Alle Jahre wieder – und ich meinte nicht Weihnachten. Erneut hat Netflix die Preise erhöht, teilweise um bis zu 2 Euro pro Monat. Das ist zwar die erste Preiserhöhung seit zwei Jahren, davor gefeit sind wir allerdings auch in Zukunft nicht.
Zeitlich passend hat vor drei Wochen Krineros im Rahmen meines Ask me Anything (AMA) zu Heimkino folgende Frage gestellt:
[...] Ist der qualitative Unterschied einer 4K UHD Bluray so markant besser, das es sich lohnt von Streaming zu Bluray zu wechseln? [...]
Die Frage nehme ich zum Anlass, um zu überprüfen, ob sich Streaming 2026 noch lohnt – qualitativ oder sonst wie.
Falls ihr nicht alle meine Ausführungen lesen wollt, geht es hier zum Fazit.
Streaming oder Disk: Wo steckt mehr Qualität drin?
Hier hat sich auch nach Jahren nichts geändert, denn eine 4K-Blu-ray auf einem 4K-Player abgespielt und auf einem 4K-Fernseher angeschaut, wird Streaming auch in Zukunft schlagen.
Grund dafür ist, wie die Daten ausgeliefert werden. Netflix, Disney Plus und Co. komprimieren die Daten, um kleinere Datenpakete von ihrem Server an euren Fernseher zu senden. Dadurch sinkt auch die Qualität, vornehmlich die Bitrate. So sehen die Bitraten im Schnitt im Vergleich aus:
- Streaming-Dienst: ca. 17 Mbit/s
- Apple TV+: ca. 26 Mbit/s
- DVD: bis zu 10 Mbit/s
- Blu-ray: bis zu 40 Mbit/s
- UHD-Blu-ray: bis zu 128 Mbit/s
Im Vergleich mit 4K-Disks kommt Streaming also auf rund ein Viertel der Bitrate.
Was bedeutet eigentlich eine niedrige Bitrate? Komprimierungseffekte sind am deutlichsten in sich schnell bewegenden oder detailreichen Szenen zu sehen. Das Bild wird einfach matschig. Zu sehen ist das beim nachstehenden Video, das ich immer wieder gerne verwende:
Link zum YouTube-Inhalt
Komprimiert werden übrigens auch Klangdaten. Sound wird durch das Senden übers Internet komprimiert und kommt nicht mehr verlustfrei bei euch an. Das Ergebnis: weniger Räumlichkeit, sich überlagernde Töne oder der Effekt, dass Dialoge schwerer zu verstehen sind.
Natürlich hängen tatsächliche Bitraten von vielen Faktoren ab – sowohl bei Streaming als auch auf Disk. Dazu zählen beispielsweise verwendete Video- und Audio-Codecs sowie der Player und/oder TV, den ihr verwendet.
Streaming oder Disk: Weitere Faktoren
Betrachtet man die Bild- und Soundqualität im Vakuum, dann sticht die Disk das Streaming aus. Allerdings gibt es noch Punkte, die sich im Rahmen dieses Themas nicht vernachlässigen lassen.
Für Streaming sprechen deshalb auch die nachstehenden Punkte.
Auswahl
Die wohl größte Stärke der Streaming-Dienste bleibt ihre schier endlose Auswahl. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die eigene Videothek zu Hause wird niemals so groß sein wie die von Netflix und Konsorten (und das sage ich als jemand, der mal den Traum hatte, eine eigene, persönliche Videothek zu besitzen).
Auch wenn durch Lizenzvereinbarungen Titel hin und her wechseln, haben viele Anbieter oftmals tausende Filme und Serien im Programm. Vodafone sprach im letzten Jahr von ca. 7.300 bei Netflix und ca. 5.800 bei Amazon Prime Video. Damit kann schlichtweg niemand mithalten. Dazu dürfte den meisten auch einfach der Platz fehlen.
Komfort
Fernseher einschalten, Apple TV starten und die neueste Folge Ted Lasso einschalten – einfacher geht’s nicht. Mit dieser Art von Komfort kann eine Disk nicht mithalten.
Logisch, in der Theorie geht das auch mit einer Disk, vorausgesetzt, man hat das entsprechende Setup zu Hause. Und selbst dann ist man auf seine eigene Bibliothek beschränkt, wenn man nicht für Geld einen neuen Film im Elektrofachhandel kaufen will. Hinzu kommt: Taugt einem der Film nicht, hat man bei einer UHD-Blu-ray bis zu 30 Euro ausgegeben. Beim Streaming-Dienst ist das im monatlichen Abo eingepreist, also kann man auch einfach mal einen Titel abbrechen.
