Satelliten und KI entdecken 5.000 Jahre alte Spuren von verschütteter Zivilisation im Wüstensand Arabiens

Forscher zeigen, wie Bodenradar gemeinsam mit Künstlicher Intelligenz in die Vergangenheit menschlicher Zivilisation im Boden vordringt. Potenzial und Gefahr gehen hierbei aber Hand in Hand.

Sogenanntes Synthetic Aperture Radar (SAR) eignet sich laut den Forschern ideal, um den trockenen Wüstenboden zu untersuchen – KI erledigt dann mit etwas menschlicher Aufsicht den Rest. (Bildquelle: Pixabay) Sogenanntes Synthetic Aperture Radar (SAR) eignet sich laut den Forschern ideal, um den trockenen Wüstenboden zu untersuchen – KI erledigt dann mit etwas menschlicher Aufsicht den Rest. (Bildquelle: Pixabay)

Uns mag die Erdoberfläche bisweilen geradezu statisch erscheinen, doch über Jahrtausende hinweg, verhalten sich zum Beispiel Wüsten mehr wie Meere als Landflächen.

Von Wind getrieben wälzen sich die immensen Massen über alles – selbst vor Städten vergangener Hochkulturen machen sie nicht halt.

Ein Forschungsteam hat auf der arabischen Halbinsel den Dünen ein Geheimnis entrissen: 5.000 Jahre alte Spuren einer vergangenen Zivilisation.

Wir erklären, welch faszinierende Kombination von Technik dafür zum Einsatz kam und wieso sie uns wohl noch viele Entdeckungen – und vielleicht Probleme – bescheren wird.

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Das Radar sieht, Künstliche Intelligenz deutet

Eine neue Studie präsentiert quasi das Kind einer besonderen Ehe: Künstliche Intelligenz (KI) und Synthetic Aperture Radar (SAR).

  • Das Radar wurde von einem Satelliten aus eingesetzt, um die obersten Bodenschichten einer Region nahe Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu untersuchen. Die Strahlen durchdringen die Oberfläche und zeigen abnormale Strukturen im Untergrund auf. Damit ist quasi alles gemeint, was sich klar vom sonstigen Erdboden abhebt, da es anders reflektiert.
  • Künstliche Intelligenz interpretierte im Anschluss die aufgezeichneten Muster. Zuvor war sie mittels ähnlicher Scans aus der Vergangenheit trainiert worden, um verschüttete Überbleibsel menschlicher Besiedlung oder Nutzung zu entdecken, zum Beispiel:
    • Straßen oder auch durch Nutzung als Handelsweg verdichteten, an sich weichen Untergrund
    • Künstlich angelegte Wälle aus Steinen
    • komplette Häuser oder sogar ganze Siedlungen
  • Den Schatz der auf den ersten Blick eher nach Wirrwarr aussehenden Punkte deutet die KI dann im nächsten Schritt. Menschen checken die ermittelten Kandidaten, um dank Erfahrung Falsch-Positive Funde zu vermeiden. Im Anschluss folgen Grabungen.

Der große Vorteil dieser Methodik ist es, dass der Computer dank sich stetig weiterentwickelnder Modelle deutlich zuverlässiger und vor allem schneller potenziell relevante Strukturen erkennen kann.

Dabei kommt dem Radar gerade die Problematik der Region zugute. Denn wo Menschen hier aufgrund der harschen Bedingungen buchstäblich ins Schwitzen geraten, durchdringt das Radar den trockenen, feinkörnig-losen Sand besonders effizient.

Nicht mittels Radar, aber dafür mit Lasern glauben Wissenschaftler auf dem Jupiter-Mond Europa ein Rätsel des Sonnensystems zu lösen:

Was wurde im Wüstensand entdeckt?

  • Das Team entdeckte Spuren eines Handelsnetzes, das sich vor mehr als 5.000 Jahren über die arabische Halbinsel zog. Heute schließt das Gebiet vor allem die Länder Irak, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Jemen sowie den Oman ein.
  • Die neuen Daten aus der Gegend um Saruq Al-Hadid legen nahe, dass es bereits früher als bisher angenommen zu regem Austausch von Waren, Sprache und Kultur auf der benachbarten Halbinsel jenseits des Roten Meeres gekommen ist.
  • Allerdings bestanden wahrscheinlich auch Verbindungen bis an die Mittelmeerküste oder hinauf ins ägyptische Hinterland am oberen Nil.

Ausgrabungen an den neuen Stellen könnten in naher Zukunft folgen. Die komplette Gegend war als historisch interessante Stätte schon bekannt – aber die KI-Satellit-Orte galten bisher als eher unauffällig.

Es gibt auch Risiken

Die Forscher warnen auch davor, dass die Technik unüberwacht zu Plünderungen führen könnte. Deshalb sollten Grabungen immer öffentlich, begleitet und dokumentiert und keinesfalls unbeobachtet erfolgen, so Experten.

Die Expertise von Wissenschaftlern wird theoretisch bis zu einem gewissen Punkt durch KI ersetzbar. So könnte jemand auf gut Glück losziehen, um an von KI markierten Punkten ohne Sachverstand zu graben.

KI und Satelliten-Bodenradar könnten so missbraucht werden, um bisher unerschlossene Kulturstätten aufzuspüren und sie mit kommerziellen Gedanken unter der Hand auszurauben.

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