»Photovoltaik hält länger als gedacht«: In der Schweiz haben sie sich alte Solaranlagen angeschaut und wurden überrascht

Forscher der Fachhochschule Südschweiz SUPSI haben sechs alte PV-Anlagen untersucht – und festgestellt, dass die Module auch nach drei Jahrzehnten noch über 80 Prozent ihrer Nennleistung liefern.

Eine Schweizer Langzeitstudie zeigt: Solarmodule halten deutlich länger als die übliche Garantielaufzeit von 25 bis 30 Jahre. (© martiposa via Adobe Stock) Eine Schweizer Langzeitstudie zeigt: Solarmodule halten deutlich länger als die übliche Garantielaufzeit von 25 bis 30 Jahre. (© martiposa via Adobe Stock)

Wer eine Photovoltaikanlage kauft, rechnet in der Regel mit einer Nutzungsdauer von 25 bis 30 Jahren. Genau das garantieren zumindest die meisten Hersteller: Innerhalb dieses Zeitraums soll ein Modul noch mindestens 80 Prozent seiner ursprünglichen Nennleistung erbringen.

Ein Forschungsteam aus der DACH-Region hat sich im April 2025 genau diese Frage gestellt. So analysierten die Wissenschaftler unter der Leitung von Ebrar Özkalay von der Fachhochschule Südschweiz (SUPSI) sechs Photovoltaikanlagen, die zwischen 1987 und 1993 in der Schweiz installiert wurden (via Royal Society of Chemistry).

Das Ergebnis der Auswertung von mehr als 20 Jahren an Monitoring-Daten: Die untersuchten Module liefern tatsächlich noch immer mehr als 80 Prozent ihrer ursprünglichen Leistung – und in einigen Fällen sogar mehr.

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Wo die Anlage steht, macht den entscheidenden Unterschied

Die sechs untersuchten Standorte reichen dem Bericht zufolge von tief gelegenen Wohnhäusern im Flachland bis zu gewerblichen Anlagen in alpinen Höhenlagen, etwa Mont-Soleil (1.270 m) oder Jungfraujoch (3.462 m über dem Meeresspiegel).

Die durchschnittliche Leistungsabnahme lag demnach bei lediglich 0,24 Prozent pro Jahr – etwa dreimal langsamer als bisher angenommen. Allerdings gilt dieser Wert nicht pauschal für alle Standorte: Tiefer gelegene Anlagen zeigten eine stärkere Alterung.

  • Hochalpine Systeme verloren im Schnitt lediglich 0,11 Prozent Leistung pro Jahr, Tieflagen-Systeme dagegen 0,35 Prozent. Der Grund liegt in der Temperatur.
  • In niedrigen Höhenlagen können Moduloberflächen bis zu 74 bis 80 Grad Celsius erreichen, was dauerhaften thermischen Stress erzeugt. Hochalpine Standorte sind trotz extremerer Wetterereignisse im Schnitt bis zu 20 Grad Celsius kühler – und altern entsprechend langsamer.

Das zeigt, dass Photovoltaikanlagen sehr lange halten können – und das ist eine wichtige Botschaft für die gesamte Solarindustrie.

Ebrar Özkalay via Chemistry World

Materialqualität als zentraler Langlebigkeitsfaktor

Als wichtigste Erkenntnis der Studie gilt, dass die Qualität der verbauten Materialien der entscheidende Faktor für die Lebensdauer der Module ist.

  • Die ältesten Module, die AM55-Typen aus dem Jahr 1987 in Möhlin, wurden noch ohne UV-Stabilisatoren im EVA-Einbettmaterial gefertigt.
  • Laut Studie führt dies zu »photo-oxidativer Degradation«: Das Einbettmaterial vergilbt und löst sich stellenweise ab. Nach 1987 verbesserte die Industrie das EVA schrittweise durch UV-Stabilisatoren und Antioxidantien.

Ein weiteres Beispiel liefert der Standort Tiergarten in Burgdorf, wo zwei Modultypen (SM55 und SM55-HO) unter identischen Bedingungen auf demselben Dach installiert waren.

Die SM55-Module zeigten im Labortest im Schnitt rund doppelt so hohe Leistungsverluste wie die SM55-HO-Variante. Als Ursache identifizierten die Forscher wiederkehrende Lötverbindungsbrüche, die zu erhöhtem Serienwiderstand und sinkender Effizienz führten.


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Sind heutige Module ähnlich langlebig?

Auf diese Frage gibt die SUCSI-Studie keine direkte Antwort.

  • Ältere Module profitierten laut den Forschern etwa von dicken Siliziumwafern, robusten Polymer-Rückseitenfolien und stabilen Aluminiumrahmen.
  • Aktuelle Produktionstrends setzen dagegen auf dünnere Materialien und leichtere Bauweisen, um Effizienz und Kosten zu optimieren – was die Langzeitstabilität zumindest hypothetisch beeinträchtigen könnte.

Für Eigentümer bestehender Anlagen dürften die Ergebnisse aber ein positives Zeichen sein, zumal die Forscher unter gemäßigtem Klima das Potenzial für Laufzeiten von über 50 Jahren sehen.

Gerade viele der um die Jahrtausendwende installierten Anlagen nähern sich indes gerade erst dem Ende ihrer garantierten Laufzeit, was angesichts dieser Ergebnisse entsprechend noch lange nicht ihr Aus bedeuten muss.

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