2006 wurde aus einem Kurzwahldienst eine der erfolgreichsten Apps der Welt – heute ist das Musik-Programm teil von Apples Erfolgsgeschichte

1999 legten drei Freunde den Grundstein für eine der erfolgreichsten Apps aller Zeiten – Jahre später kaufte Apple das Unternehmen für 4000 Millionen Dollar.

Bevor Shazam die erste App auf den Markt brachte, war der Dienst über eine Handykurzwahl zu erreichen. (Bildquelle: velimir Adobe Stock) Bevor Shazam die erste App auf den Markt brachte, war der Dienst über eine Handykurzwahl zu erreichen. (Bildquelle: velimir / Adobe Stock)

Sicherlich kennt ihr die Situation: Im Radio, im Café oder irgendwo im Hintergrund läuft ein Lied, das euch wirklich gut gefällt, doch leider habt ihr keinen Plan, wer da eigentlich singt und wie das Lied heißen könnte. 

Und vielleicht habt ihr dann schon einmal die Shazam-App verwendet. Nützlich ist die App, da sie mittlerweile in wenigen Sekunden unzählige Titel erkennt und euch gleich ein paar Fakten zum Interpreten mitliefert. 

2008 feierte die App ihren großen Durchbruch, als sie als eine der ersten Anwendungen in Apples App Store veröffentlicht wurde und wenige Monate später auch für Android erschien. Dabei geht die Geschichte des Programms viel weiter zurück in eine Zeit vor App-Stores und richtigen Smartphones – ins Jahr 1999. 

Vom Kurzwahldienst zur Erfolgsapp – Shazam war seiner Zeit voraus 

Als die Studenten Chris Barton und Philip Inghelbrecht Ende der 90er-Jahre gemeinsam mit ihrem Freund Dhiraj Mukherjee und dem Informatiker Avery Wang das Unternehmen hinter Shazam gründen, ist die Zukunft, die den Erfolg ihrer App begründen wird, noch weit entfernt.

Es gibt keine Smartphones, wie wir sie heute kennen, keine App-Stores und das mobile Internet steckt noch in den Kinderschuhen. Dennoch schufen die vier Gründer eine Software zur Analyse von Liedern, die sie der breiten Masse leicht zugänglich über das Telefon anbieten wollten. 

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Im Interview mit The Guardian erklärt der Shazam-Mitgründer Mukherjee:  

»Es hat ewig gedauert, bis diese Dinge Realität wurden. Wir fragten uns: ›Wo bleiben diese Handys?‹ Ich will damit nicht sagen, dass wir das iPhone vorausgesehen hätten, aber es war ein echter Wendepunkt.« 

Statt mit ihrer Idee bis zum Erscheinen moderner Smartphones zu warten, überlegten sich die Entwickler schließlich eine clevere Lösung und setzten auf den Mobilfunkausbau in Europa Anfang der 2000er-Jahre. 

Da sie den größten Erfolg für ihr Unternehmen als Start-up in Europa, genauer genommen in Großbritannien, sahen, wählten die Shazam-Entwickler London als ihren Standort. Dort gab es bereits einen verbreiteten GSM-Standard, und Handys sowie SMS hatten längst Einzug in den Alltag gehalten. 

Kurzerhand richtete Shazam 2002 die Kurzwahlnummer »2580« ein, unter der ihr Musikerkennungsdienst erreichbar war. Dieser benötigte mindestens 15 Sekunden, um ein Lied zu erkennen und mit den damals rund eine Million Songs in der Datenbank abzugleichen. 

Nach spätestens 30 Sekunden endete das Gespräch und Anrufer erhielten im Anschluss eine Textnachricht mit dem Songtitel und dem Namen des Interpreten. Mit der Zeit kamen klickbare Links hinzu, um die Lieder direkt im Netz auffindbar zu machen. 

So verdiente Shazam damals Geld

Doch ein Problem stand zur Gründung des Unternehmens noch im Raum: Wie sollte sich der Dienst finanzieren und das Team hinter Shazam Geld verdienen? Im Gespräch mit The Guardian erklärte Mukherjee: 

»Ich habe mich entschlossen, meinen Job zu kündigen und gemeinsam ins Geschäft einzusteigen. Ich ging davon aus, dass wir ein Geschäftsmodell finden würden. Ich hätte nicht gedacht, dass wir gleich sechs verschiedene finden würden.« 

Bis zur Veröffentlichung der App und dem vollen Fokus auf diese setzte Shazam vor allem auf einen gebührenpflichtigen Telefondienst.  

Das war allein schon deshalb notwendig, da es sich bei der vierstelligen Kurzwahlnummer um einen kostenpflichtigen Dienst handelte, für den Shazam Verträge mit den damals größten britischen Mobilfunkanbietern schließen musste. 

