf dem Monitor des Macs differenzierter darstellen zu können, programmierte Knoll Display. Das kleine Programm ermöglichte es unter anderem, trotz der Schwarz-Weiß-Limitierung des Mac-Displays Graustufen zu simulieren.
  • Seine Software zum Umgang mit Bildern hat Thomas auch seinem Bruder John gezeigt. Er war in der Filmindustrie tätig, die damals noch primär analog gearbeitet hat. Erste Versuche mit Scannern und digitaler Verarbeitung der Bilder gab es aber bereits.

John erkannte das Potenzial des kleinen Tools, wie das folgende Zitat deutlich macht:

Wenn wir das Filmmaterial in Zahlen umwandeln und diese Zahlen wieder in Filmmaterial zurückverwandeln können, dann können wir, sobald es in numerischer Form vorliegt, damit alles Mögliche anstellen. Wir hätten die komplette Macht. […] Das ist die Zukunft der Spezialeffekte im Film.

Ein Tool für alles

Im weiteren Verlauf arbeiteten die beiden zusammen an dem Projekt, wobei Thomas Knoll seinem Bruder zunächst gleich mehrere Tools zur Verfügung stellte, die er für die Bilderfassung geschrieben hatte.

John sagte daraufhin etwas später: Es wäre schön, wenn du das alles in eine einzelne Anwendung packen könntest, damit ich nicht immer hin- und herwechseln muss. – und so entstand die Grundidee des Multifunktions-Tools, wie es Photoshop bis heute ist.

Eine der ersten Funktionen, die Thomas Knoll ergänzte, war die Tonwertkorrektur, da sein Bruder an verschiedenen Monitoren mit abweichenden Gamma-Leveln gearbeitet hat. Doch das sollte nur der Anfang sein.

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Adobe erkannte das Potenzial

Dass John Knoll bei Industrial Light and Magic in der Filmindustrie tätig war, könnte den Knoll-Brüdern dabei geholfen haben, im Jahr 1988 einen finanzstarken Käufer für ihre Software zu finden. Allerdings mussten sie auf dem Weg dorthin durchaus einige Absagen hinnehmen.

Auf die Frage hin, warum mehrere Unternehmen das Potenzial der Software nicht erkannt haben, antwortet Knoll im besagten Interview Folgendes:

Nicht wenige gaben an, dass sie an ähnlichen Projekten arbeiteten und sich das aus Wettbewerbsgründen nicht ansehen wollten. Andere sagten, es passe nicht in ihr Angebot.

Am Ende wurde es dann bekanntermaßen Adobe:

Als wir die Demo bei Adobe vorführten, waren sie [...] sofort begeistert. Sie erkannten das Potenzial des Produkts, und es passte sehr gut in die bestehende Produktpalette von Adobe.

Wenn ihr auch in Bezug auf Windows eine kleine Reise in die Vergangenheit machen wollt, legen wir euch diesen Artikel ans Herz: Bill Gates hat vor 13 Jahren gesagt, dass die wohl bis heute bekannteste Tastenkombination von Windows nur ein Fehler war. Aber zurück zu Photoshop.

Die erste kommerzielle Version des Programms erschien am 19. Februar 1990. Laut Knoll hat Photoshop seinen Aufschwung in den 90ern vor allem dem Aufkommen des Internets und Webseiten zu verdanken, die passende Grafik brauchten sowie (Foto-)Druckern und Digitalkameras.

Die Knoll-Brüder waren mit ihrer Idee also letztlich zur rechten Zeit am rechten Ort.

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