30 Nanosekunden dauerte es an, nur ein winziger Bruchteil eines menschlichen Wimpernschlages. Doch australische Forscher standen vor einem Rätsel. Denn das Signal auf ihren Monitoren übertraf alles, was sie sonst empfingen: ein kurzer Blitz im hochfrequenten Radiospektrum.
Ungewöhnlich sind solche sogenannten Fast Radio Bursts
(FRB) nicht, doch dieser widersprach jeder Logik.
Die Quelle sorgte für reges Stirnrunzeln. Aus der Richtung des Signals harrte kein Neutronenstern oder anderes kosmisches Phänomen gewaltiger Stärke der Entdeckung. Da war nichts, was einen derart starken Impuls hätte zur Erde senden können.
Heute kennen wir die Lösung. Die Fahndung nach dem Verursacher sollte die Forscher in die irdische Vergangenheit führen.
2:17
Das sind unsere Botschafter für die Ewigkeit jenseits des Sonnensystems – mit an Bord Clyde Tombaugh
Radiosignal eines Toten aus dem Orbit
In einem Paper legen die Wissenschaftler dar, was sie dort mit Australian Square Kilometer Array Pathfinder
gefunden haben. Das Radiosignal hatte seinen Ursprung ganz in der Nähe der Erde: ein kleines metallenes Objekt, das unsere Heimat seit 61 Jahren umkreist. Einer der ersten Satelliten.
Sein Name lautet Relay 2, gebaut einst in den Vereinigten Staaten von Amerika, um im Vorfeld der ersten bemannten Flüge ins All Funkfähigkeiten zu erproben. Er und sein Vorgänger Relay 1 müssen als US-amerikanische Pioniere im Orbit gelten – oder im Falle einer Regung als untote Satelliten-Zombies.
Rund ein Jahr nach seinem Start 1964 fielen erste Systeme aus. Zwei Jahre vor der Mondlandung von Apollo 11 versagte schließlich auch der letzte Transponder, wodurch er endgültig die Funktion einbüßte, Signale zu senden oder zu empfangen.
Die ersten Satelliten: Am 4. Oktober 1957 startet die Sowjetunion Sputnik, die USA reagieren 1958 mit Explorer 1. Relay 1 und 2 gehören ebenfalls noch zur ersten Generation von Testsatelliten, die grundlegende Funktionen erproben sollten. Weiterer Auftrag: Grundlegende Messungen von Strahlung und der höheren Daten zur Atmosphäre (via scinexx).
Laute Botschaft eines stummen Pioniers
Hieraus ergab sich natürlich auch für die Forscher die zentrale Frage: Wir wissen woher, aber wie genau konnte dann solch ein starker Impuls von dem toten Satelliten ausgehen?
Hierauf gibt es keine abschließende Antwort – nur mehr oder minder valide Vermutungen. Als sehr unwahrscheinlich erachtet das Team die Chance, dass Relay 2 plötzlich zum Leben erwachte. Das wäre in Anbetracht der alten Technik selbst für nur wenige Augenblicke sehr unwahrscheinlich.
Relay 2 musste in seiner Zeit im Orbit außerdem so einiges erdulden: Bombardement durch Strahlung und Einschläge kleinster Teilchen aus Gestein oder Metall, die mit aberwitzigem Tempo durchs Weltall rasen.
Wahrscheinlich habe sich im Laufe eines unbekannten Zeitraumes eine elektrostatische Ladung aufgebaut, die sich schließlich kraftvoll entlud. Die Alternative sei der Aufprall eines Mikrometeoriten, wodurch dieser vaporisiert wurde und sich in eine kurzlebige Wolke aus Plasma verwandelte. Auch hierbei wird Radiostrahlung frei.
Einzig die Stärke des Signales lässt sich inzwischen sicher an etwas festmachen: Es lag an der kurzen Strecke und der direkten Sichtverbindung. Denn das Signal schoss quasi senkrecht nach unten gen Erde, da der Satellit just direkt über dem Australian Square Kilometer Array Pathfinder
stand.
Wobei es in manchen Fällen tatsächlich möglich ist, einen alten Satelliten wiederzubeleben und auch wissenschaftlich zu nutzen, wie ein Student demonstriert. Die Idee entstand – wie sollte es auch anders sein – auf einer Party.
Weltraummüll – ein Problem für Jahrhunderte
Heutzutage umkreisen Tausende von Satelliten unterschiedlichster Größe die Erde. Vor allem die jüngst hinzugekommenen Konstellationen von SpaceX und Blue Origin besorgen die Forscher. Denn sie könnten eine eigentlich bewältigte Krise (gestärkt) wiederbeleben.
Relay 2 könnte als ihr Urgroßvater gelten, der als ein Wegbereiter der Raumfahrt und der Nutzung des Orbits gelten könnte. Indes ermahnt uns dieser Zufall auch. Denn niemand hat damit gerechnet, von Relay 2 zu hören, er ist aber immer noch dort oben. Selbst nach etlichen Jahrzehnten fristet er sein Dasein als Weltraummüll.
Dieser bleibt ein Problem und je mehr dort oben herumschwirrt, desto höher das Risiko einer Katastrophe. Der Schrott könnte uns nämlich schlimmstenfalls auf der Erde einsperren – das Kessler-Syndrom.
Die quasi-Wiederauferstehung von Relay 2 könnte aber auch der Forschung dabei helfen, Methoden zu entwickeln, um tote Satelliten als erheblichen Anteil am Schrott- und Trümmerfeld rund um die Erde zu verfolgen. So oder so bringt sich der Vorfahre und Pionier erneut ins Gedächtnis seiner Erschaffer – lange, nachdem er seine einstige Mission erfüllt hat.
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