Ein Anruf kostete damals rund 50 Pence. Als der Telefondienst 2004 in den USA startete, kostete eine Musikerkennung hingegen knapp einen US-Dollar. Später erweiterte das Team hinter Shazam das Angebot um ein monatliches Abo, welches mit rund 4,50 Pfund unbegrenzte Musikerkennung ermöglichte. 

Der Schritt zur App und der große Durchbruch 

Der Wandel zur App war schließlich der logische nächste Schritt. Bereits 2006 gab es eine frühe Version als Anwendung, die exklusiv über den US-Mobilfunkdienst Amp'd Mobile verfügbar war. Ab 2008 folgten dann die Apps für Apple und Android. 

Die Oberfläche von Shazam hat sich seit dem App-Release immer wieder verändert. (Bildquelle: GameStar Tech; Apple) Die Oberfläche von Shazam hat sich seit dem App-Release immer wieder verändert. (Bildquelle: GameStar Tech; Apple)

Einen großen Vorteil für Apple hatte Shazam schon damals, da die App die erkannten Lieder direkt mit iTunes verlinkte, sodass diese dort geöffnet und gekauft werden konnten. 

Innerhalb von etwas mehr als einem Jahr wurde die iPhone-App bereits zehn Millionen Mal heruntergeladen. Der Dienst war zu diesem Zeitpunkt in mehr als 150 Ländern verfügbar, was für damals enorme Zahlen waren. Der Erfolg hielt weiter an und 2011 gab Apple bekannt, dass Shazam die viertmeist heruntergeladene kostenlose iPhone-App aller Zeiten im App Store war. 

Mit weltweit 225 Millionen Nutzern und mehr als fünf Milliarden Song-Erkennungen sowie einer hohen Zahl an Weiterleitungen zu iTunes war die App spätestens 2012 auf dem Radar vieler Investoren. Dass Apple das Unternehmen Jahre später übernehmen sollte, kam also nicht von ungefähr. 

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Der Apple-Deal für 400 Millionen US-Dollar 

Bevor Apple das Unternehmen kaufen sollte, gab es bereits Kooperationen mit Shazam. So wurden die Funktionen der Software beispielsweise durch eine Partnerschaft bereits 2014 für Apple-Nutzer mit iOS 8 als Feature von Siri angeboten. 

Neben Apple kamen zahlreiche Partnerschaften mit Musik-, Vermarktungs- und anderen wirtschaftlichen Unternehmen hinzu, um die Plattform und ihre Datenbank weiter auszubauen. 

Shazam nutzt zur Erkennung nämlich ein Fingerabdrucks-Prinzip, bei dem nur exakte Kopien und Samples eines Musikstückes erkannt werden. Bedeutet: Solltet ihr eine verfremdete Version eines Lieds haben oder ein Stück selbst einsingen, bleiben die Chancen, das eigentliche Lied zu entdecken, sehr gering. 

Nicht zuletzt deshalb war die Kooperation mit vielen Unternehmen für Shazam überlebenswichtig.

Trotz des großen Erfolges und mehr als einer Milliarde Downloads berichtete Shazam erst 2016, durch eine neue Geschäftsausrichtung profitabel geworden zu sein. Grund dafür sei die neue Ausrichtung auf den Verkauf digitaler Musik und die Einnahmen aus Provisionen durch Streamingangebote. 

Nachdem Apple seit der Veröffentlichung der App immer wieder Kooperationen mit Shazam startete und die Entwicklung des Tools mit großem Interesse verfolgte, kaufte Apple das Unternehmen im September 2018 schließlich für 400 Millionen US-Dollar – obwohl der Marktwert zuvor bereits auf über eine Milliarde Dollar geschätzt wurde. 

Seitdem entwickelt Apple die Plattform eigenständig weiter und veröffentlichte im Juni 2021 das sogenannte ShazamKit, ein Framework, mit dem Entwickler die Musikerkennung von Shazam leichter in ihre eigenen Anwendungen integrieren konnten. Das Framework funktioniert dabei sowohl für iOS als auch für Android. 

Noch heute hat Shazam einen großen Erfolg und gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Musikerkennungs-Tools weltweit. Apple nennt für 2025 beispielsweise über eine Milliarde Song-Erkennungen pro Monat. 

Die vier Gründungsmitglieder sind inzwischen andere berufliche Wege gegangen. Inghelbrecht und Barton arbeiteten zwischenzeitlich bei Google und gründeten weitere Tech-Unternehmen und Start-ups. Wang arbeitet seit der Übernahme als Forscher bei Apple. 

Und noch ein Fun-Fact: Shazam ist ein englischer Begriff, der sich in etwa mit dem deutschen »Abrakadabra« vergleichen lässt. Die Entwickler entschieden sich für diesen Namen, weil die schnelle Erkennung von Songs für sie fast wie Zauberei wirkte.


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