Aragorn ist ein nahezu perfekter Mensch. Charismatisch, fürsorglich, stark, tapfer, klug, weise und empathisch. Wieso sollte ihn jemand beleidigen? Vermutlich Eifersucht. Aber in jedem Fall passiert es in Der Herr der Ringe, dass Aragorn in einem kurzen Moment einen etwas beleidigend gemeinten Spitznamen erhält. Und wir meinen nicht Streicher.
Allerdings ist der Spitzname keine stumpfe Beleidigung, sondern unterstreicht viel mehr indirekt, dass Aragorn zum König geboren ist. Denn Tolkien hat sich dafür an einer historischen Figur bedient, die den Spitznamen ebenfalls trug und ein König von England war.
Es geht um den Spitznamen »Longshanks«. Oder auf Deutsch auch »Langbein«.
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Wann wird Aragorn so genannt?
Vermutlich erinnert ihr euch nicht einmal mehr so richtig daran, dass Aragorn diesen etwas gemeinen Spitznamen je bekommen hat. Zumal es ja viele Namen für den König von Gondor gibt. Abseits von Streicher wären da noch Elessar, Estel oder Flügelfuß.
Langbein wird er im Buch aber nur ein einziges Mal genannt, und zwar kurz nach seinem ersten Auftreten in Bree, im Kapitel »Ein Messer im Dunkeln«. Nachdem Aragorn und die Hobbits den Nazgûl entkommen sind, wollen sie Bree verlassen. Vorher laufen sie aber nochmal dem Pferdedieb Lutz Farning über den Weg.
In der Folge nennt Farning Aragorn »Langbein«. Immerhin ist Aragorn eigentlich fast zwei Meter groß und die Menschen in Bree eher klein. Da schwingt insgesamt also auch ein wenig Fremdenfeindlichkeit mit.
Auch in den Filmen wird Aragorn übrigens Longshanks genannt. Hier jedoch von Sam, als er und die anderen Hobbits in das Zimmer vom Tänzelnden Pony poltern, in dem Frodo gerade mit Aragorn spricht. Auf Deutsch wurde aus Longshanks dann eine waschechte Beleidigung, da schimpft Sam Aragorn immerhin ein »langes Elend«.
Das reale Langbein
Dass Aragorn Longshanks genannt wird, ist aber mehr als nur eine Beleidigung am Rande. Ob absichtlich oder zufällig, der Autor J. R. R. Tolkien hat Aragorn damit den gleichen Spitznamen wie einem berühmten König von England gegeben. Da Tolkien selbst ein geschichtsinteressierter Mensch war, ist die Chance hoch, dass ihm das durchaus bewusst war.
Die Rede ist von King Edward I. von England. Dieser wurde auch Edward Longshanks genannt, weil er mit seinen 188 cm Körpergröße vor allem für seine damalige Zeit enorm groß war. Edward I. herrschte von 1272 bis 1307 über das englische Königreich.
Anders als Aragorn ist Edward I. jedoch ein umstrittener König. Er war zwar grundsätzlich kompetent und führte das Königreich stabil, aber eben auch nach heutigen Maßstäben stellenweise tyrannisch. Neben vielen Kriegen gegen Wales und Schottland drückte Edward I. auch eine großflächige Vertreibung von Juden aus England durch.
Abseits der Königswürde und der Körpergröße hatten Aragorn und Edward I. also wohl nicht viel gemeinsam. Wer will, kann in der kleinen Beleidigung des kleinen Lutz aber bereits eine Anspielung auf Aragorns spätere Rolle als König erkennen.
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