Und dann sind da noch die Vielreisenden, die auf dem Tablet oder Handy schauen können, wo und wann sie wollen. Das Setup mit Blu-ray-Player steht immer daheim im Wohnzimmer.
Doch die Disk hat ebenfalls Vorteile für sich.
Unabhängigkeit
Eingangs erwähnte ich die jüngste Preiserhöhung durch Netflix. Kurz und gut: Wir zahlen mehr für denselben Service; Eigenproduktionen gefallen uns oder auch nicht, das ist subjektiv.
Die Disk, die bei uns im Schrank steht, wird nicht teurer. Sie sicher vor:
- Preiserhöhungen
- Zusätzliche Werbung
- Der Tatsache, dass Titel bei einem Streaming-Dienst nicht mehr verfügbar sind.
Außerdem kann niemand die Features der Scheibe angreifen. Wenn sich Prime Video entscheidet, einen Film nicht mehr mit Dolby Atmos oder in HDR10+ anzubieten, bekommt man effektiv eine schlechtere Version des Titels (ganz gleich, ob die heimische Technik die bessere Version nun abspielen kann oder nicht). Die Disk bleibt so, wie ihr sie gekauft habt.
Ach ja, und ihr besitzt die Disk. Die kann euch niemand mehr wegnehmen. Das ist womöglich einer ihrer größten Pluspunkte.
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Extras
Für einige mögen die keinen Unterschied machen, weil sie nur den Film oder die Serie sehen möchten. Andere wiederum wollen auf Extras wie Making-ofs oder Director’s Cuts nicht verzichten.
Auf den meisten Blu-rays findet ihr in der Regel ein Extra-Bonbon. Beim Streaming nur, wenn der Anbieter diese auch zur Verfügung stellt, etwa bei The Mandalorian auf Disney Plus.
Streaming oder Disk: der Preis
Hier kann ich leider nichts beschönigen. Wenn es rein um den Preis geht, dann hat die Scheibe das Nachsehen. Da kann Netflix noch 10 Euro pro Monat draufschlagen und bietet in Summe das bessere Angebot (wenn man die reine Bild- und Tonqualität mal außen vor lässt).
Der Astronaut kostet auf 4K-Blu-ray auf Amazon derzeit knapp 32 Euro. Dafür bekommt man den Film in doppelter Ausführung sowie etwaige Extras in bestmöglicher Qualität. Auf Blu-ray in Full-HD kostet der Streifen noch 18 Euro.
Dem gegenüber steht der Film im Stream bei Prime Video – umsonst. Ja, mit Werbung und nicht derselben Qualität, aber wer den Film lediglich sehen will, dem sind solche Details meist egal.
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Hinzu kommt, dass man für die Disk noch einen UHD-Blu-ray-Player braucht, der ebenfalls zusätzlich kostet.
Fazit
Ob es sich 2026 lohnt, zur Scheibe statt zum Streaming-Dienst zu greifen, hängt maßgeblich davon ab, was euch am wichtigsten ist.
Wollt ihr die beste Bild- und Tonqualität, bleibt die Disk nach wie vor ungeschlagen. Das wird auf absehbare Zeit auch so bleiben. Zumindest solange Streaming-Dienste ihre Daten aufgrund der Bandbreite komprimieren. Allerdings besitzt ihr dadurch weniger Auswahl und verzichtet auf den Komfort, überall und jederzeit auf Filme und Serien zugreifen zu können.
Möchtet ihr in erster Linie Auswahl und Komfort, dann wird euch die Disk nicht überzeugen können. Klar, die Qualität ist am Ende nicht so gut, aber tausende Filme und Serien haben die wenigsten von uns daheim stehen. Dafür müsst ihr damit leben, weniger Extras zu bekommen oder Titel nicht zu finden, wenn ihr sie schauen wollt. Hinzu kommt, dass ihr gekaufte Filme oder Serien niemals wirklich besitzt.
Passend zum Thema:
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- Netflix und Co. schaffen sich ab: Der Traum vom Streaming ist geplatzt
Unterm Strich steht dann noch der Preis. Obwohl Netflix die Preise seiner Monatsabos teilweise um 2 Euro erhöht hat, bleiben sie im Preis-Leistungs-Verhältnis ungeschlagen.
4K-Blu-rays neuer Filme berappen pro Exemplar rund 30 Euro, das Full-HD-Äquivalent immerhin noch 18 Euro – nur 2 Euro über einem Standard-Abo bei Netflix.
Für diejenigen, für welche die Bild- und Tonqualität nicht an erster Stelle steht, ist ein Streaming-Abo immer noch am lukrativsten. Daran ändert sich auch mit einer erneuten Preiserhöhung nichts.

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