»Wer jetzt keine Ware hat, überlebt nicht«: Der Erfinder des USB-Sticks lässt den aktuellen Stand der RAM-Krise wie Kindergarten wirken

Es ist schwer vorhersehbar, wie sich die Speicherkrise weiter entwickelt. Doch der Chef von Phison zeichnet ein besonders düsteres Bild der Zukunft.

Pua Khein-Seng beziehungsweise Pan Jiancheng von Phison hat keine guten Nachrichten für uns. (Bild: YouTube) Pua Khein-Seng beziehungsweise Pan Jiancheng von Phison hat keine guten Nachrichten für uns. (Bild: YouTube)

Wenn ihr genug von schlechten Nachrichten im Zuge der RAM-Krise habt, lest ihr jetzt besser nicht weiter.

Gleichzeitig ist festzuhalten, dass es hier letztlich nur um die Prognosen einer Person geht. Allerdings handelt es sich mit Pan Jiancheng um eine durchaus einflussreiche Person, die nahe am Geschehen und gemeinsam mit Firmen wie Nvidia operiert.

Er gilt unter anderem als einer der Erfinder des USB-Sticks und ist der CEO der Firma Phison, die er vor 26 Jahren im Alter von 27 gemeinsam mit vier Kommilitonen gegründet hat.

Wer ist Phison? Die taiwanesische Firma stellt vor allem Controller für Flash-Speicher her. Den benötigt man wiederum unter anderem, um den teuren HBM-Speicher von KI-Chips in Rechenzentren ausreichend schnell mit Trainingsdaten füttern zu können.

Der CEO von Phison hat sich nun kürzlich in einem Interview zu den Auswirkungen und dem weiteren Verlauf der RAM-Krise geäußert. Dabei findet er oftmals drastische Worte, so auch im Zitat aus der Überschrift.

Video starten 39:01 3.000€ für eine Grafikkarte? Die Hardware-Krise ist zurück – und sie ist schlimmer!

Ganz Industrien stark betroffen

  • Das besagte Zitat fällt am Ende des Interviews, als es um die Aussichten für Phison selbst geht. Jiancheng prognostiziert zwar ein großes Wachstum, aber einhergehend mit dem Druck, genug Lagerbestände aufzubauen und entsprechende Vorauszahlungen leisten zu müssen.
  • Doch auch ganz andere Branchen stehen laut seiner Aussagen vor dem Problem von Lieferengpässen, etwa Handy- und TV-Hersteller:

Konsumelektronik leidet massiv. Handy- und Autohersteller betteln um Ware. Die Produktion von Handys wird um ca. 200 bis 250 Millionen Stück sinken. Auch Fernseher sind betroffen [...]. Es wird eine Phase geben, in der die Nachfrage nach Konsumelektronik einbricht. Aber sobald sich das Angebot stabilisiert, entsteht eine riesige Nachfragelücke, die gefüllt werden muss. Wer diese Phase überlebt und investiert, wird in 3-4 Jahren massiv profitieren.

  • Besonders düstere Prognosen äußert er außerdem in Bezug auf SSDs beziehungsweise Flash-Speicher. Der Grund: Nvidias neue Rubin-Generation setzt auf große Mengen davon, weil sich der KI-Fokus vom Training hin zu der Anwendung verlagert. Allein diese neuen GPUs könnten 20 Prozent der weltweiten Flash-Produktion beanspruchen, so Jiancheng.

Bei Flash-Speicher sage ich meinen Kunden: "Wenn ihr jetzt schon leidet, wartet mal das Ende des Jahres ab." Es wird viel schlimmer.

Zwar nicht von Jiancheng konkret erwähnt, aber voraussichtlich ebenfalls stark betroffen sind die Konsolen, wie eine aktuelle Meldung deutlich macht: Doppelt schlechte Nachrichten für Konsolenspieler: Die RAM-Krise soll jetzt PlayStation und Switch treffen.

Jianchengs Einschätzung nach wird die Halbleiterproduktion letztlich in allen Bereichen den Bedarf der nächsten Jahre bei Weitem nicht decken können. Gleichzeitig nennt er interne Prognosen großer Hersteller, die von einem Andauern der Knappheit bis 2030 ausgehen.

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Keine Lösungen in Sicht

Verschärft wird die Lage laut Aussagen des Phison-CEOs durch verschiedene Faktoren.

  • So sieht er KI nicht nur als einen zwingenden Bedarf an (im Gegensatz zum Aufkommen von VR beispielsweise), sondern auch als nicht mehr umkehrbar. Er vergleicht es mit dem Internet, nur dass die Entwicklung hier viel schneller vonstattengehe.
  • Hoffnungen auf neue Speicher-Hersteller aus China erteilt er eine klare Absage. Einerseits, weil der Aufbau entsprechender Fabriken Jahre dauert. Andererseits, weil sie größtenteils den lokalen Bedarf bedienen werden. Sein Fazit: Die Vorstellung, dass China den Markt mit Billigchips flutet, ist ein Traum.
  • Auf die Gründe für die Zurückhaltung der großen Hersteller Samsung, Micron und SK Hynix in Bezug auf Expansionen angesprochen, findet Jiancheng ebenfalls deutliche Worte:

Weil sie zwischen 2020 und 2025 Verluste gemacht haben. Jetzt wollen sie ihren Marktwert steigern. Sie haben Angst, dass massive Investitionen die Preise wieder ruinieren. 3D-NAND und HBM sind zudem physikalisch schwer zu skalieren. Ein HBM-Chip frisst die Kapazität von drei normalen DRAM-Chips

Dass die Krise auch Produkte betreffen kann, die selbst nicht auf Speicher setzen, thematisieren wir unter anderem im Artikel Was gerade bei CPUs passiert, habe ich in über 30 Jahren Gaming noch nie erlebt, und das ist wohl erst der Anfang.

Um mit den eigenen Produkten in Zukunft mehr vom Kuchen abzubekommen, setzt Phison indes unter anderem auf die neue aiDAPTIV+-Technologie. Sie ermöglicht es, Flash-Speicher einen Teil der Arbeit des DRAMs übernehmen zu lassen.

Das wird aber wohl bald auch nur noch sehr bedingt helfen können, wenn SSDs als nächstes deutlich teurer werden, wie Jiancheng selbst es prognostiziert.

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