Wenn eine CPU vier Jahre alt ist, spielt sie auf dem Markt für Neuware in aller Regel kaum noch eine Rolle. Kein Wunder, schließlich sind in so einer Zeitspanne meist bereits zwei neue Generationen von Prozessoren erschienen und die alten Bestände teils außerdem langsam, aber sicher geleert.
Ich spiele seit über 30 Jahren auf dem PC und kann mich nicht daran erinnern, dass es in all dieser Zeit je anders gewesen wäre – bis jetzt. Ryzen 5000 von 2020 und 2021 erfreut sich gerade bei meist guter Lieferbarkeit so großer Beliebtheit wie lange nicht mehr.
Auch wenn es ermüdend ist, hängt diese außergewöhnliche Situation bei Prozessoren wohl ebenfalls mit der Speicherkrise zusammen. Mehr zu ihren Hintergründen erfahrt ihr im folgenden Video:
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3.000€ für eine Grafikkarte? Die Hardware-Krise ist zurück – und sie ist schlimmer!
Die aktuelle Situation
Beginnen wir mit den beliebtesten CPUs für Spieler, die mit Ryzen 5000 erstmals erschienen sind: X3D-Modelle mit zusätzlichem Cache für mehr Performance.
- Bei Vermeer gibt es nur den Ryzen 7 5800X3D und den später erschienenen Ryzen 7 5700X3D.
- In der für Endkunden bevorzugten
Boxed
-Variante mit regulärer Verpackung sind beide Modelle schon länger praktisch nicht mehr neu im regulären Handel lieferbar. - Im Falle des Ryzen 7 5800X3D ist die aus dem OEM-Umfeld stammende
Tray
-Variante mit simpler Plastikverpackung dagegen Ende 2025 in den Handel zurückgekehrt. Das ist aber zu Kosten der Fall, die oberhalb des Preises liegen, den die CPU zu ihrem Release vor etwa vier Jahren kostete:
Beim Ryzen 7 5700X3D zeichnet sich eine ähnliche Rückkehr der Tray-Variante ab. Allerdings dürften die Bestände hier generell niedriger sein als im Falle des Ryzen 7 5800X3D.
Die Speicherkrise macht indes auch vor den Ryzen-5000-CPUs ohne X3D-Zusatz nicht halt. Egal, welches noch verfügbare Modell wir uns in Preisvergleichen ansehen: Jedes davon ist in den letzten Monaten deutlich teurer geworden.
Sehen wir uns hier mal die fünf derzeit beliebtesten Modelle laut Geizhals an:
| CPU | Preisentwicklung seit September 2025 |
|---|---|
| Ryzen 7 5700X (tray) | ca. + 40% |
| Ryzen 7 5800X (boxed ohne Kühler) | ca. + 48% |
| Ryzen 7 5700X (boxed ohne Kühler) | ca. + 41% |
| Ryzen 9 5950X (boxed ohne Kühler) | ca. + 22% |
| Ryzen 7 5800XT (boxed) | ca. + 19% |
Im Gegensatz zu den oben genannten X3D-Modellen sind diese Prozessoren zwar trotz Preisanstieg weiterhin klar günstiger als zu ihrem jeweiligen Release.
Aber auch hier ist davon auszugehen, dass die Speicherkrise indirekt ihren klaren Anteil an den steigenden Kosten hat – und dass die Preise weiter nach oben klettern werden.
Warum die alten Bekannten zurückkehren
- DDR4 vs. DDR5: Während neue CPU-Generationen auf DDR5-RAM setzen, ist das bei den etwa vier Jahre alten Ryzen-5000-Prozessoren anders. Hier kommt noch DDR4 zum Einsatz.
- AM4 vs. AM5: Ebenfalls ein wichtiger Faktor beim Blick auf die Situation auf dem CPU-Markt: Ryzen 5000 der Vermeer-Generation ist für den Sockel AM4 erschienen, den AMD vor dem Wechsel zur aktuellen AM5-Pattform viele Jahre für seine Ryzen-Prozessoren unterstützt hat.
Es kann zwar je nach Alter des AM4-Mainboards gewisse Hürden bei der Nutzung einer Vermeer-CPU geben, wie etwa die nötige Installation einer neuen BIOS-Version. Für viele Spieler ist Ryzen 5000 momentan aber die beste Möglichkeit, aufzurüsten, ohne teuren RAM kaufen zu müssen.
Der Grund: Wer bereits eine Hauptplatine mit DDR4-RAM besitzt, spart sich den teuren Arbeitsspeicher. Dass man als Spieler noch DDR4-RAM hat, ist dabei nicht so unwahrscheinlich. Schließlich wird er seit Core i 6000 (Intel Skylake) beziehungsweise Ryzen 1000 (AMD Summit Ridge) unterstützt.
Klar, alte DDR4-Module sind oft langsamer als neue Modelle. Eine allzu große Rolle spielt das für die Gaming-Performance aber nicht. Dass man vor einigen Jahren noch primär auf 16,0 GByte Systemspeicher gesetzt hat, ist gleichzeitig auf einem Gaming-PC selbst 2026 noch durchaus gut zu verschmerzen.
Das Ende vom Lied: Die Nachfrage für Ryzen 5000 steigt, weil das Aufrüsten zu einer neuen DDR5-Plattform durch die Speicherkrise sehr teuer ist. Das sorgt gleichzeitig aber auch für steigende Preise der eigentlich längst von Ryzen 7000 und Ryzen 9000 abgelösten Prozessoren.
Rückkehr in die Vergangenheit: DDR3-Mainboards erleben überraschendes Comeback in Chinas DIY-Markt
Vielleicht ist es damit auch bei uns nur eine Frage der Zeit, bis sich sogar PCs mit DDR3-Speicher wieder größerer Beliebtheit erfreuen, wie es in China wohl bereits der Fall ist (siehe den obigen Link).
Abschließend noch ein kurzes Wort zu Intel: Hier liegt meinem Eindruck nach keine vergleichbare Situation vor, auch wenn manche alte Modelle zuletzt ebenfalls teurer geworden sind.
Das dürfte an der geringeren Beliebtheit im Vergleich zu Ryzen liegen und an den häufigeren Sockelwechseln bei neuen CPU-Generationen von Intel. Über kurz oder lang dürften aber auch die Nachfrage und die Preise für ältere Intel-Prozessoren mit DDR4-Unterstützung Stück für Stück steigen.
Lieber den bezahlbaren Spatzen in der Hand als die sündhaft teure Taube auf dem Dach: Seht ihr euch diesem Motto ebenfalls bereits folgen, wenn es um das Aufrüsten geht, oder habt ihr das kürzlich sogar schon so gehandhabt? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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