Eine Tüftlerin war unzufrieden mit Smartphones und baute deswegen ein Handy, wie kein anderes – es hatte eine Wählscheibe

Das Rotary Cellphone von Justine Haupt beschränkt sich auf Funktionales. Inzwischen wurde das ungewöhnliche Projekt aber eingestellt.

Ein Mobiltelefon ohne Whatsapp ist heute kaum mehr denkbar. (Bildquelle: justine-haupt.com) Ein Mobiltelefon ohne Whatsapp ist heute kaum mehr denkbar. (Bildquelle: justine-haupt.com)

Die amerikanische Ingenieurin Justine Haupt hat ein Mobiltelefon ohne Touchscreen und stattdessen mit einer Wählscheibe vorgestellt. Die Baupläne für das »Rotary Cellphone« stehen gratis zur Verfügung. Ein Nachbau ist demnach möglich, Grundkenntnisse der Elektronik vorausgesetzt.

Warum das Wählscheiben-Handy dabei mehr ist als ein bloßes Retro-Spielzeug, erklärt Haupt vorab selbst:

Weil ich in einer heiklen, nervigen Welt mit Touchscreen, in der die Menschen über Hyperverbindungen verfügen und Telefone benutzen, über die sie keine Kontrolle haben und die sie nicht verstehen, etwas wollte, das ganz mir gehört, persönlich und absolut taktil ist, und das mir gleichzeitig eine Ausrede dafür bietet, dass ich keine SMS schreiben muss.

Update: Die Produktion des ungewöhnlichen Handys wurde inzwischen eingestellt, da es zu viele Hürden dabei gab. Haupt selbst sagt zu den Hintergründen Folgendes:

Mein Fazit lautet: Das ist einfach keine Ding für ein zusammengewürfeltes Team wie das unsere. Es gibt im übertragenen und im wörtlichen Sinne zu viele Teile, die regulatorischen Auflagen ändern sich zu häufig, und vor allem ist die Fertigung so unglaublich schwer. Kein Wunder, dass es auf dem Mobilfunkmarkt nur eine Handvoll Akteure gibt und dass es sich dabei im Großen und Ganzen meist um Großkonzerne handelt.

Es ist auch klar, dass ich den Verkaufspreis zu niedrig angesetzt habe, denn trotz alledem haben wir Geld verloren, und nur dank der Unterstützung durch Angel-Investoren sind wir endlich in der Lage, die Geräte auszuliefern.

Ich persönlich bin ausgebrannt, und das schon seit dem Tod meines Mannes. Auch unser Team ist ausgebrannt.

Wir alle erkennen an, dass es eine coole Sache ist, eine Sache, die Spaß macht, und für manche möglicherweise sehr nützlich, aber ich muss einen Schlussstrich ziehen. Wie oben erwähnt, sind wir verpflichtet, die bestehenden Bestellungen zu erfüllen, und werden diesen Kunden Support bei der Montage bieten, aber dann wird es damit vorbei sein.

Was kann das Rotary Cellphone (nicht)?

Abgesehen von der hervorstechenden Wählscheibe, ist das Rotary Cellphone ein normales, sehr funktionales Telefon. Es verzichtet auf jegliche (obgleich manchmal durchaus nützlichen) Hilfsmittel wie Kameras oder unzählige Apps. Nicht einmal Whatsapp oder einen anderen Messenger-Dienst gibt es.

Das gewölbte E-Paper-Display soll besonders stromsparend sein. (Bildquelle: justine-haupt.com) Das gewölbte E-Paper-Display soll besonders stromsparend sein. (Bildquelle: justine-haupt.com)

Informationen kann das etwas steampunkig wirkende Mobiltelefon aber dennoch anzeigen, wenngleich nur über etwaig entgangene Anrufe oder eventuelle Kontaktlisten. Dazu verbaute Haupt ein E-Paper-Display auf der Rückseite, das sich über den Rand wölbt.

Außerdem gibt es noch frei belegbare Kurzwahltasten, um im Alltagsbetrieb nicht immer zur Wählscheiben greifen zu müssen.

Die technischen Details zusammengefasst:

  • Wählscheibe, 2,13 Zoll E-Paper-Display
  • wechselbare Antenne mit SMA-Anschluss (koaxial)
  • Platine: Adafruit FONA 3G
  • 1,2Ah Lithium-Polymer(LiPO)-Akku (soll für mehrere Stunden reichen)

Nachbau möglich

Wer die nötigen technischen Grundkenntnisse mitbringt oder sich aneignen und das Rotary Cellphone nachbauen will, findet auf der Homepage von Justine Haupt eine detaillierte Anleitung samt Druckvorlagen und Code.


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