»Das Haushaltsgerät, das wir alle besitzen und das so viel Strom verbraucht wie 65 gleichzeitig laufende Kühlschränke«: Warum dieser Vergleich hinkt [Best of GameStar]

Es geht um die Gegenüberstellung von Elektroöfen und Kühlschränken, die in der Form aber in die Irre führen kann.

Schaut man sich den Stromverbrauch der hier relevanten Küchengeräte bei typischem Betrieb genauer an, verbrauchen sie mittel- und langfristig ungefähr gleich viel Strom, statt drastisch auseinander zu liegen. (Bild: stock.adobe.com - Paweł Michałowski, Adobe Firefly) Schaut man sich den Stromverbrauch der hier relevanten Küchengeräte bei typischem Betrieb genauer an, verbrauchen sie mittel- und langfristig ungefähr gleich viel Strom, statt drastisch auseinander zu liegen. (Bild: stock.adobe.com - Paweł Michałowski, Adobe Firefly)

Zahlen zum Energieverbrauch von verschiedenen Geräten zu vergleichen, kann sehr spannend sein, auch mit Blick auf das mögliche Sparpotenzial im eigenen Haushalt.

Ich bin aber kürzlich auf einer Webseite über einen Vergleich gestolpert, den ich kritisch beurteile. Er sagt aus, dass ein Elektroofen so viel Strom verbraucht wie 65 gleichzeitig angeschlossene Kühlschränke.

Warum das ein Vergleich ist, der hinkt, schauen wir uns in diesem Artikel kurz an.


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Inwiefern die Aussage stimmt

Der Energieverbrauch pro Stunde eines einzelnen Elektroofens kann in der Tat im Bereich der Größenordnung von 65 Kühlschränken liegen.

Das gilt aber nur dann, wenn man sich auf den aktiven Betrieb bezieht.

  • Werte des Elektroofens: Beim Heizen für eine Temperatur von 200 Grad Celsius erreichen ältere Öfen Verbrauchswerte von etwa 2,5 kWh in der ersten Stunde, also für die Kombination aus dem Aufheizen und dem Halten der Temperatur in dieser Zeit. Gleichzeitig gilt, dass moderne Modelle teils mit deutlich weniger als der Hälfte davon auskommen können.
  • Werte eines Kühlschranks: Ein Kühlschrank mit Gefrierfach kommt dagegen eher auf 0,03 bis 0,05 kWh in einer Betriebsstunde. Dabei ist bereits berücksichtigt, dass der Verbrauch eines Kühlschranks generell dadurch schwankt, dass der Kompressor immer nur zeitweise zum Abkühlen anspringt.
  • Der schwierige Vergleich: Rechnet man den Kühlschrank-Mittelwert von 0,04 kWh in einer Stunde auf 65 Geräte hoch, kommt man auf 2,6 kWh – und damit ungefähr auf den Wert für einen (nicht sehr effizienten) Elektroofen beim einstündigen Heizen mit 200 Grad Celsius.

Warum der Vergleich hinkt

Während ein Kühlschrank permanent läuft (wenn auch nicht mit permanent aktivem Kompressor), macht man einen Ofen nur kurzzeitig und bei Bedarf an.

Und selbst, wenn man den Ofen jeden Tag (!) eine Stunde lang benutzen würde (was wohl niemand tut), relativiert sich die Vergleichsdimension mit 65 Kühlschränken drastisch, schaut man sich den ungefähren monatlichen Stromverbrauch statt nur eine Momentaufnahme an:

  • 65 Kühlschränke mit Gefrierfach: So viele Geräte erreichen auf Basis unserer angenommenen Werte (die relativ hoch liegen) zusammen in 30 Tagen bei typischem Betrieb etwa 1.800 kWh.
  • 1 älterer Ofen: Dieses Gerät kommt selbst bei unrealistisch häufiger Nutzung von einer Stunde an jedem einzelnen der 30 Tage insgesamt nur auf 75 kWh.

Auf lange Sicht verbrauchen 65 Kühlschränke also deutlich mehr Strom als ein Ofen.

Übrigens: Ein einzelner Kühlschrank liegt ungefähr bei 30 kWh im Monat.

So einen riesigen Unterschied zwischen den beiden Geräten gibt es also mit Blick auf den Stromverbrauch eines Ofens nur im aktiven Betrieb.

Geht es dagegen darum, wie viel Öfen und Kühlschränke zu unserer monatlichen Stromrechnung beitragen, liegen sie nicht in völlig anderen Dimensionen. Stattdessen ist der Verbrauch des Kühlschranks sogar gerne etwas höher aufgrund des permanenten Betriebs.

Die genauen Werte kommen auf die jeweiligen Geräte an, wobei gilt: Je älter und je größer ein Modell, desto höher ist tendenziell der Verbrauch.

Um beim Heizen mit einem Ofen etwas Energie zu sparen, empfiehlt es sich übrigens, falls möglich auf das Vorheizen zu verzichten und Umluft zu nutzen, da bei dieser Art des Heizens weniger hohe Temperaturen nötig sind.

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