Es gibt diesen Moment, in dem man auf die Waage steigt, kurz innehält und dann leise flucht. Bei mir war es vor ein paar Wochen so weit: plus fünf Kilogramm. Das ist kein Weltuntergang, aber genug, um ein Signal zu setzen. Statt in Stresspanik zu verfallen, habe ich beschlossen, das Beste daraus zu machen: ein Selbstexperiment, das gleichzeitig ein Härtetest für ein Gerät ist, das mit großen Versprechen wirbt.
Der Speediance Velonix ist eines der teuersten smarten Trainingsfahrräder auf dem Markt. Und ich möchte wissen: rechtfertigt es seinen Preis – und kann es mir wirklich helfen, bis zum Frühling fünf Kilo zu verlieren?
Hier ist mein erster Eindruck.
- Preis: 3.000 Euro / aktuell auf 2.200 Euro reduziert
- Verfügbarkeit: schon verfügbar
Aufbau und Verarbeitung: Nach nur etwa 30 Minuten geht’s los
Aufbau: Das Fahrrad kam in einen einzigen großen Karton und der Aufbau war überraschend einfach. Es mussten nur einige Teile an den Rahmen montiert werden:
- Beine
- Kopfteil und Monitor
- Sattel
- Pedale
Der ganze Prozess hat nur etwa 30 Minuten gedauert. Praktisch ist zudem, wie gut sich der Velonix an unterschiedliche Körpergrößen anpassen lässt. Sattel und Lenker sind vielfach verstellbar, der Lenker bietet fünf verschiedene Griffpositionen, und trotz seiner massiven Optik benötigt das Bike kaum Stellfläche.
Verarbeitung: Der Rahmen besteht aus Aluminium und macht einen sehr hochwertigen Eindruck; alles andere wäre bei diesem Preis enttäuschend gewesen. Trotz der Aluminium-Konstruktion wiegt das Fahrrad 48 Kilogramm, was für ein Trainingsgerät zwar nicht viel ist, aber dennoch ist es kein Leichtgewicht. Dank der Rollen am vorderen Fuß konnte ich es trotzdem leicht von Zimmer zu Zimmer schieben und für kurze Distanzen lässt es sich auch am Rahmen hochheben.
Die Griffe sind gummiert und bieten dadurch einen einwandfreien Halt beim Training. Negativ ist mir der Sattel aufgefallen. Dieser hat etwas Spiel und bewegt sich wenige Millimeter in alle Richtungen, als wären einige Schrauben nicht festgezogen. Das könnte jedoch Absicht sein, um die Hüftbewegungen zu kompensieren. Beim Training empfand ich das jedenfalls nicht als störend.
Die Technologie im Speediance Velonix
Technisch gehört der Velonix zu den ambitioniertesten Smart-Bikes am Markt. Im Zentrum steht ein 2300-Watt-Antrieb mit elektrischem Widerstand, der Steigungen bis zu 30 Prozent simulieren kann und nahezu verzögerungsfrei reagiert. Das fühlt sich beim Fahren erstaunlich realistisch an.
Der große 21,5-Zoll-Touchscreen dient nicht nur als Steuerzentrale, sondern auch als Entertainment-Zentrum. Streaming-Dienste wie Netflix, Hulu, Disney Plus und YouTube sind direkt integriert und die Benutzeroberfläche läuft dank des kräftigen Octa-Core-Chips angenehm flüssig.
Unterstützt wird das Ganze von einem überraschend satten 2.1-Soundsystem mit eigenem 20-Watt-Subwoofer, der das Training deutlich immersiver macht, als man es bei einem Indoor-Bike erwarten würde.
Der Speediance Velonix ist auch ein Entertainment-Center mit hervorragendem Klangsystem. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Auch beim Tracking zeigt sich der Velonix von der ehrgeizigen Seite: Neben klassischen Werten wie Drehzahl, Kalorienverbrauch und Distanz misst er auch fortgeschrittene Trainingsmetriken, wie etwa die FTP (functional threshold power). Das ist die maximale Leistung, die man über eine Stunde hinweg konstant halten kann, also ein Wert, der dabei hilft, herauszufinden, wie fit und ausdauernd man ist.
Die Daten lassen sich mit Zwift, Strava und gängigen Smartwatches synchronisieren. Leider ist meine Amazfit-Smartwatch inkompatibel, also kann ich dieses Feature nicht testen.
Es gibt vier physische Schalter zum Einstellen der virtuellen Steigung. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Mein erster Eindruck: Überraschend motivierend
Ich mag Ausdauertraining einfach nicht. Ich finde es im Vergleich zu Krafttraining einfach … langweilig.
