Steam Machine: Selbst ohne RAM-Krise wäre sie für mich eine Enttäuschung

Die Steam Machine wird wohl einer der enttäuschenderen Hardware-Releases des Jahres sein – für Jusuf liegt das aber nicht an der RAM-Krise, die den Preis nach oben treibt.

Jusuf würde sich ja gern eine Steam Machine holen, aber dafür passt die Hardware vorne und hinten nicht. Jusuf würde sich ja gern eine Steam Machine holen, aber dafür passt die Hardware vorne und hinten nicht.

Nach der Enthüllung der finalen Daten zur Steam Machine hatte ich genug Zeit, die Nachricht zum Preis sacken zu lassen. Inzwischen kann ich der Argumentation von Valve sogar auf gewisser Weise folgen, und trotzdem bleibe ich enttäuscht von dem kleinen Würfel.

Die Kritik am Preis ist absolut berechtigt. Aber wäre die Steam Machine selbst ohne RAM-Krise das Gerät, das ich mir erhofft hatte? Bei der hypothetischen UVP von 800 Euro, die im Netz für eine »krisenfreie« Steam Machine kursiert, lautet meine Antwort klar: Nein.


Video starten 54:03 1.039 für WAS?! Die Steam Machine ist Valves teuerster Fehler


Valves offizielle Erklärung für den Preis der Steam Machine klingt zunächst einmal nachvollziehbar: Der DRAM-Markt hat sich gegen sie entwickelt.

Valve begann 2023 damit, Komponenten einzukaufen – mit der Erwartung, dass PC-Hardware wie immer günstiger wird. Dann kamen Zölle und Speicherpreiskrise, und die kleinste Variante kostet jetzt 1.039 Euro.

Wir glaubten, die Entwicklung dieser Kosten gut einschätzen zu können. Diese Einschätzung basierte auf den Daten vieler Jahre über die Entwicklung von PC-Hardware-Preisen – allen voran: dass sie mit der Zeit günstiger werden.

Die Frage, die ich vorher wohl beantworten sollte: Die Spezifikationen der Steam Machine sind seit November 2025 bekannt.

Warum also erst jetzt die Enttäuschung? Weil Enttäuschung einen Preis braucht. Solange der offen war, hielt sich die Hoffnung, dass ein günstiger Preis die schwache Hardware-Basis aufwiegt.

Bei 1.039 Euro (aufwärts) funktioniert diese Hoffnung nicht mehr.

Hinzu kommt: Seit der ursprünglichen Ankündigung im November sind Alternativen wie Strix-Halo-Mini-PCs greifbarer und günstiger geworden – der Abstand zwischen dem, was die Steam Machine bietet, und dem, was man für ähnliches Geld bekommt, hat sich vergrößert, nicht verringert.

Jusuf Hatic
Jusuf Hatic

Jusuf hielt die Steam Machine schon in den Händen und war direkt vom Formfaktor begeistert. Dann schloss er sie an und war gleich mal weniger optimistisch – und der Preis machte den letzten Rest an Hoffnung zunichte.

Dröseln wir mal die Hardware auf

Die GPU der Steam Machine ist mutmaßlich eine teildeaktivierte RX 7600 – also Silizium, das die Spezifikationen für eine vollständige Grafikkarte nicht erfüllt und sonst keinen Abnehmer gefunden hätte.

Die CPU ist ein Ryzen-Derivat ohne integrierte Grafikeinheit – auch hier vermutlich ich einen Chip aus dem »Fertigungsabfall« in Form des Ryzen 5 8500G.

Das klingt nach Kostenersparnis. Ist es auch – aber mit einem entscheidenden Haken.

  • Das Ergebnis der Steam Machine ist damit ein System aus »überschüssigem« Silizium, das dank DDR5-Pflicht (seit Zen 4 Voraussetzung) trotzdem nicht günstig ist – weil die DDR5-Kosten die Ersparnisse beim Chip direkt aufzehren.
  • Der RAM-Markt hat diese Mehrkosten so gesehen nicht verursacht, sondern schlicht »nur« auf ein exorbitantes Level gehoben.

