Der Beruf des Softwareentwicklers galt jahrzehntelang als die ultimative Jobgarantie der Tech-Branche – doch ausgerechnet der Chef von Europas größtem Softwarekonzern sieht die Chance, dass diese Ära sich dem Ende zuneigt.
Wie das Wirtschaftsblatt Australian Financial Review berichtet, hat SAP-CEO Christian Klein während eines Besuchs in Australien eine radikale Prognose aufgestellt: Bereits in drei bis vier Jahren könnte es bei dem Dax-Konzern niemanden mehr geben, der im klassischen Sinne programmiert.
Stattdessen könnte das Unternehmen bis dahin nahezu vollständig auf das sogenannte Vibe-Coding umsteigen, bei dem KI-Modelle Anwendungen auf Basis von Angaben automatisch erstellen.
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Neue Jobs statt Massenentlassungen
Trotz des Potenzials zur Automatisierung plane SAP derzeit keinen KI-bedingten Stellenabbau, so der CEO gegenüber dem Magazin. Gelinge der Übergang, müsse die momentane Zahl von 110.000 Beschäftigten nicht schrumpfen. Allerdings stehen einigen Mitarbeitern, vor allem im Bereich der Entwicklung von Software, ein großer Umbruch bevor.
Künftig würden Produktmanager eine zentrale Rolle einnehmen. Während diese bisher kaum programmiert hatten, würden sie künftig KI-Agenten erschaffen. »Wir brauchen Produktmanager, die vibe-coden können und das Geschäft wirklich verstehen« erklärte Klein gegenüber dem Magazin.
Im Gegenzug sinke die Nachfrage nach reinen Softwareentwicklern. Stattdessen brauche SAP mehr Datenwissenschaftler, um komplexe Datenstrukturen aufzubauen, damit die KI-Agenten die Geschäftsprozesse begreifen.
KI-Firmen als Partner und nicht als Konkurrenten
Für den SAP-Chef sind KI-Firmen wie OpenAI, Mistral oder Anthropic nicht in erster Linie Konkurrenten, sondern potenzielle Partner. Als Grund führt er an, dass den KI-Betreibern ein entscheidendes Puzzleteil fehle.
So habe bei einem kürzlichen Treffen mit der Führungsebene von Anthropic deren CEO Dario Amodei unumwunden zugegeben: »SAP hat etwas, das wir nicht haben – eine KI, die weiß, wie man Unternehmen führt.«
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Auch wenn die SAP-Aktie wie viele andere Software-Aktien im laufenden Jahr 2026 rund 34 Prozent ihres Wertes einbüßte, gibt sich der CEO gelassen. Der aktuelle Hype werde sich abkühlen und der Markt werde feststellen, dass man auch »geschäftliche Resultate« vorweisen müsse.

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