Während Bill Gates zusah: Steve Jobs wagte einen frechen Vergleich vor laufender Kamera – und wiederholte ihn 4 Jahre später auch noch!

Steve Jobs' provokante Worte über Windows demonstrieren die Rivalität zwischen zwei Tech-Ikonen – die auch Kollegen waren.

Steve Jobs war nicht nur ein Tech-Pionier, sondern wusste sich auch zu inszenieren. Ein Interview mit Eiswasser ging dabei in die Geschichte ein. (Bildquelle: Apple, Adobe Stock) Steve Jobs war nicht nur ein Tech-Pionier, sondern wusste sich auch zu inszenieren. Ein Interview mit Eiswasser ging dabei in die Geschichte ein. (Bildquelle: Apple, Adobe Stock)

Es ist, als würde man jemandem in der Hölle ein Glas Eiswasser geben: Dieses bildliche und provokante Zitat von Steve Jobs brachte er gleich zweimal, und in beiden Fällen ging es dabei um sein Verhältnis zu Windows.

Erstmals sagte er es öffentlich bei der Ankündigung von iTunes für Windows im Jahr 2003. Die Situation war historisch einmalig: Bis zu diesem Tag war der iPod (und die dazugehörige iTunes-Software) ausschließlich Mac-Nutzern vorbehalten.

Da Windows damals jedoch einen Marktanteil von über 90 Prozent hatte, erkannte Jobs, dass der iPod nur bei der breiten Masse an potenziellen Nutzerinnen und Nutzern ankommen würde, wenn er auch an Windows-PCs funktionierte.

Der Apple-Mitgründer stand in San Francisco auf der Bühne des Yerba Buena Center for the Arts und präsentierte die Windows-Version von iTunes.

Für ihn muss das ein bittersüßer Moment gewesen sein (mehr bitter als süß ...), denn er war sich der Ironie dieser Präsentation durchaus bewusst. Jahrelang hatte er Microsoft als ästhetisches Ödland, die Hölle, verteufelt.

Doch nun stand er auf der Bühne, mit seinem typischen, verschmitzten Lächeln im Gesicht, und kündigte den strategischen Bruch an, Apple-Software auf das Konkurrenzsystem zu bringen. Er fügte hinzu:

It’s like giving a glass of ice water to somebody in hell.

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Es ist eine Metapher für Erlösung, Hoffnung und das absolute Paradoxon – das Unmögliche, das plötzlich wahr wird. Ein Hauch Schmerz dürfte ebenfalls eine Rolle spielen.

Jobs' Aussage zeigt eindrucksvoll, dass er sich bereits intensiv mit der Thematik und seinen Gefühlen diesbezüglich auseinandergesetzt hatte. Ein Teil jedoch wird auch eine bewusste Inszenierung gewesen sein.

Unter tosendem Applaus lachte das Publikum. Jeder hatte die Spitze gegen Microsoft verstanden. Sie war nicht nur eine Art Bestätigung von Jobs' Arroganz, sondern auch ein hervorragend kalkulierter, strategischer Schachzug.

Ein Banner mit der Aufschrift Hell Froze Over (Die Hölle ist zugefroren), hing bereits während der gesamten Veranstaltung.

Vier Jahre später setzt Jobs einen drauf

2007 bei der All-Things-Digital-Konferenz wiederholte Jobs den ikonischen Satz dann auch noch, während Gates live dabei zusah.

Jobs wurde gerade von Moderator Walter Mossberg interviewt. Der Microsoft-Gründer sollte im Verlauf des Abends ebenfalls mit zu Jobs auf die Bühne kommen und verfolgte dessen Auftritt Backstage.

Dem war dieser Umstand durchaus bewusst, und er nutzte die einmalige Gelegenheit.

Mossberg fragte Jobs, wie es sich anfühlt, mittlerweile einer der größten Software-Entwickler für Windows zu sein (da inzwischen Millionen Menschen iTunes auf dem PC nutzten).

Jobs erinnerte sich an seinen Spruch von 2003, lachte und wiederholte ihn:

  • Mossberg: Damit sind Sie ein bedeutender Software-Entwickler für Windows.
  • Jobs: Ja, das sind wir.
  • Mossberg: Wie fühlen Sie sich dabei?
  • Jobs: Viele Leute haben uns Karten und Briefe geschrieben, um uns zu sagen, dass iTunes ihre Lieblings-Windows-Anwendung ist. Es ist, als würde man jemandem in der Hölle ein Glas Eiswasser geben.

Dieser Moment wird noch heute oft zitiert, weil die Situation lustig, nachvollziehbar und gleichzeitig auch pikant war – immerhin saß Bill Gates hinter der Bühne und verfolgte das Interview über Monitore, um sich der Gesprächsrunde später ebenfalls anzuschließen und dann auch mitreden zu können.

Nachdem Steve Jobs das Publikum mit seinem Spruch zur Windows-Hölle zum Lachen gebracht hatte, geschah das, worauf die Tech-Welt seit Jahrzehnten gewartet hatte: Der Vorhang öffnete sich, und Bill Gates betrat die Bühne, um sich in den Sessel direkt neben Jobs zu setzen.

Die Stimmung war den Anwesenden zufolge angespannt. Nur Minuten zuvor hatte Jobs das Imperium seines Kontrahenten noch als Hölle bezeichnet – nun saßen beide Schulter an Schulter. Doch anstatt in Feindseligkeiten zu verfallen, entwickelte sich eine Dynamik, die das Publikum beeindruckte.

Gates, der für seinen eher trockenen Humor bekannt ist, ließ den Spruch nicht ganz unkommentiert im Raum stehen. Als Mossberg das Thema Software-Entwicklung erneut ansprach, konterte Gates mit Fakten:

Er erinnerte Jobs (und das Publikum) daran, dass Microsoft jahrelang der größte Softwareentwickler für den Mac war, lange bevor Apple überhaupt an Windows dachte.

Damit spielte er darauf an, dass Microsoft Jobs' System jahrelang mit Office überhaupt am Leben erhalten hatte.

Versöhnliche Worte zum Schluss

Schließlich fragte Mossberg beide nach ihrem Vermächtnis und ihrer Beziehung zueinander. Jobs, der kurz zuvor noch so scharfzüngig war, wurde plötzlich nachdenklich. Er sah Gates neben sich an und zitierte eine Zeile aus dem Beatles-Song Two of Us:

You and I have memories longer than the road that stretches out ahead. (Du und ich haben Erinnerungen, die länger sind als der Weg, der noch vor uns liegt.)

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Es gibt viele Einschätzungen und Aussagen dazu, wie Gates und Jobs zueinander standen. Spätestens in diesem Augenblick aber wurde klar: Jobs' Eiswasser-Zitat war ein reiner Marketing-Schachzug, um sein Unternehmen und sich selbst zu positionieren. Doch in der direkten Begegnung zwischen den beiden Tech-Pionieren wich die Arroganz einer tiefen, fast liebevollen Anerkennung.



Jobs zeigte seine wahren Gefühle für den Konkurrenten, wenn auch nicht alle. Beide waren Teil derselben Geschichte und sich dessen bewusst. Die Hölle war am Ende nur eine Metapher für ein System, das ohne Apples Software (und Microsofts frühe Hilfe für den Mac) niemals so groß geworden wäre.

Wer heute über Steve Jobs schreibt, kommt nicht drumherum, Bill Gates dabei ebenfalls zu erwähnen. Um mit einem Beatles-Zitat aus demselben Song zu schließen:

You better believe it
Goodbye

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