Social-Media-Verbot: Experte fordert mehr als bloß eine Altersgrenze für junge Leute

Der Cyberkriminologe Prof. Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger sieht Handlungsbedarf bei geplantem Social-Media-Verbot – »Es kann nicht sein, dass es weitgehend vom Zufall abhängt.«

Der Social-Media-Experte und Cyberkriminologe Prof. Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger fordert mehr digitale Bildung und Polizeiarbeit zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im Netz. (Bildquelle: Aleksei Adobe Stock) Der Social-Media-Experte und Cyberkriminologe Prof. Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger fordert mehr digitale Bildung und Polizeiarbeit zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im Netz. (Bildquelle: Aleksei / Adobe Stock)

Das Bundeskabinett hat am 14. Oktober 2026 Eckpunkte für ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 13 Jahren beschlossen, das zusätzliche Einschränkungen für Jugendliche bis 18 Jahren mit sich bringen soll.

Aktuell gibt es eine rege Diskussion um das Thema und wie weit ein entsprechendes Verbot gehen sollte. Für den Cyberkriminologen Prof. Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger gibt es zu den geplanten Regelungen weiteren Handlungsbedarf – vor allem im Bereich der Bildung und Polizeiarbeit.

Wir haben mit ihm über das Social-Media-Verbot in Deutschland gesprochen und darüber, warum das Gesetz aus seiner Sicht vor allem eine starke Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern erfordert.

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Warum der Experte auch auf Onlinespiele schaut

Parallel zu dem für Deutschland geplanten Gesetz arbeitet das Europäische Parlament gerade an einem EU-Kids-Act, der neben sozialen Netzwerken auch Onlinespiele, App-Stores, Betriebssysteme und KI-Begleiter erfassen soll.

Thomas begrüßt den Beschluss der Bundesregierung und sieht in den europäischen Plänen eine wichtige Ergänzung:

»Die vorgelegten Eckpunkte sind aus meiner Sicht ein wichtiger erster Schritt, insbesondere weil die Verantwortung der Plattformbetreiber klar formuliert wird und im Rahmen des geplanten EU-Kids-Acts ausdrücklich auch Onlinespiele berücksichtigt werden sollen.«

Für ihn geht es dabei vor allem um die sozialen Funktionen der Spiele. Gerade bei den Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten bedarf es aus seiner Sicht strengerer Regulierungen, um digitale Risiken einzugrenzen.

Ein Thema ist dabei Cybergrooming. In der Befragung der Landesanstalt für Medien NRW von 2026 gaben 19 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen an, mindestens einmal Erfahrung mit Cybergrooming in den digitalen Medien gemacht zu haben.

Die Bundesregierung sei diesbezüglich bereits im Austausch mit einer Expertenkommission, der auch Thomas angehört.

»Es freut mich, dass die Bundesregierung weitere Empfehlungen unserer Expertenkommission aufgegriffen hat, beispielsweise die Einrichtung einer Kinder-Online-Wache und Maßnahmen zur Bekämpfung von Cybergrooming durch polizeiliche Scheinkindoperationen.«

Der grundsätzliche Punkt des Experten lautet dabei: Wer Kinder im digitalen Alltag schützen will, muss auch ihre Begegnungen innerhalb von Spielen berücksichtigen.

Warum Altersgrenzen allein nicht ausreichen

Der Cyberkriminologe betont jedoch, dass technische Maßnahmen und Altersbeschränkungen zwar zur Sicherheit im digitalen Raum beitragen und Risiken abmildern, diese allein aber nicht ausreichen, um Minderjährige effektiv vor digitalen Gefahren zu schützen.

Wichtig sei, dass auch über die verbindliche Vermittlung digitaler Bildung und digitaler Ethik in allen Altersstufen gesprochen wird.

»Beispielsweise müssen auch Erwachsene über digitale Risiken aufgeklärt werden, um ihrerseits Kinder entsprechend darauf vorbereiten zu können.«

Bei der schulischen Vermittlung sieht er allerdings ein grundsätzliches Problem:

»Es kann nicht sein, dass es weitgehend vom Zufall abhängt, ob ein Kind im richtigen Bundesland, an der richtigen Schule und bei der richtigen Lehrkraft die notwendigen digitalen Fähigkeiten vermittelt bekommt.«

Eine enge Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern sei demnach unausweichlich, da es sonst aufgrund unterschiedlicher Zuständigkeiten kompliziert werden kann, die nötigen Maßnahmen durchzusetzen.

Mehr Anlaufstellen und Polizeiarbeit im Netz

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Forderungen ist die digitale Polizeiarbeit. Als Leiter des Instituts für Cyberkriminologie der Hochschule der Polizei Brandenburg wünscht sich Thomas eine stärkere Präsenz und niedrigschwellige Ansprechbarkeit der Sicherheitsbehörden:

»Dahinter steht auch der Gedanke, dass wir den digitalen Raum grundsätzlich für alle Nutzer sicherer machen müssen.«

Dafür plant die Bundesregierung eine Kinder-Online-Wache, die dann in den einzelnen Ländern handelt. Gedacht ist sie als kindergerecht gestaltete Variante der bereits bestehenden Online-Wachen. Über diese sollen zudem ergänzende Beratungsangebote auffindbar sein.

In den Plänen hätte sich Thomas jedoch eine weitergehende Konkretisierung der digitalen Polizeiarbeit gewünscht.

Was für die Umsetzung jetzt passieren muss

Bei Alterskontrollen sieht der Experte die Herausforderung, verlässliche Verfahren zu schaffen und zugleich die Privatsphäre der Nutzer zu schützen. Ebenso müssen ihm zufolge zunächst die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden:

»Gleichzeitig müssen aber auch Maßnahmen wie die Einrichtung einer Kinder-Online-Wache oder die verbindliche Vermittlung digitaler Bildung mit entsprechenden personellen und finanziellen Ressourcen ausgestattet werden.«

Hinzu kommt die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern. Unterschiedliche Zuständigkeiten können die Umsetzung erschweren. Beispielsweise dann, wenn Bildungsangebote ausgebaut oder neue Anlaufstellen geschaffen werden müssen.

»Entscheidend wird deshalb sein, dass aus den angekündigten Eckpunkten auch tatsächlich funktionierende Angebote und verbindliche Maßnahmen entstehen.«

Bisher gibt es noch kein Datum, ab wann das Social-Media-Verbot in Deutschland greifen soll. Die Bundesregierung spricht jedoch davon, das Gesetz noch dieses Jahr durchbringen zu wollen.

Doch was haltet ihr von dem Social-Media-Verbot? Geht es für euch nicht weit genug? Oder seht ihr in dem geplanten Gesetz eine starke Einschränkung für Kinder und Jugendliche? Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare.


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