Ryzen 9000X3D »Turbomodus«: Gigabyte entzaubert sich selbst

Gigabyte versprach bei seinen neuen Mainboards »bis zu« 35 Prozent mehr Leistung auf Knopfdruck. Jetzt ist klar: Das war ein verdammt optimistischer Wert.

Gigabyte kann das große Versprechen rund um den AM5-Turbomodus schon jetzt nicht einhalten. Gigabyte kann das große Versprechen rund um den AM5-Turbomodus schon jetzt nicht einhalten.

AMD wird am 7. November die ersten CPUs der Ryzen 9000X3D-Serie enthüllen, so viel ist bereits gewiss. In den Tagen vor dieser Ankündigung ließ der Mainboard-Hersteller Gigabyte durchsickern, dass es sich hierbei um den Ryzen 7 9800X3D handeln soll, der bereits mehrfach noch auf dieses Jahr terminiert wurde.

Die Gigabyte-Meldung machte aber aus anderem Grund die Runde: Der Hersteller versprach mit einer simplen BIOS-Einstellung namens »X3D Turbo Mode« eine »Leistungssteigerung von bis zu 35 Prozent, die in empirischen Tests ersichtlich ist«. Auch CPUs ohne X3D im Namen sollen mit bis zu 20 Prozent mehr Performance profitieren.

Ein solcher Boost per BIOS-Click ist nahezu unerhört – und bleibt es auch, denn Gigabyte selbst ruderte in einem neuen Ankündigungsvideo zu diesem Turbomodus mehr oder weniger zurück.

Der YouTube-Kanal »Aorus Japan«, der zu Gigabytes bekannter Mainboard-Marke gehört, gab kürzlich ein neues Video preis, in dem näher auf diesen X3D-Turbomodus eingegangen wird.

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In dem gezeigten Video geht Gigabyte auf die Voraussetzungen ein. Neben einem Mainboard des Herstellers mitsamt aktuellem BIOS sei die Funktion lediglich für Ryzen 9000 sowie AM5-CPUs mit 3D-V-Cache vorgesehen. Theoretisch sollte also auch der Ryzen 7 7800X3D von dem Turbomodus profitieren.

Spannend sind an dieser Stelle die weiteren Benchmarks, die Gigabyte präsentiert. Hier kristallisiert sich schnell heraus, dass bei der Angabe »bis zu 35 Prozent mehr Leistung« das »bis zu« nicht dick genug formatiert werden kann.

  • Denn schon in der ersten Präsentationsfolie zeigt Gigabyte ausgewählte Spiele und deren Performancegewinne mit dem Turbomodus unter dem Ryzen 7 9800X3D. Der Bestwert: 5 Prozent in Tomb Raider.
  • Beim Ryzen 9950X nähert sich Gigabyte dem Versprechen immerhin teilweise an: Far Cry 6 kann dank des Turbomodus ein Plus von knapp 18 Prozent verzeichnen.
  • Beide Benchmarks wurden in Full-HD gemessen.

Nun ist ein Performancegewinn per BIOS-Click an sich sicherlich eine gute Sache, ganz gleich, wie hoch dieser tatsächlich ausfällt.

Der Mainboard-Hersteller hätte sich in den Augen der Gaming-Community mit dem Marketing-Versprechen aber bei weitem nicht so weit aus dem Fenster lehnen müssen; zumal auch andere Hersteller wie Asus, MSI und Asrock über einen solchen Modus verfügen werden – der »Turbomodus« kommt als Teil von AGESA ComboAM5PI 1.2.0.2 für alle AM5-Mainboards – und weniger vollmundige Ankündigungen hierzu tätigen.

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Die Vorgehensweise für diesen Turbomodus wurde indes ebenfalls entschlüsselt. Im Hardwareluxx-Forum konnte Nutzer »Iceman021« das Feature auf einem Asus ROG Crosshair X670E mit einer BIOS-Betaversion bespielen, die über die Funktionsweise verfügt. Folgende Punkte geschehen mit eurem Prozessor, wenn ihr diesen Turbomodus aktiviert:

  • SMT (»Simultaneous Multithreading«) wird deaktiviert - bei einer 8-Kern-CPU sind statt 16 Threads anschließend nur noch 8 Threads an Bord.
  • Latenzen und CCDs werden automatisch »optimiert«.
  • Bei CPUs mit zwei CCDs wird einer der beiden deaktiviert.

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Insbesondere der letztgenannte Punkt wirft weitere Fragen auf. Spiele nehmen unter AMDs Chipsatztreiber bei bisherigen Prozessoren ohnehin bevorzugt den CCD, der über den 3D-Cache verfügt - wird der andere CCD deaktiviert, ändert sich für die Spielleistung prinzipiell nichts.

Auch das Deaktivieren von SMT muss nicht zwangsläufig positiv sein: CPU-intensive Spiele haben sich schon mehrfach mit besseren Frameraten erkenntlich gezeigt, wenn Multithreading aktiviert war. Ob der Turbomodus also tatsächlich eine nennenswerte Verbesserung in einer breiten Palette an Spielen bringen kann, muss erst noch durch objektive und unabhängige Tests nachgewiesen werden.

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