Das eigentliche Problem liegt vor der Ankündigung

Valve traf seine Hardware-Entscheidungen 2023. Schon damals war die Konfiguration für den eigentlichen Zweck des Geräts knapp. Eine Steam Machine will ein Wohnzimmer-PC sein. Wohnzimmer-PCs hängen an 4K-Fernsehern. 4K-Fernseher sind seit Jahren der Consumer-Standard.

Und für 4K-Gaming mit den Ansprüchen von PC-Spielern braucht man GPU-Rechenleistung – die diese GPU schlicht nicht hat. Der eingebaute Chip kommt nämlich auf 28 Compute Units in der RDNA-3-Architektur.

  • Zum Vergleich: Ein Strix-Halo-System – AMDs APU-Flaggschiff von 2025 – bietet 32 Compute-Units in der aktuelleren RDNA-3.5-Architektur, dazu 16 CPU-Kerne in Zen 5 und 24 GByte Unified-Speicher. Mehr zu Strix Halo erfahrt ihr hier: »Das beste Gerät, das wir je getestet haben«: Tester feiern neuen AMD Ryzen als größten Meilenstein seit Jahren
  • Hinzu kommt: Valve hätte kein Flaggschiff gebraucht – ein Derivat mit weniger Kernen, reduzierter GPU und 24 Gigabyte LPDDR5X statt DDR5 und GDDR6 in getrennten Pools hätten auch ausgereicht. Kein GDDR6-Interface, kein separater Spannungskreis – das Board wird fundamental simpler.
  • 50 Euro Aufpreis gegenüber der aktuellen Konfiguration sind so fast schon konservativ geschätzt, aber das Leistungsplus wäre so riesig, dass sich die Steam Machine wieder in lohnenswerte Gefilde begibt.

Ein anderer subjektiver Blick auf die Steam Machine: Die PC-Community ist schwer enttäuscht von der Steam Machine, doch ich sage: Valve hat (fast) alles richtig gemacht


Enttäuschung braucht keine Preiskrise

Das eigentliche Problem ist also kein reines Preisproblem – es ist ein Mismatch zwischen Anspruch und Hardware. Valve will den Wohnzimmer-PC neu definieren: besser als Konsolen, günstiger als High-End-Builds, mühelos an jedem Fernseher.

Aber die Hardware verfehlt es unabhängig vom Preis. Ein Gerät, das für PS5-Pro-Performance gebaut wurde, aber mehr kostet als eine PS5 Pro, überzeugt mich nicht als Konsolenersatz. Und ein Gerät, dessen GPU 2023 für 4K-Gaming schon am Limit war, überzeugt mich nicht als PC-Ersatz.

Auch ein gedachter Aufpreis für den – zugegebenermaßen fantastischen – Formfaktor von 90 bis 100 Euro gegenüber vergleichbarer Desktop-Hardware bietet mir da keine ausreichende Rechtfertigung.

Die Steam Machine ist wirklich schick, das muss man ihr lassen. Wenn man das gleiche nur über die Hardware sagen könnte ... Die Steam Machine ist wirklich schick, das muss man ihr lassen. Wenn man das gleiche nur über die Hardware sagen könnte ...

Oder, um es mit den Worten eines Freundes zu sagen: »So hat Valve da eine Sch***-Menge Arbeit investiert, um annähernd PS5-Pro-Performance bei höherem Preis zu liefern«.

Das Fenster war offen – und ist jetzt zu

Was die Steam Machine hätte sein können, ist ein Gerät für 700 Euro im Jahr 2024, oder eines mit Strix-Halo-Hardware in diesen Tagen. Was sie tatsächlich ist: ein Gerät von 2026 mit der GPU-Basis von 2023, zu einem Preis, der weder als günstige noch als leistungsstarke Option überzeugt.

Valve hat mit dem Steam Deck gezeigt, dass sie Hardware mit echtem Mehrwert bauen können – ein Gerät, das ein Versrpechen konsequent einlösen konnte. Die Steam Machine zeigt wiederum, was passiert, wenn das Ziel stimmt, aber Zeitplan und Komponenten nicht.

Und in diesem Fall kann man nicht allein der Speicherkrise die Schuld geben.


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