Wenn eine Maschine in einer Fabrik zwar noch funktioniert, ihren Dienst aber getan hat, voll abgeschrieben ist und durch modernere Technik überholt wurde, landet sie meist auf dem Schrott. Fast alle Betriebe mustern solche Anlagen aus, um Platz für neue Gerätschaften zu schaffen.
Durch die geplante Obsoleszenz bleibt Unternehmen oft keine andere Wahl: Maschinen verschleißen und müssen ersetzt werden, um den Produktionsbetrieb nicht zu gefährden.
Vor knapp 100 Jahren war geplante Obsoleszenz allerdings noch kein Thema – und einige Hersteller stemmen sich bis heute dagegen. Allen voran: Toyota.
Dieser Artikel stammt im Original von unserer spanischen Schwesterseite motorpasion.com und erscheint bei GameStar Tech in übersetzter und angepasster Form.
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Von Japan nach Brasilien und wieder zurück
- Statt einer Wegwerfmentalität zu folgen, schenkt Toyota betagten Maschinen lieber ein zweites Leben, solange sie ihren Zweck erfüllen. Oder sogar ein Drittes.
- Genau das erlebt derzeit eine historische Komatsu-Industriepresse mit 700 Tonnen Presskraft. Im Jahr 2024 ehrte Toyota die Anlage mit einer offiziellen Zeremonie, an der sogar Konzernchef Akio Toyoda teilnahm.
- Toyotas Unternehmensgründer Kiichiro Toyoda kaufte die Maschine 1934 höchstpersönlich für seine Webstuhl-Firma Toyoda Automatic Loom Works.
Als 1937 die Toyota Motor Company für den Automobilbau gegründet wurde, ging die Presse in das neue Unternehmen über. Ein Jahr später zog das Schwergewicht von Aichi in das Werk Koromo um – das heutige Werk Honsha.
Für den Umzug über rund 15 Kilometer engagierte der Hersteller einen Spezialisten für Schwertransporte und Maschineninstallation. Historischen Berichten zufolge wurde der Koloss damals auf von Ochsen gezogenen Karren transportiert.
Die Reise geht weiter
Über Jahrzehnte verrichtete die Presse in Japan zuverlässig ihren Dienst. 1962 entschied Toyota schließlich, das Aggregat 18.784 Kilometer weit in sein erstes Werk außerhalb Japans zu verlegen: in das Werk São Bernardo im brasilianischen São Paulo.
Dort formte sie fortan Karosserieteile für die brasilianische Variante des Toyota Land Cruiser, den Toyota Bandeirante.
Die Anlage lief viele weitere Jahrzehnte, bis die Fabrik in São Bernardo schließlich geschlossen wurde. Die Leitung vor Ort wandte sich an die Konzernzentrale in Japan, um über die Zukunft der Komatsu-Presse zu beraten. Akio Toyoda entschied, die Maschine keineswegs aufzugeben, sondern sie weiterzunutzen – allerdings wieder in Japan.
Sein Leitgedanke: den historischen Wert der Presse über eine sogenannte »funktionale Konservierung« zu bewahren. Das bedeutet, die Maschine aufwendig zu restaurieren und technisch perfekt instand zu halten, damit sie weiterhin echte Serienteile produzieren kann.
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Zurück nach Hause
Wenige Monate später reiste die Industriepresse zum dritten Mal in ihrer über 90-jährigen Historie um den Globus zurück nach Japan – genauer gesagt nach Toyota City in der Präfektur Aichi, wo sie 1934 erstmals anlief.
Toyota richtete eine feierliche Willkommenszeremonie aus, an der ehemalige Mitarbeitende und Spitzenkräfte des Konzerns teilnahmen, darunter auch Akio Toyoda.
Vor der erneuten Montage in Aichi wurde die Presse vollständig in ihren Ursprungszustand zurückversetzt. Den originalen Farbton aus dem Jahr 1934 exakt zu bestimmen, war allerdings gar nicht so einfach:
- Über die Jahrzehnte hinweg hatte die Maschine mehrere Neuanstriche erhalten, und alte Fotografien aus den 1930er-Jahren halfen kaum weiter, da sie lediglich in Schwarz-Weiß vorlagen.
- Ein Restaurierungsteam trug Schicht für Schicht der alten Lacke ab, um die originale Farbgebung freizulegen. So wich das Weiß-Gelb aus Brasilien wieder dem ursprünglichen Grauton.
Toyota holte das historische Schwergewicht zurück in den Betrieb, um damit produktiv zu arbeiten, anstatt es als Museumsstück abzustellen. Nun fertigt die Presse laut Toyotas Bericht über ihre Rückkehr aktiv Teile für Brennstoffzellenmodule – genau nach dem Prinzip der »funktionalen Konservierung«.

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