Warum Spaniens Staudämme plötzlich etwas tun müssen, wofür sie nie gebaut wurden

Spaniens Staudämme hielten Extremregen stand – nicht wegen ihrer Höhe, sondern dank präziser Steuerung und klug genutztem Leerraum.

So imposant Staudämme auch sein mögen, ihre wahre Macht liegt in der Steuerung von Wasser. (Bildquelle: Adobe Firefly, KI-generiert; Prompt: Alexander Köpf) So imposant Staudämme auch sein mögen, ihre wahre Macht liegt in der Steuerung von Wasser. (Bildquelle: Adobe Firefly, KI-generiert; Prompt: Alexander Köpf)

Spaniens Staudämme sind für ein Klima gebaut worden, das es nicht mehr gibt. Sie beruhen auf alten Messreihen, auf der Annahme, dass Extreme selten sind, und dass sich die Zukunft wie die Vergangenheit verhält.

Der Februar 2026 stellte das infrage. Binnen Tagen fiel so viel Regen wie sonst in einem Winter. Die Zuflüsse stiegen steil.

Dass es keine große Flut gab, lag nicht am Beton, sondern an der Steuerung der Wassermassen.

Spanien hat mehr als 1.200 große Dämme. Man baute sie für Strom, Trink- und Nutzwasser. Nicht für den Schutz vor Fluten.

Doch Hochwasser war nie ganz außen vor. Es gab Überläufe, Sicherheitszuschläge und Rechenmodelle.

Nur: Ein Speicher soll voll sein. Ein Flutpuffer soll leer sein. Das passt nicht gut zusammen. Im Februar zählte der Leerraum mehr als der Füllstand.

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Die Zahl, auf die es ankam

Im Becken des Río Zadorra steuert die baskische Behörde URA große Teile des Flusses. Zum System zählen der Ullibarri-Gamboa-Stausee und der Urrunaga-Damm.

Zeitweise flossen 260 Kubikmeter pro Sekunde in die Seen, nur 54 durften weiter. Mehr als 200 Kubikmeter pro Sekunde blieben im Becken.

Das ist der Kern des Schutzes. Nicht Abwehr, nicht Stopp, sondern Zeitgewinn. Jeder Kubikmeter, der später kommt, senkt die Spitze der Welle.

Wer steuert, schützt

Spanien ordnet sein Wasser nach Einzugsgebieten, nicht nach Ländern, nicht nach Provinzen. Das hilft, denn ein Fluss kennt keine Grenze.

In Deutschland ist das anders. Hier gibt es mehr Deiche, mehr Polder, mehr Raum für den Fluss. Große Speicher sind seltener Teil des Gesamtnetzes.

Beides hat Vor- und Nachteile. Spanien kann viel Wasser auf einmal bremsen. Deutschland gibt ihm eher Platz.

Wenn der Boden voll ist

Im Süden des Landes stieg der Pegel des Iznájar-Sees rasch an. Der staatliche Wetterdienst warnte vor gesättigten Böden.

Ist der Boden voll, wird Regen zu Abfluss. Schnell, direkt, ohne Puffer. Dann zählt jeder freie Kubikmeter im Speicher.

Das eigentliche Problem

Spaniens Staumauern sind zwar stark, das Problem liegt jedoch in den Zahlen, mit denen man einst rechnete. Man ging davon aus, dass Regen in festen Mustern auftritt.

Doch das Klima verschiebt die Muster. Regen kommt seltener, aber massiver. Hochwasser, das sonst einmal in 100 Jahren auftrat, kommt nun viel häufiger.

Die Dämme sind nicht falsch gebaut. Aber sie rücken näher an ihre Grenzen.

Dazu kommt Schlamm. Er lagert sich am Grund ab, frisst Speicher und verringert den Puffer.

Auch der Strommarkt reagiert

Viel Wasser heißt viel Wasserkraft. Die Speicher waren so voll wie lange nicht, und günstiger Strom drängte teuren aus dem Markt. Das Kernkraftwerk Trillo ging zeitweise vom Netz.

Wasser bremste nicht nur die Flut, es drückte auch den Strompreis.

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Was bleibt

Die Dämme retteten Spanien nicht durch Masse, sondern durch Maß. Ingenieure beobachteten Pegel, verglichen Prognosen, gaben Wasser frei oder hielten es zurück.

Bei Hochwasser zählt nicht, wie viel Wasser man bremst, sondern wie viel Platz noch bleibt.

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