Ryzen 3000: Diskussionen um Taktangaben von AMD

Die neuen Ryzen-3000-Prozessoren wie der Ryzen 9 3900X von AMD sind erschienen, aber sie erreichen teils nicht die offiziell angegebenen Taktraten.

von Nils Raettig, Alexander Köpf,
11.07.2019 14:20 Uhr

Die neuen Ryzen-3000-CPUs liefern hohe Performance und eine sehr gute Energieeffizienz, ihr Taktpotenzial fällt aber geringer aus als im Vorfeld teils angenommen.Die neuen Ryzen-3000-CPUs liefern hohe Performance und eine sehr gute Energieeffizienz, ihr Taktpotenzial fällt aber geringer aus als im Vorfeld teils angenommen.

Im Vorfeld der Veröffentlichung der Ryzen-3000-Prozessoren tauchten immer wieder Leaks zu deren Overclocking-Potenzial im Netz auf. Etwa eine Woche vor dem Release veröffentlicht AMD außerdem ein Video, in dem der Precision Boost Overdrive 2 für »automatisches Übertakten« näher erläutert wird.

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Dass die tatsächlichen Ergebnisse beim Übertakten nicht den Leaks entsprechen, ist nicht unbedingt verwunderlich. AMD muss sich derzeit aber den Vorwurf gefallen lassen, in dem besagten Video auch selbst zu hohe Erwartungen geschürt zu haben.

Als Beispielwerte nennt Robert Hallock von AMD darin eine Übertaktung von 4,55 GHz auf 4,75 GHz per Precision Boost Overdrive 2. Ist die Funktion aktiv, sollen damit beim Einsatz eines hochwertigen Mainboards mit vielen Spannungswandlern automatisch besonders hohe Taktraten erreichbar sein.

Problematisch ist insbesondere, dass Hallock im Video mehrfach einen Bezug zu Gaming als Beispielszenario herstellt.

Unseren Erfahrungen nach sind 4,55 GHz zwar auf einem Kern mit dem Ryzen 3900X durchaus erreichbar.

In Spielen, die heute praktisch alle mehrere Kerne belasten, haben wir aber auch auf Mainboards mit vielen Spannungswandlern und guter Kühlung stets klar niedrigere Werte unterhalb von 4,3 GHz gesehen.

Offizielle Taktangaben in der Diskussion

Kritik an AMD gibt es derzeit aber nicht nur für das Video zum Precision Boost Overdrive 2, sondern auch mit Blick auf die offiziellen Taktangaben. Demnach wird der dort genannte Boost-Takt nicht immer erreicht.

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Zu den Kritikern gehört auch der bekannte deutsche Overclocker Roman »der8auer« Hartung. Er hat laut eigenen Angaben (siehe das Video unten) in den vergangenen sieben Wochen Ryzen 5 3600, 5 3600X, 7 3800X, 9 3900X und 9 3950X hinsichtlich des OC-Potentials getestet und kommt zu anderen Ergebnissen als von AMD angegeben.

Demnach erreicht fast keiner der untersuchten Prozessoren mit gängigen Kühlmethoden (Luft und Wasser) die offizielle genannte maximale Taktrate, die für die Belastung eines einzelnen Kerns gilt. Allerdings sind die Tests wohl auf Mainboards mit älteren BIOS-Versionen entstanden.

Der Ryzen 9 3900X wird von AMD mit einem Boost-Takt von 4.600 MHz angegeben, erreicht bei den Tests durch der8auer aber kaum 4.500 MHz. Typischerweise seien sogar nur 4.400 MHz möglich.

Gleiches gilt für den Ryzen 7 3800X der von den angegeben 4.500 MHz in der absoluten Spitze kurzzeitig 4.450 MHz schafft, stabil und dauerhaft aber nur 4.400 MHz.

Einzig der Ryzen 5 3600X schafft die angepriesenen 4.400 MHz tatsächlich, obgleich er im Schnitt nicht mehr als 4.300 MHz erreicht.

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Eine Frage des BIOS?

Die nicht so überzeugenden Messergebnisse von Hartung könnten auch mit älteren BIOS-Versionen zusammenhängen.Die nicht so überzeugenden Messergebnisse von Hartung könnten auch mit älteren BIOS-Versionen zusammenhängen.

Unsere eigenen Messungen mit dem 3700X und dem 3900X sehen etwas anders aus. Der Achtkerner schafft es die allermeiste Zeit, die offiziell angegebenen 4.400 MHz auf einem Kern zu halten - und das mit dem X470 Gaming M7 AC von MSI, also auf einem Mainboard der Vorgängergeneration.

Beim Ryzen 9 3900X sehen wir dagegen auf dem Gigabyte X570 Aorus Master mit dem aktuellsten BIOS so gut wie nie den offiziellen Maximalwert von 4.600 MHz, stattdessen sind es meist 4.500 bis 4.575 MHz.

Die schlechteren Ergebnisse von Hartung könnten mit älteren BIOS-Versionen zusammenhängen. Auf seinem Youtube-Kanal hat er bereits angekündigt, neue Messungen mit aktuelleren BIOS-Versionen nachzuliefern.

Weniger als offiziell angegeben

Es bleibt aber die Tatsache bestehen, dass auch unser Ryzen 9 3900X praktisch nie mit 4,6 GHz taktet. Selbst wenn die tatsächlich erreichten Werte nur geringfügig niedriger sind, passen sie eben nicht zu den offiziellen Taktangaben.

Hartung erklärt dies mit einer neuen Marketingstrategie seitens AMD, Prozessoren mit der absoluten (und nicht garantierten) Maximalgeschwindigkeit zu bewerben. Bei Ryzen 2000 seien dagegen noch die sicher erreichbaren Boost-Frequenzen angegeben worden, die mittels XFR noch mal überschritten werden konnten.

Wir haben bei AMD nachgefragt, ob dem wirklich so ist, bislang aber keine Antwort erhalten. Sollte sich das ändern, aktualisieren wir diesen Artikel entsprechend.

Ryzen 5 3600 geköpft

AMD verlötet die Heatspreader der Ryzen-3000-Prozessoren mit den Chiplets, Flüssigmetall kann daher kaum noch zur Verbesserung der Wärmeableitung beitragen. (Bildquelle: der8auer)AMD verlötet die Heatspreader der Ryzen-3000-Prozessoren mit den Chiplets, Flüssigmetall kann daher kaum noch zur Verbesserung der Wärmeableitung beitragen. (Bildquelle: der8auer)

In der zweiten Hälfte seines Youtube-Videos köpft Roman Hartung noch einen Ryzen 5 3600, ersetzt das Indium-Lot durch Flüssigmetall und vergleicht die Temperaturen.

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Unter dem CPU-Stresstest Prime95 heizt der Prozessor mit Flüssigmetall auf 88,2 Grad und ist damit um 4,2 Grad kühler als mit Lot (92,4 Grad).

Für der8auer ein klarer Grund von Flüssigmetall abzuraten, da der Aufwand und die Gefahr die CPU zu zerstören in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen - beim Spielen fallen die Temperaturunterschiede ohnehin geringer (2 Grad bis 3 Grad) aus als unter Prime95.

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Der Ryzen 5 3600 kommt bei den Stresstest mit seinen sechs Kernen (12 Threads) auf eine Leistungsaufnahme von 117 Watt bis 120 Watt.

Daher spricht der erfahrene Overclocker den 7nm-Prozessoren von AMD allgemein sein Lob für die hohe Energieeffizienz aus.


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