Aber ich weiß, es hat wichtige Vorzüge:
- Ich halte damit Herz und Lunge fit
- Ich verbessere meine Ausdauer für alltägliche Aktivitäten
- Ich bin in meinen Sportarten leistungsfähiger
- Ich verbrenne zusätzliche Kalorien
Aus diesem Grund suche ich immer nach Möglichkeiten, mir das Ausdauertraining spaßiger zu gestalten. Das fällt mir meistens leichter, wenn ich mit einem Freund trainiere. Zuletzt haben wir uns im Fitnessstudio auf zwei Crosstrainer gestellt, die einen wunderbaren Ausblick auf einen viel befahrenen Kreisverkehr haben.
Jedes Mal, wenn ein rotes Auto vorbeifuhr, mussten wir 10 Sekunden lang sprinten. Wenn mehrere auf einmal vorbeifuhren, haben wir die Zeit addiert. Das war teilweise richtig anstrengend, hat aber viel Spaß gemacht.
Zu Hause muss ich mich extra motivieren, um Ausdauertraining zu machen. Hier kommt der Velonix ins Spiel.
Über seinen großen Bildschirm kann man nicht nur während des Trainings Videos, Serien und Filme schauen, sondern auch an virtuellen Kursen teilnehmen. In diesen begleitet euch ein Trainer oder eine Trainerin durch das Training, motiviert dabei und gibt Anweisungen.
Obwohl ich am liebsten meine Widerstände, Intervalle und andere Parameter selbst wähle, muss ich zugeben, dass die virtuellen Trainingskurse überraschend motivierend sind. Ich schalte meinen Kopf aus und folge einfach den Anweisungen. Eine Minute Sprint? Von mir aus.
Ich mache am Velonix am liebsten ein kurzes Intervalltraining, das etwa 20 Minuten dauert. Dabei wechselt man zwischen intensiven und lockeren Phasen durch. Es hilft tatsächlich, dass ein Trainer oder eine Trainerin auf dem Bildschirm ankündigt, wann das nächste schwere Intervall kommt und einen mit »You can do it!« und »just ten more seconds« motiviert. Ach ja, die Kurse sind alle auf Englisch.
Man kann auch eine der vielen szenischen Fahrten wählen, die Fahrradtouren bei freiem Himmel simulieren. Es sind sogar bekannte Strecken, wie die Tour de France, enthalten.
Wenn ich aber mal nur Lust auf ein lockeres Ausdauertraining habe, werfe ich am liebsten die YouTube-App an und schaue mir ein Playthrough, einen Podcast oder andere längere Videos an. Ich nehme mir dann als Ziel, durch das gesamte Video hindurch zu trainieren.
Negative Dinge, die mir schon jetzt auffallen
Ohne Langzeiterfahrung fallen mir bereits einige Dinge auf, die mich an dem Gerät mehr oder minder stören:
Standby-Summen: Es gibt keine Möglichkeit – zumindest habe ich sie nicht gefunden – das Gerät komplett herunterzufahren. Man kann den Velonix lediglich in einen Standby-Modus versetzen. Das Schlimmste daran ist ein konstantes Summen, das vom Elektromotor ausgeht. Es ist nicht sehr laut, aber ich bin sehr empfindlich gegenüber diesem elektrischen Summen. Ebendarum stecke ich immer das Stromkabel aus, wenn ich mit dem Training fertig bin.
Viele Kurse und KI-Trainer nur per Abo: Viele der Kurse sind ausschließlich im Wellness-Plus-Abo von Speediance verfügbar. Es ist allgemein schon nervig, dass jedes Produkt heutzutage eine Mitgliedschaft für den vollen Funktionsumfang benötigt, aber bei einem Gerät, das mehr als zweitausend Euro kostet, ist das extra bitter. Jedoch habe ich vom kostenlosen Inhalt bisher einen sehr guten Eindruck und ich vermute, dass er für die meisten absolut ausreicht.
Am besten nur mit Schuhen in die Pedale treten: Das ist bloß eine Kleinigkeit, aber bei den Pedalen ragen kleine Schrauben heraus, weshalb man besser nicht mit Socken oder barfuß trainieren sollte.
Mein Motivation für den Frühling
Ich habe mir vorgenommen, jetzt konsequent dranzubleiben. In den kommenden Wochen wird der Velonix fester Bestandteil meiner Routine sein und ich bin gespannt, wie viel er tatsächlich zu meinem Ziel beitragen kann.
Fünf Kilo bis zum Frühling: Das ist machbar. Ich werde detailliert festhalten, wie gut oder schlecht es läuft.
Ein ausführlicher Langzeitbericht folgt, vielleicht sogar in mehreren Etappen.

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