Schlechtere Bildqualität? Netflix drosselt Bitrate wegen Corona

Netflix verringert die Bitrate in ganz Europa um die Netzinfrastruktur zu entlasten. Bei einigen stößt das jedoch auf Unverständnis.

von Alexander Köpf,
20.03.2020 09:00 Uhr

Die niedrigere Bitrate soll in der Praxis kaum spürbar sein. Die niedrigere Bitrate soll in der Praxis kaum spürbar sein.

Netflix reduziert aufgrund der Corona-Krise und eines Vorstoßes der EU-Kommision europaweit für 30 Tage die Bitrate, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Dadurch sollen rund 25 Prozent des Datenverkehrs eingespart und die Netze entlastet werden.

Gibt es nun nur noch SD statt HD und UHD? Kurz gesagt: Nein. Netflix reduziert zwar die Bildqualität, aber das geschieht nicht mittels Herabsetzens der Auflösung, sondern durch eine Verringerung der übertragenen Datenmenge. Die geringere Bildqualität soll in der Praxis aber kaum spürbar sein, wie Henning Dorstewitz Netflix via Twitter zitiert.

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Was ist der Unterschied zwischen Bitrate und Auflösung?

Während die Auflösung, also beispielsweise Full-HD (1.920 x 1.080), einen fixen Wert für die ausgegeben Menge an Pixeln angibt, steht die Bitrate für eine variable Anzahl an übertragenen Bits pro Sekunde (Übertragungsrate). Wie gut die Qualität eines Videos dann ausfällt, hängt zusätzlich noch von den Bildern pro Sekunde ab.

  • Pixel pro Sekunde = Auflösung x Bilder pro Sekunde
  • Bits pro Pixel = Bitrate / Pixel pro Sekunde

Die Bildqualität hängt demnach entscheidend von der Anzahl an Bits pro Pixel ab. In der Praxis dürfte wohl den meisten schon mal ein 720p-Video untergekommen sein, das besser aussieht als sein 1080p-Pendant.

Warum soll die Bitrate überhaupt gesenkt werden?

Da viele Bürger aufgrund der Corona-Krise von zuhause aus arbeiten, wird befürchtet, dass die Netzkapazitäten dafür nicht genügen, weil gleichzeitig viele Menschen die Zeit in den eigenen vier Wänden mit Video-Streaming verbringen könnten.

In der Schweiz mahnte der Bundesrat seine Bürger bereits zum vernünftigen Umgang mit entsprechenden Diensten an und drohte sogar mit einer Blockade von Streaming-Diensten. Die Deutsche Telekom hingegen sieht sich gut gerüstet, ein Ausfall des Internets drohe nicht.

EU-Kommissar Thierry Breton wiederum hatte erst vor wenigen Tagen Nutzer zum solidarischen Umgang mit der Netzinfrastruktur gebeten, um die Stabilität des Internets zu gewährleisten.

Einige Nutzer scheinen mit einer Reduzierung der Bitrate allerdings nicht einverstanden und fordern deshalb auch die Preise entsprechend um 25 Prozent zu kürzen. So etwa Twitter-Nutzer malte hannover.

Allerdings wäre eine Preisreduktion vermutlich gar nicht gerechtfertigt, denn wer für UHD bezahlt, erhält auch weiterhin die volle Auflösung. Wie oben beschrieben, eben nur mit einer geringeren Bitrate, was die Bildqualität etwas mindert.

Zusammenfassend: Was bedeutet die Drosselung für den Einzelnen?

  • die Bitrate wird reduziert, um die Netzinfrastruktur zu entlasten, Stichwort Solidarität
  • Auflösungen werden nicht herabgesetzt, wer für UHD bezahlt erhält auch weiterhin UHD
  • die Bildqualität soll laut Netflix dadurch nicht allzu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden

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